Von der Liebe im Mittelalter

Autorin Martina Kempff stellte  in der Stadtbücherei ihren neuen Historienroman vor. Foto: H.W. Rieck
Autorin Martina Kempff stellte in der Stadtbücherei ihren neuen Historienroman vor. Foto: H.W. Rieck
Foto: WAZ FotoPool

Heiligenhaus.. Viele Zuhörer sind am Donnerstagabend in die Stadtbücherei gekommen, um Martina Kempff lesen zu hören. Und: Sie werden belohnt.

Während die Autorin die geschichtlichen Hintergründe komprimiert, zügig und kurzweilig als Voraussetzung für ihren eigenen historischen Roman erklärt, ist zu spüren, wie bei Martina Kempff ein Film abläuft. Es scheint, als erlebe sie den Fanatismus und die Brutalität des Hochmittelalters nach. Das bringt Gefühl in die Lesung – noch bevor sie beginnt.

Mit viel Humor

Eine Dame sitzt am Einzeltisch und beginnt zu erzählen. Sie erzählt über die Inquisition und landet bei den Katharern in Südfrankreich. Und mehr noch, in der Geschichte ihres historischen Romans „Die Kathedrale der Ketzerin“.

Aus ihrem in diesem Jahr erschienenen Roman wählt sie die Liebesgeschichte aus. Eine Dreiecksbeziehung. Blanka liebt ihren Mann; Theo liebt Blanka, ist aber verheiratet; Clara liebt Theo. Spannend, verworren und dennoch glasklar verständlich, übertragen auf die heutige Gefühlswelt, liest sie vor.

Vielmals gluckst das Publikum, lacht und wirkt offensichtlich amüsiert. Warum? Martina Kempff holt das Mittelalter in die Gegenwart. Viele historische Romane sind düster und bedrückend, kleben vor Dreck, stinken vor Realität. In „Die Kathedrale der Ketzerin“ insbesondere in der Passage, die Kempff vorliest, ist das mitnichten der Fall. Helligkeit, nachvollziehbare Beziehungs-Gefühle und – was sie insbesondere auszeichnet – eine gehörige Portion Humor stehen im Vordergrund.

Doch nicht nur das Genre Historischer Roman, sondern auch der Kriminalroman reizt Martina Kempff. Vor eineinhalb Jahren hat sie ihr Erstlingswerk „Einkehr zum tödlichen Frieden: Ein Krimi aus der Eifel“ herausgebracht und im Februar dieses Jahres die Fortsetzung mit dem Titel „Pendelverkehr: Ein Eifel-Krimi“. Fortsetzung bedeutet, dass die Ermittler sowie die Örtlichkeit dieselben bleiben, aber neue Morde geschehen und sich die Protagonisten Katja und Marcel weiterentwickeln, auch näherkommen.

Und wieder liest sie vor: Eine Liebesgeschichte, die zu hören sich lohnt, gespickt mit Amüsement, Spannung sowie Wortspielen. In dem Krimi „läuft das Blut nicht aus den Seiten“ sagt sie. Auch der Krimi scheint hell.

Viel erlebt und erfahren

Was zeichnet nun Martina Kempff aus? Sie ist eine Frau um die 60. Ihre biografischen Daten zeigen viel Abwechslung, anders ausgedrückt: Sie wirken, als hätte sie viel erlebt und erfahren. Offen spricht sie über sich, lässt das Publikum ein wenig ihre viel gereiste Seele spüren. Sie ist authentisch, bewandert und ihre Intonationen bewundernswert. Martina Kempff ist eine reife Autorin, ihre Worte – die vorgelesenen wie die frei erzählten – schmecken einfach.

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