Schüler tanzen eigene Choreografie

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Hip Hop-Training von Profis gibt es für die Gesamtschüler. Aufgeführt wird ihre Choreo am Samstag beim Tag der offenen Tür

Heiligenhaus..  In vier Reihen stehen die Schüler auf hellem Parkettboden. Ihre Blicke richten sich auf den Tanzlehrer, der mit dem Gesicht zu ihnen positioniert ist. „Wenn ihr eure Zahl zum Einsatz hört, müsst ihr runter gehen. Nicht schon vorher, nicht erst später“, leitet Silvester Kiunka an. Er trägt grau-weiße Turnschuhe zur schwarzen Trainingshose, ein leichtes Wippen bewegt seine Beine. Die Musik setzt ein, zum Tackt zählt Kiunka an: „Fünf, sechs, sieben, acht.“ Nacheinander werden die eingeübten Schritte von den Schülern getanzt, die Bewegungen wiederholt, bis sie synchron sind.

Die Tanzprobe am Freitagvormittag in der städtischen Gesamtschule bildet einen Teil des Wahlpflichtfaches ‘Darstellen und Gestalten’ (DG). Begleitet und trainiert werden die Schüler der Jahrgänge sieben bis zehn von dozierenden Tänzern der Organisation Schultanzwochen NRW.

„DG besteht aus verschiedenen Bereichen“, erklärt der Sport- und Musiklehrer Stefan Wilms, „unter anderem Musik, Kunst und Sport.“ Die letztere Einheit wird in diesem Fall bereits zum dritten Mal durch das Tanzen abgedeckt. „Angefangen hat das mittlerweile jährliche Projekt bei unseren Feiern zu 20 Jahren Gesamtschule Heiligenhaus. Da hat eine Kollegin den Kontakt zu dem Tänzer Patrick Decavele hergestellt“, erklärt Debora Ostermann, die selbst einen der Kurse leitet.

Decavele tanzt seit 1998. Er ist Autodidakt, hat sein Talent zum Beruf gemacht. Seit Jahren leitet er zusammen mit Kiunka die Tanzschulwochen an: „Normalerweise sind wir eine Woche vor Ort, um mit den Schülern zusammen zu tanzen“, erzählt der 33-Jährige, „auch in den letzten beiden Jahren. In dieser Woche tanzen wir Hip-Hop und haben für das gesamte Projekt nur drei Tage Zeit.“

Ostermann: „Das liegt daran, dass die Schüler ein großes Publikum erreichen sollen. Samstag, am Tag der offen Tür, können wir es den Schülern bieten.“ Zeit- oder Leistungsdruck spielen jedoch weder eine Rolle für die Trainer noch für Schüler, wie Kiunka erklärt: „Für uns ist der kreative Prozess das Wichtigste und das, was während der Woche passiert. Im Endeffekt sehen wir es als Kommunikations- und Sozialtraining.“

Die Schüler sind begeistert bei der Sache, hören den Trainern geduldig zu und versuchen deren Tipps auch genauso umzusetzen. „Es macht Spaß, aber nach einiger Zeit tut einem alles weh“, urteilt die Zehntklässlerin Michelle über das dreitägige Training und lächelt zufrieden. Auch Natalie ist begeistert: „Manche Bewegungen dauern länger, bis man sie kann. Auf die Aufführung freue ich mich aber trotzdem sehr.“

Respektvoller Umgang miteinander

„Die beiden Tänzer machen das wirklich toll“, schwärmt Ostermann. „Sie machen Spaß mit den Schülern, motivieren sie und leiten sie genau an.“ Die lockere Atmosphäre, das gegenseitige Duzen und der respektvolle Umgang miteinander erweist sich für einige Schüler als wichtig, denn: „Zu Beginn hatten einige Scheu und trauten sich nicht so recht“, so Wilms. „Es fällt manchem schwer, den ersten Schritt zu machen“, gibt Kiunka zu, und Decavele beruhigt: „Für die, die noch nie getanzt haben, beginnen wir immer mit den Basics, dann folgt der kreative Prozess und erst danach die gemeinsame Choreografie.“

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