Uni-Knirpse gehen auf Entdeckunsgreise

Die Junior Uni zog 2013 in dieses eigens für den Zweck errichtete Gebäude direkt an Wupper und Schwebebahnhaltestelle.
Die Junior Uni zog 2013 in dieses eigens für den Zweck errichtete Gebäude direkt an Wupper und Schwebebahnhaltestelle.
Wie zwei Heiligenhauser Grundschüler zu Studenten wurden. In der Junior Uni im nahen Wuppertal können Kinder forschen und experimentieren. Einzigartige Einrichtung für Nachwuchstüftler ab vier Jahren.

Heiligenhaus/Wuppertal..  An der Grundschule ist Anna ein echter Frischling, an der Uni schon fast ein alter Hase. Anna ist sechs, besucht seit dem Sommer die Suitbertusschule und studiert nebenbei schon seit mehr als einem Jahr. Und zwar an einer in Deutschland einzigartigen Einrichtung, die Kindern das Tüfteln, Experimentieren und Forschen ermöglicht. Die Junior Uni im nahe gelegenen Wuppertal feiert Anfang Dezember ihren achten Geburtstag und hat seit ihrer Gründung schon den Wissensdurst tausender Mädchen und Jungen aus der ganzen Region gestillt.

Zaubereien aus dem Kühlschrank

Anna knöpft sorgfältig ihren weißen Forscherkittel zu, setzt sich und blickt ihre Dozentin erwartungsvoll an. Jennifer Wetzel ist Chemikerin und untersucht gemeinsam mit ihren kleinen Studenten im Experimentierkurs „Zaubereien aus dem Kühlschrank“ die Eigenschaften verschiedener Lebensmittel. Dabei lernen die Kleinen ganz nebenbei die Zusammenhänge zwischen Kühlung und Haltbarkeit von Nahrungsmitteln kennen und machen erste Erfahrungen mit chemischen Reaktionen. Und, dass man aus Essig und Milch ganz hervorragenden Klebstoff herstellen kann.

Um Milch dreht es sich auch heute wieder für Anna und ihre kleinen Kommilitonen. Doch bevor die Nachwuchsforscher loslegen, erinnert Jennifer Wetzel ihren Kurs an das oberste Gebot: „Nichts essen“. Und auch die Finger sollten die Uni-Knirpse nicht in Mund, Nase oder Augen stecken. Ein paar Kunststoffbecher, Wattestäbchen und ein Spritzer Spüli reichen schon, um aus Milch und Lebensmittelfarbe spannende Experimente zu zaubern. Dabei lernen die kleinen Studenten nicht nur, wie die unterschiedlichen Farben auf Milch und Spülmittel reagieren, sondern auch das Thema Oberflächenspannung kennen.

Eltern müssen draußen bleiben

Während Anna oben im Kursraum fleißig experimentiert, wartet Mama Rostyslava Holthaus unten im Foyer auf ihre Tochter. Denn wie in jedem Semester herrscht bei den 314 Kursen, die die Junior Uni im Winterhalbjahr anbietet: Eltern müssen draußen bleiben. Die Heiligenhauserin ist begeistert von den Angeboten, die die Forscherplattform des Bergischen Landes für ihre und andere Kinder bietet. Und dafür nimmt sie gerne die etwas weitere Anfahrt in Kauf. „Wir sehen es als Investition in die Zukunft unserer Kinder“, sagt Rostyslava Holthaus. Denn auch ihr zehnjähriger Sohn Daniel forscht und tüftelt sich seit geraumer Zeit durch die Kurse der Junior Uni. Seiner Mutter gefällt dabei vor allem, dass die Kurse der Einrichtung für alle zwischen vier und 20 Jahren zugänglich sind. Und das ist auch Karin Röhrich, Pressereferentin an der Junior Uni, sehr wichtig: „Wir wollen keine Einrichtung für Gutbetuchte oder Hochbegabte sein“. Dementsprechend müssen bei der Anmeldung zu den Kursen keine Zeugnisse vorgelegt oder Aufnahmeprüfungen gemeistert werden. Allerdings sollten die Eltern ziemlich flink sein, wenn sie ihren Nachwuchs in ganz bestimmten Kursen unterbringen möchten. Denn viele der Angebote sind innerhalb weniger Minuten nach dem Anmeldestart komplett für das Semestern ausgebucht.

Studentenausweis

Anna, Daniel und ihre Studien-Kollegen erhalten neben einem Studienbuch und Teilnahme-Urkunden auch einen richtigen Studentenausweis. Der kann ganz ähnlich wie das Semesterticket der großen Studierenden in Wuppertal und den angrenzenden Städten als Fahrschein für den ÖPNV eingesetzt werden. Und weil direkt an dem kunterbunten Campus die legendäre Schwebebahn hält, können die kleinen Studenten ihren Uni-Besuch mit einer luftig-rumpeligen Fahrt durch die große Stadt im Bergischen verbinden.

4000 Kurse für die Kleinen

Ob Lego-Roboter, Griechische Antike oder alles rund um das Thema innovativen 3D-Druck: Mit inzwischen 46 000 belegten Kursplätzen in 4000 durchgeführten Kursen hat sich die Junior Uni seit ihrer Eröffnung 2008 einen Namen als außerschulischer Lernort wissenschaftlich-praktischer Bildung gemacht.

Ganzjährig vermitteln Dozenten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Schule kindgerecht Wissen in verschiedenen Fachgebieten. Unter dem Motto „Kein Talent darf verloren gehen“ will die Junior Uni junge Menschen stark für den Einstieg in Studium und Beruf machen.

Moderner Campus an der Wupper

„Die Idee, eine private Bildungseinrichtung dieser Art speziell für Kinder zu gründen, hatte Prof. Dr. h.c. Ernst-Andreas-Ziegler“, erklärt Pressereferentin Karin Röhrich. Mit seiner Stadt und der Region vernetzt, machte sich der einstige Presseamtsleiter der Stadt Wuppertal ans Werk, diese Vision mit Fachleuten und Meinungsbildnern zu einem Konzept zu entwickeln und erste Sponsoren wie die Jackstädt-Stiftung, die EDE-Stiftung und die Sparkasse Wuppertal zu finden.

Ende 2008 wurde das anfängliche Bildungsexperiment „Junior Uni – Forscherplattform für das Bergische Land“ eingeweiht. In den ersten Jahren in einem Gebäude mit einfach ausgestatteten Seminarräumen, lernen die Junior Studenten heute an einem modernen, im Jahr 2013 für fünf Millionen Euro erbauten Campus direkt an der Wupper die Welt der Wissenschaft kennen.

Einrichtung feiert Geburtstag

Ein Hoch auf die Uni für die Kleinen: Mit einem fröhlichen und bunten Fest mit vielen Mitmachstationen und Experimenten im Junior Uni-Gebäude feiert die Einrichtung am Freitag, 2. Dezember, von 16 bis 19 Uhr ihren 8. Geburtstag.

Die Besucher sollten am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, denn die Parkmöglichkeiten am Campus sind begrenzt. Die Schwebebahn hält direkt vor der Uni-Tür (Haltestelle: Loher Brücke/Junior Uni).

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