Region unter Strom

Das „n“ neben dem Schriftzug im Logo der neuen Gesellschaft stellt ein stilisiertes Mammut dar – passend zur Zeit der namengebenden Neandertaler.
Das „n“ neben dem Schriftzug im Logo der neuen Gesellschaft stellt ein stilisiertes Mammut dar – passend zur Zeit der namengebenden Neandertaler.
Foto: WAZ FotoPool
Heiligenhaus, Erkrath und Wülfrath gründen die Neander Energie GmbH. Neuer Stromanbieter sagt den Branchengrößen den Kampf an. Produktstart im Herbst.

Heiligenhaus.. Die Neander Energie GmbH ist kein Plan mehr, sondern Realität. Am Montag gaben die Vertreter der beteiligten Städte Heiligenhaus, Erkrath und Wülfrath sowie ihrer Stadtwerke offiziell die Gründung der neuen Gesellschaft bekannt. Zweieinhalb Jahre hat es von der Vision zur Umsetzung gedauert.

Mit den ganz Großen will die kleine Gemeinschaft es aufnehmen. Da passt es, dass im sonnengelben Logo links neben dem Schriftzug ein stilisiertes Mammut als „n“ prangt. RWE oder die Stadtwerke Düsseldorf gehören zu den Riesen, mit denen die Neander Energie um die Anteile auf dem Markt ringen will. Im Geschäft mit dem Strom, schwimmt der neue Versorger gegen den Strom.

100-prozentige Stadttöchter

Denn die drei Stadtwerke, die sich nun zusammengetan haben, sind 100-prozentige Stadttöchter. Damit gehören sie zu einer Minderheit im Kreis: Andere Kreisstädte wie Monheim, Hilden, Velbert, Solingen oder Ratingen hätten den oben genannten Riesen schon vor Jahren Tür und Tor geöffnet, indem sie Anteile ihrer Stadtwerke gewinnbringend verkauften. „Da sind teilweise astronomische Summen gezahlt worden“, erinnert sich Bürgermeister Dr. Jan Heinisch.

Heiligenhaus verzichtete auf das Geschäft, ebenso Erkrath und Wülfrath. „Ich halte das nicht für strategisch“, erklärt Heinisch. Stattdessen regte er vor zweieinhalb Jahren an, Alternativen zum Einstieg der Großen in die lokalen Stadtwerke zu suchen. „Wir können das Stromgeschäft sehr wohl selbst führen. Da brauchen wir keinen Großkonzern zu.“

Dabei profitiert die Neander Energie davon, dass die Stadtwerke Erkrath bereits selbst Strom produzieren. Die Stadtwerke Heiligenhaus tun das bislang nicht. Den Vorteil für die Kommune und ihre Tochter fasst Heinisch so zusammen: „In Heiligenhaus haben die Stadtwerke Heiligenhaus keine Stromkunden. Ich prophezeie, wir werden mit der Neander Energie in Zukunft einige haben.“

Bundesweites Angebot möglich

Doch auch über die Stadtgrenzen der Gründungsmitglieder hinaus soll die Neander Energie Kunden das Licht aufgehen lassen. Zunächst soll der Kreis neandergelb erstrahlen, später ist aber durchaus ein größeres Einzugsgebiet geplant, wie Gregor Jeken ankündigt, Geschäftsführer der Stadtwerke Erkrath: „Wir können gegebenenfalls bundesweit agieren.“

Ab Oktober wird die Neander Energie mit ihren Produkten an den Start gehen. Neben regionaler Verbundenheit will sie auch mit dem Preis punkten – das allerdings nicht um jeden Preis. „Wir werden unter den Grundversorgerpreisen liegen“, kündigt Heinisch an. Dr. Claudia Panke, Bürgermeisterin von Wülfrath, präzisiert: „Wir werden nicht der Günstigste sein. Aber wir sind günstiger als die Masse der Anbieter.“

Offen für weitere Partner

Das Geld der mit diesen Argumenten überzeugten Kunden wird gleichmäßig den drei an der Neander Energie beteiligten Städten zugutekommen; jedes Stadtwerk hält ein Drittel der Anteile und kommt auch für ein Drittel von anfallenden Investitionskosten auf.

Für die Zukunft ist eine andere Aufteilung von Kosten und Gewinnen denkbar: Der Kreis der drei könnte erweitert werden. Panke lädt dazu ein: „Wir sind offen für weitere kommunale Partner.“ Voraussetzung ist, dass diese ebenfalls 100-prozentige Stadttöchter sind. Schließlich soll das Mammut den Riesen weiter die Stirn bieten – und sich nicht der Herde der Großversorger anschließen.

 
 

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