Viele Ältere in Heiligenhaus sind verunsichert

Wohin, wenn man am Wochenende erkrankt? Gerade viele ältere Bürger sind nicht mobil und verunsichert.
Wohin, wenn man am Wochenende erkrankt? Gerade viele ältere Bürger sind nicht mobil und verunsichert.
Foto: WAZ FotoPool
Wer hilft im Krankheitsfall, wenn man im Alter nicht mehr mobil ist? Alfred Salmon, Bürgervereins-Vorsitzender der Unterilp, über Sorgen in seinem Stadtteil.

Heiligenhaus..  Am eigenen Leib haben sie jetzt erfahren, was ihnen seit Jahren von den Menschen in ihrem Ortsteil zugetragen wird: Wie schwierig es sein kann, im Notfall schnell und adäquat medizinisch versorgt zu werden, wenn man selbst nicht mobil ist. Eine Magen-Darm-Grippe erwischte Alfred Salmon und seine Frau Karin jetzt so heftig, dass sie medizinische Hilfe in Anspruch nehmen mussten – am Wochenende. Und genau da liegt für die Salmons das Problem. Denn an Wochenenden, Feiertagen und mittwochsnachmittags ist nicht der Hausarzt, sondern der Kassenärztliche Notdienst erste Anlaufstelle für alle Erkrankten. Für Heiligenhaus sitzt er im Klinikum Niederberg im benachbarten Velbert. Kilometer, die zu einer schier unüberwindbaren Hürde werden können.

Kummerkasten und Arzt-Ersatz

Alfred Salmon ist nicht nur ehemaliger Krankenpfleger, er ist auch Vorsitzender des Bürgervereins Unterilp. In seinem Ortsteil ist er bekannt wie ein bunter Hund. Gerade für viele ältere Bewohner ist er Kummerkasten und manchmal auch Arzt-Ersatz in einer Person. Einen richtigen Hausarzt gibt es in der Unterilp schon lange nicht mehr. Ob Unfall mit der Holzsäge oder Herzrasen – viele Unterilper greifen zum Telefon und fragen erstmal Alfred Salmon um Rat. Da schnappt sich Salmon auch schon mal das Blutdruckgerät und rückt zum Nachbarn aus. Was die Salmons beschreiben, zeigt, wie verunsichert viele ältere Bewohner in ihrem Ortsteil sind. Wer ist zuständig? Wen rufe ich an? Wo muss ich hin? Und wie komme ich dort hin? All das sind Fragen, die dem Bürgervereinsvorsitzenden immer wieder gestellt werden.

Salmon gibt gerne Auskunft, findet aber, dass die Bürger besser informiert werden müssen. „Hier muss dringend mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden“, fordert Salmon. Er weiß, was den Menschen in seinem Revier unter den Nägeln brennt. Gerade die ältere Generation beklagt sich beispielsweise oft über den Apotheken-Notdienst. Für viele Senioren seien die Wege einfach zu weit, das hört Salmon immer wieder.

Auch den Salmons war der Weg zur Praxis des Kassenärztlichen Notdienstes in Velbert zu weit. An eine Fahrt mit dem Auto war in ihrer Situation gar nicht zu denken. Also wählten die Salmons die Notdienst-Nummer, ein Arzt sollte zu ihnen in die Unterilp kommen. Nach fast neun Minuten in der Warteschleife, wurde ihnen schließlich ein Hausbesuch zugesagt – mehrere Stunden Wartezeit inklusive. Karin Salmon, herzkrank, ist bei Medikamenten besonders vorsichtig und erreichte vor dem angekündigten Hausbesuch glücklicherweise ihre eigene Ärztin, die ihr telefonisch Anweisungen gab. Der angeforderte Arzt konnte wieder abbestellt werden. Nur ihre Medikamente mussten die Salmons noch aus der Notdienst-Apotheke in Langenberg bekommen. Der Sohn sprang ein und holte die Medizin ab.

Für die Salmons ist die Geschichte Dank der Hilfe anderer gut ausgegangen, und doch bleibt bei ihnen ein fader Beigeschmack. Was machen ältere Leute, die weder Internet noch hilfsbereite Menschen in ihrer Umgebung haben? Karin Salmon rät: Alle Hemmungen beiseite schieben und im Zweifelsfall immer die 112 wählen.

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