Wie ein Vogel über Heiligenhaus im Wind segeln

Im Rahmen der Ferienaktion "Matchbox" der Stadt Ratingen erhalten am 12. August 2016 Jugendliche auf dem Flugplatz Meiersberg eine Einführung in die Segelfliegerei. Pilot Hans Lucas vom Aeroclub Ratingen zeigt Mari Daneshvar in einem Segelflugzeug mit Hilfsmotor, wie der Steuerknüppel gehalten wird. Foto: Fritz Baum/FUNKE Foto Services
Im Rahmen der Ferienaktion "Matchbox" der Stadt Ratingen erhalten am 12. August 2016 Jugendliche auf dem Flugplatz Meiersberg eine Einführung in die Segelfliegerei. Pilot Hans Lucas vom Aeroclub Ratingen zeigt Mari Daneshvar in einem Segelflugzeug mit Hilfsmotor, wie der Steuerknüppel gehalten wird. Foto: Fritz Baum/FUNKE Foto Services
Foto: WAZ-FotoPool
Jugendliche waren auf dem Meiersberger Flugplatz. Ein Schnupperflug und ein Einblick in die Theorie bieten den ersten Schritt, um den uralten Traum vom Fliegen wahr werden zu lassen

Wie prächtige weiße Adler gleiten sie lautlos durch die Lüfte, umherkreisend und faszinierend – schon von weitem sind die edlen Segelflugzeuge über dem Flugplatz Meiersberg zu erkennen. Dem Traum des eleganten Selbstfliegens ein Stück näher zu kommen, das haben sich die zehn jungen Teilnehmer vorgenommen, die sich beim Verein Aero-Club Ratingen für einen spannenden Entdeckungstag auf dem Meiersberger Flugplatz angemeldet haben.

Sich wie Könige der Lüfte fühlen: Fluglehrer Thomas Hill referiert seine Flugerfahrungen und erste Einzelheiten zum Sportflug. Dazu gehören auch der Aufbau eines teilmechanischen Flugzeuges, die Voraussetzungen zum Fliegen sowie die zwei- bis dreijährige Ausbildung bis zum Flugschein: „Brillen und Kontaktlinsen sind selten ein Hinderungsgrund und die Segelflugausbildung darf man schon mit 14 Jahren beginnen, den Flugschein gibt es dann oft ab 16 Jahren“, stellt er klar. „Fliegen ist günstiger als Golfspielen. Bis 25-Jährige zahlen einmalig 150 Euro Aufnahmegebühr plus 21 Euro Fixkosten monatlich.“

Und wer kommt sonst schon in den Genuss, in nur 100 Minuten die Nordseeküste für ein warmes Kännchen Ostfriesentee mit Kluntjes zu erreichen, zudem gänzlich ohne Fahrzeugstau?

Auf eine Leinwand im Vereinshaus werden Flugreisen nahe der südfranzösischen Alpen, Flüge nach Baltrum und in die Umgebung projiziert, ein Video präsentiert den Segelkunstflug, ein Spektakel mit Loopings und windigen Flugfiguren. Windstill segelt dieses aus 1000 Meter Höhe – je nach Gleitzahl – etwa 40 Kilometer weit.

Anschließend werden die Fluginteressenten in einen Hangar mit über einem Dutzend Segel- und Motorflugzeugen begleitet: „Die Tragflächen des Rhönadlers haben eine leichte Holzbeplankung, die doppelsitzige G 103 hat eine Flügelspannweite von 17,5 Metern und die Glasfaserkonstruktion der ASK 21 lässt sie maximal 280 km/h schnell fliegen“, sprudelt es aus den Flugexperten heraus. Ein fabrikneues Fluggerät gibt es übrigens ab etwa 150 000 Euro inklusive Anhänger zum Transport, einfache gebrauchte ab 3500 Euro.

Drei Sekunden dauert der Start

An dem Motorsegler „Super-Dimona“ erklärt Clubmitglied Wolfgang Kürten die Flugpraxis – vom Seitenruder über die mit zahllosen Schaltern und Anzeigen gespickte Instrumententafel bis zu den Positionslichtern. Bevor die frischen Flugliebhaber von den Profipiloten in einem Motorsegler auf jeweils 15-minütige Probeflüge zwischen Heiligenhaus, den Wülfrather Kalksteinwerken und Ratingen-Homberg mitgenommen werden, stehen vor dem Start Funktionsprüfungen im Cockpit und die Sichtung von möglichen Beschädigungen auf der Kunststoff-Außenhülle an; zur Sicherheit gibt es eine Checkliste.

„Unsere Segelflugzeuge werden meist mit unserer Seilwinde „Alice“ über einen selbstlösenden Haken verbunden und über die 1000 Meter lange Startbahn beschleunigt – von null auf einhundert Kilometer pro Stunde dauert es nur knapp drei Sekunden“, erklärt Wolfgang Meurer, Geschäftsführer des Aero-Clubs, „oder es schleppt ein motorisiertes Flugzeug einen Segelflieger an einem Seil in den Himmel.“

Er verdeutlicht: Der Segelflugsport setze für einen sicheren und verantwortungsvollen Flug ein soziales Miteinander in der Gruppe sowie hohes Vertrauensverhältnis voraus.

Von der Ausbildung zum Piloten

Um Segelflug-Pilot zu werden, sind mehrere Prüfungen notwendig. Die Ausbildung für einen Flugschein dauert etwa zwei bis drei Jahre und kann mit 14 Jahren begonnen werden. Für eine Ausbildung zum Segelflugpiloten gibt es seit 2012 die Wahl zwischen den unbefristeten Flugschein-Lizenzen „Sailplane Pilot License“ (ICAO-konform) und der Light Aircraft Pilot License Sailplane (europaweit gültig). Vor dem ersten Alleinflug wird eine Flugtauglichkeitsbescheinigung vom Fliegerarzt (dazu meist augen- und HNO-ärztliche Untersuchungen) benötigt. In drei Ausbildungsabschnitten werden zunächst lenken, starten und landen, dann die Nutzung der thermischen Aufwinde und schließlich etwa der Seitengleitflug gelehrt – gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 15 Flugstunden. Außerdem ist ein Sprechfunkzeugnis (englisch oder deutsch) notwendig. An den Wochenenden in der Segelflugsaison von April bis Oktober bleiben einige Clubmitglieder von morgens bis abends auf dem Flugplatz. Im Winter werden die Flugzeuge gewartet und es gibt zeitgleich einige Theoriestunden in Meteorologie, Luftrecht, Technik und Navigation für die Flugschüler.

Der Verein Sportflug Niederberg und der Aero-Club Ratingen suchen neue Mitglieder, die weg vom Computersimulator und hin zum realen Fliegen auf den Meiersberg kommen möchten. Flugbegeisterte erreichen beide unter meiersberg.de und unter 02102/506 95.

 
 

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