Viele Aktionen beim Vorlesetag in Heiligenhaus

Foto: WAZ FotoPool
Zum bundesweiten Vorlesetag werden in der Grundschule Bücher vorgelesen, im Kindergarten Geschichten erzählt und in der Innenstadt Poesie sowie Prosa geteilt.

Heiligenhaus..  „Wer von euch kennt denn die Herdmanns?“, möchte Pfarrer Alfons Demand von den Viertklässlern wissen. Sie sitzen im Klassenraum, der mit Kerzenlicht gemütlich beleuchtet wird, verteilt in einem Stuhlkreis, und blicken den Pfarrer gespannt an. Keiner meldet sich, also höchste Zeit, den Kindern das Buch über die chaotischen Geschwister, die etwas über die Weihnachtsgeschichte lernen, vorzulesen.

Nicht nur Alfons Demand trägt mit seiner angenehmen, tiefen Stimme am Freitagvormittag Erzählungen vor. Als Vorleser am bundesweiten Vorlesetag befindet er sich in bester Gesellschaft, denn zu diesem Anlass wurden rund 100 000 Geschichtenleser im ganzen Land erwartet. Davon auch einige vor Ort, in der Tersteegenschule in Hetterscheidt bekam sogar jede Klasse ihren eigenen prominenten Vorleser. Neben dem Pfarrer griffen die Buchhändlerin Nina Beer, die Büchereimitarbeiterin Christiane Elwers und die WAZ-Redakteurin Petra Treiber in der Grundschule zu Wälzern, die für Kinderohren greifbar spannend waren oder herzhaft zum Lachen anregten. Für den ein oder anderen eine neue Erfahrung: „Also die Vorstellung von einem Buch gelingt mir immer leicht“, erzählt Nina Beer und schmunzelt, „beim Vorlesen hingegen müssen wir mal gucken.“

Auch Bürgermeister Dr. Jan Heinisch bringt einen seiner früheren Helden zum Erwachen. Er las einige der spannenden Kriminalfälle von Kommissar Kugelblitz vor, an deren Enden alle Schüler mitraten konnten, wer der Täter war. Wild geht es im Gegensatz dazu bei Hannes Johannsen zu. Der Förster haucht dem kleinen Erdmännchen Tafiti Leben ein, indem er die Kinder in die Erzeugung der Umgebungsgeräusche einbezieht. „Wenn wir alle ganz leise schnipsen“, erklärt er, „hört sich das wie echter Regen an.“ Bei den folgenden wilden Vogelgesängen pfeifen daraufhin alle Drittklässler eifrig mit.

Flauschige Kissen

Die Schauspielerin Dorkas Kiefer lädt die erste Klasse zu einer Reise nach Afrika ein. Die Geschichte unterstützt die Wahl-Heiligenhauserin mit mitreißenden Gesten und vielsagender Mimik. Landtagsabgeordnete Elisabeth Müller-Witt (SPD) meldete sich persönlich als erste Vorleserin an der Grundschule. „Es freut mich, dass noch mehr Vorlesegäste gefunden werden konnten“, so die Politikerin, „denn jeder sollte einmal in den Genuss kommen, dass ihm jemand etwas vorliest.“ Auch MdB Peter Beyer (CDU) trug den Kindern der Grundschule Schulstraße bereits am Montag eine Geschichte vor.

In der Kita Löwenzahn in der Unterilp startete die Aktion mit der Lektüre für die Kleinsten. „In diesem Jahr haben wir Geschichten aus dem Orient vorbereitet“, sagt Doris Stohler, die den Vorlesetag in der Unterilp zusammen mit Dirk Preuß gestaltet hat. Am Vormittag lauschten die Kindergartenkinder den Geschichten des Kamels Soraya, vorgelesen von Kindergartenleiterin Gabi Rodemers und Kämmerer Michael Beck, der sich Zeit für die Vorschulkinder nimmt. Rodemers ist sich sicher: „Innerhalb der Familien wird zu wenig kommuniziert, das soll sich durch solche Aktionen wieder verbessern.“ Passend zur Thematik war der Raum mit orientalischem Flair angehaucht. Viele weiche Teppiche, flauschige Kissen und ein roter Baldachin boten eine gemütliche Atmosphäre zum Hören, genau wie in der Grundschule. Eine gewisse Behaglichkeit gehört anscheinend einfach dazu. Das schätzen auch die Erwachsenen, denen später am Abend im Familienzentrum Löwenzahn Kurzgeschichten zu Ohren kommen.

In der Innenstadt hingegen sitzt man mittags auf Klappstühlen an der frischen Luft. Das Kunstquadrat initiierte eine Vorleseaktion für Passanten und Interessierte. Vorgetragen werden dort nicht nur Geschichten, sondern auch Poesie und eigene Gedanken. Lore Loock bringt ihre eigenen Gedichte vor, Nina Stark liest aus Büchern, die sie selbst begeistert haben, und Heinz-Gerd Küster ist einfach nur zum Hören gekommen. „Das ist in Ordnung“, sagt Armin Schmidt vom Kunstquadrat, „wir freuen uns über jeden, der kommt und horcht.“

 
 

EURE FAVORITEN