Weiter Streit um Heiligenhauser Übergangswohnheim

Andreas Berten
Der Kameruner Ali (links) schilderte den Unterstützern der Migranten die Lebensumstände im Übergangswohnheim an der Ludgerusstraße.
Der Kameruner Ali (links) schilderte den Unterstützern der Migranten die Lebensumstände im Übergangswohnheim an der Ludgerusstraße.
Foto: WAZ FotoPool
Die Stadt Heiligenhaus bemüht sich um Verbesserungen im Übergangswohnheim an der Ludgerusstraße, doch die Asylbewerber beklagen weiter „katastrophale Zustände“. Ein Teil ist schon in anderen Wohnungen untergebracht worden.

Heiligenhaus.  Der jüngste Bewohner des provisorischen Asylbewerberheims ist gerade mal eine Woche alt. Auf großen Matratzen liegt der Säugling, seine Eltern schauen glücklich auf ihn drein. Normalerweise müsste Leo in einem Kinderbettchen liegen, das aber gibt es derzeit nicht. Dass die chinesische Familie ein Bett fürs Baby benötigt, ist der neueste Missstand im Übergangswohnheim an der Ludgerusstraße. Ansonsten brachte die gestrige Gesprächsrunde kaum Neues ans Tageslicht.

So war es eine äußerst zähe sogenannte Pressekonferenz, zu der offiziell die Bewohner der ehemaligen Pestalozzischule geladen hatten, die aber überwiegend von Unterstützern aus dem Umfeld der Wuppertaler Karawane getragen wurde. So waren es anfangs lediglich zwei Bewohner, die ihren Unmut über die aus ihrer Sicht katastrophalen Zustände in der Übergangsbleibe noch einmal äußerten. „Es ist unmöglich, hier zu leben“, sagte Jamal, der seit sechs Jahren auf Asyl hofft. „Ich habe gedacht, hier gebe es eine gute Gesundheitsversorgung. Wahrscheinlich ist die in Afrika besser“, spielte Ali auf seinen körperlichen Zustand und natürlich auf den Tod seines Mitbewohners Hassan Anfang Dezember an. Die teilweise immer schärfer werdende Darstellung von Hygiene, Verpflegung, Gesundheit gipfelte darin, dass Jamal für die Bewohner eine weitere Kommunikation mit der Stadt ausschloss: „Wir brauchen keinen weiteren Termin mit dem Bürgermeister.“

Stadt arbeitet Mängelliste ab

Dass dies nicht der richtige Weg sei, erkannte auch Birgit Naujoks vom Flüchtlingsrat NRW: „Gespräche sind eine wichtige Grundlage.“ Dr. Jan Heinisch werfen einige Bewohner vor, Versprechen für Verbesserungen nicht gehalten zu haben. Doch sowohl der Erste Beigeordnete Michael Beck als auch der Sozialarbeiter Thomas Brüssel betonten, alles Mögliche zu machen. „Wir sind dabei, die Liste abzuarbeiten“, erklärt Beck. So ist Schimmel in Zimmern entfernt worden. Derzeit würden vier zusätzliche Duschen in Mobilbauweise installiert. Allerdings gebe es auch immer wieder Fälle von Vandalismus, jüngst wurden mehrere Herdplatten mutwillig zerstört. „Aufgrund von Aussagen einiger Bewohner, die ich seit langem kenne“, sagt Thomas Brüssel, „ist zu befürchten, dass es Externe waren.“ Der größten Forderung der Bewohner, der nach einer dezentralen Unterbringung anstatt zu neunt in ehemaligen Klassenzimmern, ist die Stadt nach Kräften nachgekommen. Von rund 100 Personen ist ein Viertel inzwischen ins renovierte ehemalige Hausmeisterhaus an der Friedhofsallee umgezogen, 20 Personen sind zudem mit einer Verlassenserlaubnis des Kreissozialamts bei Verwandten untergekommen.

Mit einer kleinen Gedenkstunde verabschiedeten sich gestern einige Bewohner von Hassan. Sie beklagen, von der Stadt nicht den Ort seiner Grabstätte genannt zu bekommen. Dass Hassan in Velbert begraben liege, wüssten sie seit einem Gespräch vor Weihnachten, entgegnet Michael Beck, der aus Datenschutzgründen nichts weiter preisgeben kann. „Aber wir stellen gerne den Kontakt zur zuständigen Stelle her.“