Winzer schenken in Heiligenhaus aus

Bis in die Abendstunden – so wie hier zum Auftakt am Freitag – genossen die Heiligenhauser das nunmehr vierte Weinfest in ihrer Stadt.
Bis in die Abendstunden – so wie hier zum Auftakt am Freitag – genossen die Heiligenhauser das nunmehr vierte Weinfest in ihrer Stadt.
Foto: WAZ FotoPool
Probieren geht über studieren beim vierten Weinfest auf dem Hitzbleck-Parkplatz. Fünf Erzeuger brachten ihre leckeren Tropfen aus drei Anbaugebieten mit. Austausch mit Kunden und Kollegen gepflegt.

Heiligenhaus..  Mit einem leisen „Pflop“ geht die große Kühlschranktür hinter Elmar Clemens auf. Zielsicher greift seine Tochter hinein und zieht eine Flasche Chardonnay heraus. Mit einer gekonnten Drehbewegung offenbart der Winzer das geheime Prickeln des Weißweines. Am Rande der Flasche setzen sich kleine Bläschen ab – Kohlensäure, die während des Gärens entstanden ist. Nach eben diesem gewissen Prickeln auf der Zunge suchen die Besucher des Heiligenhauser Weinfestes.

„Für Traubensaft bin ich nicht hier hingekommen“, scherzt ein Weinliebhaber und lässt sich ein neues Glas über die Theke reichen. Schade, denn die alkoholfreie Trauben-Veredelung ist auch nicht zu unterschätzen. Der vollmundige Geschmack lässt die flüssigen Verwandten im Tetrapack reichlich blass aussehen.

Doch allein für den Traubensaft ist auch Jungwinzer Frank Achenbach nicht nach Heiligenhaus gekommen. Er hat seine eigene Kollektion mitgebracht. Fünf Jahre dauerte Aachenbachs Ausbildung. Seit 2012 ist er Jungwinzer auf dem Familienweingut im Rheinland-Pfälzischen Wonsheim. „Ich bin völlig frei, was die Weinauswahl betrifft, die ich anbauen möchte. Ich habe 1000 verschiedene Stellschrauben, mit denen ich bestimmen kann, wie ein Wein werden soll“, erklärt Achenbach.

Ähnlich geht es den Töchtern von Elmar Clemens, die das Weingut in Sulzheim in der vierten Generation weiterführen wollen. „Angefangen haben wir mit einem halben Hektar; heute sind es zwölfeinhalb“, erinnert sich Elmar Clemens. Immer mehr Parzellen kaufte die Winzerfamilie dazu – und mit jedem Stück Land wuchs auch der Erfahrungsschatz.

Doch nur auf den eigenen Gaumen kann sich Clemens nicht verlassen. Weinfeste wie das in Heiligenhaus zeigen dem Winzer, wie seine edlen Tropfen den Geschmack treffen. „Ich kann mich mit Menschen austauschen und auch mit anderen Winzern.“ Im Gespräch und am Kaufverhalten merke er, was momentan voll im Trend liege. Und das ist gerade bei den Damen sehr eindeutig. „Gerade im Sommer trinke ich sehr gerne Weißwein. Der ist so schön frisch und fruchtig“, findet zum Beispiel Tina Schmalbach.

Perfekte Wettermischung

Auf den Weinbergen der Familie Clemens wachsen zu 74 Prozent Weißweine. Schlägt der Trend plötzlich um, dauert es drei Jahre, bis sich die Winzer über eine neue Ernte freuen dürfen. „Einfach die alten Reben rausreißen und neue einpflanzen geht nicht“, so Clemens. Mit seiner Planung lag er in diesem Jahr genau richtig. Ein kühles Glas Weißwein nach dem anderen geht über die Theke. Und die neue Ernte? „Sieht vielversprechend aus. Man braucht aber die perfekte Wettermischung. Es könnte noch ein bisschen mehr regnen.“

EURE FAVORITEN