Über 13 Brücken musst du radeln

Reger Fahrradverkehr auf dem Viadukt Frankfurter Straße. Foto: H.W. Rieck
Reger Fahrradverkehr auf dem Viadukt Frankfurter Straße. Foto: H.W. Rieck
Foto: WAZ FotoPool

Heiligenhaus.. Vor gut einem Monat wurde er eröffnet, der Panoramaradweg Niederbergbahn. Seitdem fahren ihn jeden Tag hunderte von Radl-Begeisterten. WAZ-Mitarbeiterin Kirsten Gnoth und Fotograf Heinz-Werner Rieck mischten sich unter die Zweiradfahrer. Auf der Strecke von Heiligenhaus bis nach Kettwig gibt es einiges zu entdecken.

Nach grob geschätzten zehn Jahren habe ich mein rotes Fahrrad aus dem Dornröschenschlaf erweckt, um nun endlich mal den neuen Panoramaradweg zwischen Heiligenhaus und Kettwig abzufahren. Luft in die Reifen, Sattel entstauben, und los geht es für Fotograf Heinz-Werner Rieck und mich auf die Strecke. Wir wagen den Einstieg im Gewerbegebiet Hetterscheidt. Doch bevor es herunter in Richtung Kettwig geht, radeln wir erstmal hoch. Aus gutem Grund, denn dort steht das älteste Baudenkmal von Heiligenhaus – Gellenkothen. Mit seinen 500 Jahren steht es in leuchtendem Schwarz-Weiß relativ gut sichtbar direkt am Radweg und ist durchaus einen Stopp wert. Der erste Punkt auf unserer Sehenswürdigkeiten-Liste wäre also abgeradelt. Und wir machen uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg nach Essen.

Naschpause am Wegesrand

Doch auf den ersten Kilometern wird es nichts mit idyllischem Vogelgezwitscher. Denn: Obwohl der Radweg durch Bäume und Büsche von der Pinnerstraße abgeschirmt liegt, dringen die Verkehrsgeräusche durch. Und so begleitet uns vorerst ein unterschwelliges Autodröhnen. „Nicht weiter schlimm“, findet es WAZ-Fotograf Rieck. Kein Wunder, ihn plagt auch ein ganz anderes Geräusch – ein knurrender Magen. Ein Glück, dass in Höhe der Brücke „Brügelweg“ (eine von 13 Brücken) jede Menge Brombeersträucher stehen. Zeit für die erste kleine Naschpause am Wegesrand. Ein paar Meter weiter kann man bald sogar reife Haselnüsse pflücken. Für den größeren Hunger zwischendurch gibt es die Möglichkeit, an der Waschanlage (Entflechtungsstraße) Halt zu machen. Also stellen wir unsere Drahtesel in die bereitgestellten Ständer und genehmigen uns ein Brötchen. „Es kommen seit der Eröffnung wirklich viele Radfahrer hier vorbei“, sagt Harald Adam, der mit seiner Frau Ingrid für Leckereien sorgt.

Blick übers Geländer

Gut gestärkt geht es für uns weiter, vorbei am alten Bahnhof und über die einzigartige Waggonbrücke. Die Landschaft auf dem zweiten Teilstück nach der Heiligenhauser Innenstadt lockt mit reichlich Natur. Hier verläuft der Weg, umgeben von jeder Menge Bäumen, teils direkt im Wald. Begleitet von dem lang ersehnten Vogelgezwitscher erreichen wir den ersten Viadukt an der Ruhrstraße. Für Leute mit einem Anflug von Höhenangst ist der Blick über das Geländer nichts, und so halte ich mich schön in der Mitte des Radweges. Ein weiterer kleiner Schatz wartet hinter dem Viadukt. Die Ludgerusgrotte: ein kleiner Schrein für den Heiligen, der der Heiligenhauser Kirche ihren Namen gab. Auf dem zweiten Viadukt an der Stadtgrenze zu Kettwig zeigt der Kilometerzähler meines Fotokollegen die Zahl elf, und (zumindest) er gönnt sich einen erholenden Blick über das Geländer.

Die Strecke zurück ist nicht mehr so einfach. Ich hätte es mir auch denken können, da wir auf dem Hinweg nie so richtig in die Pedale treten mussten, sondern rollen lassen konnten. Zurück geht es subtil immer bergauf und man merkt die Steigung irgendwann schon – zumindest in ungeübten Beinen. Schön, dass mein Kollege bei seinem Mountainbike aus gefühlten 100 Gängen wählen kann und ich aus drei. Das nächste Mal ist also Fahrradtausch auf dem Panoramaradweg angesagt.

 

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