Vlies sorgt für Verstopfung in Heiligenhauser Rohren

Öl-und Feuchttücher sollten nicht mit der Toilettenspülung entsorgt werden, da sie sich nicht zersetzen und Förderpumpen zerstören können. Ein Signet auf der Umverpackung zeigt das an.
Öl-und Feuchttücher sollten nicht mit der Toilettenspülung entsorgt werden, da sie sich nicht zersetzen und Förderpumpen zerstören können. Ein Signet auf der Umverpackung zeigt das an.
Foto: FUNKE FOTO SERVICES
Ölige Hygiene-Tücher können im übelsten Fall die Pumpen der Kanalisation stilllegen. Der Stadt entstehen so alljährlich hohe Reparaturkosten.

Heiligenhaus..  „Da kapitulieren selbst die Schneidwerkzeuge vor den Pumpen“, erklärt Michael Krahl, Leiter des Fachbereichs Straßenbau. Die Reißfestigkeit von feuchten Vliestüchern ist für ihre Benutzer ein Segen, für das Kanalsystem der Stadt sind sie hingegen nur schwer verdaulich. Kommt ein ganzer Schwall der feuchten Tücher durch die Toilette an einer der Pumpstationen an, verstopfen sie die Zugänge und können die Pumpen sogar komplett lahm legen.

„Allerdings machen sich bereits viele Heiligenhauser Gedanken darüber, was sie problemlos in die Toilette werfen können“, lobt Krahl. Jedoch möchte er die Bürger für drei Gruppen sensibilisieren: Feste Gegenstände wie die robusten Vliestücher, Essensreste – insbesondere Fette und Öle – sowie Medikamente.

Unter den Füßen der Heiligenhauser erstreckt sich ein über 100 Kilometer langes Abwassernetz. Tief im Erdreich bleiben die Kanäle vor neugierigen Augen meist verborgen. Nur die Linse des ferngesteuerten Kamera-Fahrzeugs hat alles im Blick. Alle drei Jahre werden die Leitungssysteme abgefahren. Dabei entdeckt die Kamera manchmal auch einen scheuen Untergrundbewohner: Ratten suchen in der Dunkelheit nach Essensresten und werden fündig.

„In jeder Stadt gibt es Ratten“, weiß Michael Krahl, „man kann die Verbreitung jedoch einschränken, wenn man sie auf ein Diätprogramm setzt. Fette und Öle sind nämlich wahre Energieriegel für die Tiere.“ Zu verlockend ist es, die flüssigen Überbleibsel aus der Pfanne schnell ins stille Örtchen zu kippen, bevor sie im Hausmüll eine kleine Sauerei verursachen. Der Bereichsleiter der Abteilung Sondervermögen Abwasser hat einen Tipp parat, wie sich Öl und Fett leichter entsorgen lassen: „Man kann die Flüssigkeiten zum Beispiel in alte Milchkartons oder verschraubbare Gläser abfüllen.“

Neben den matschigen Essenresten sorgen aber auch feste Gegenstände im Abort für Probleme. „Für ein Wattestäbchen läuft niemand in die Küche, um es dort zu entsorgen“, weiß Krahl. Ein kleiner Mülleimer im Bad kann zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen erspart er den langen Weg in die Küche, zum anderen sorgt er für mehr Geld in der Stadtkasse.

„Die Reparatur der Pumpen kostet die Stadt jedes Jahr 5000 bis 10 000 Euro“, rechnet er vor. „Die Pumpen müssen laufen, um das Mischwasser abzutransportieren. Wir haben hier nun mal eine hügelige Topographie.“ Mit einer enormen Saugkraft befördern sie das Wasser nach oben. Schwimmen die Vliestücher in den Sog, verschlingen sie sich zu einem regelrechten Knäuel vor dem Rohr. Erst geben sich die Schneidwerkzeuge geschlagen und schließlich geht auch der Pumpe die Kraft aus.

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