Pflege und Gespräche

Alexander Rothe
Anke Brandmähl-Gaubys kümmert sich um Ursula Melcherts Füße.
Anke Brandmähl-Gaubys kümmert sich um Ursula Melcherts Füße.
Foto: Herbert Höltgen
Die AWO Heiligenhaus bietet Senioren eine Fußpflege mit sozialem Charakter an.

Heiligenhaus.  Ältere Menschen treten ihre Problemzonen oft mit Füßen: Hühneraugen, Druckstellen oder zu lange Nägel. Diese Stellen sind im hohen Alter meist nicht mehr gut zu erreichen und zu pflegen. Zusätzlich erschweren sie das Laufen. Senioren haben aber oft auch noch ein weiteres Problem: Ihnen fehlt der soziale Kontakt.

Abschließende Massage

Um diese Probleme zu bewältigen, wird von der Arbeiterwohlfahrt Heiligenhaus eine Fußpflege der etwas anderen Art angeboten: Eine halbstündige Behandlung der Füße wird kombiniert mit einem netten Plausch. So können die älteren Leute gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Füße pflegen und über Gott und die Welt quatschen. Vertrauliche Gespräche sind dabei keine Seltenheit. „Alles, was wir während der Behandlung besprechen, bleibt im Fußpflegeraum“, erklärt Awo-Leiterin Anke Brandmähl-Gaubys.

Täglich kommen gleich mehrere Senioren zur Pflege, die durchschnittlich alle sechs Wochen notwendig ist. Dabei teilen sie auch ihre Sorgen mit Brandmähl-Gaubys. „Mit einer Frau, deren Ehemann an Krebs verstorben ist, hatte ich viele tiefgründige Gespräche. Ich bin auch so etwas wie ein Kummerkasten.“

Vertrauen spielt dabei eine wichtige Rolle. Mit vielen Patienten ist die Leiterin per Du, in den vergangenen Jahren haben sich über die Fußpflege viele Freundschaften entwickelt. So auch mit Awo-Mitglied Ulla Melchert. Die Frauen sehen sich fast täglich und kennen sich schon seit einigen Jahren.

Vor dem Raum, in dem die Fußpflegerin Brandmähl-Gaubys ihre Patientin Melchert behandelt, hängt ein altes Foto der Freundinnen bei der Behandlung. Seit damals haben sich nicht nur die zwei Frauen verändert, sondern auch der Raum, in dem sie sitzen. „Als ich vor elf Jahren hier anfing, war der Raum kahl und voll weißer Kacheln“, sagt die Leiterin. „Doch wir haben ihn neu gestaltet, damit man sich hier wohler fühlt.“

Behandlung mit Wohlfühlfaktor

Der Liegesessel, der Mundschutz und der Geruch von Desinfektionsmittel erinnern an eine Zahnarztpraxis, doch die älteren Menschen fühlen sich bei Brandmähl-Gaubys gut aufgehoben. Sie freuen sich sogar auf die Termine: „Manche sagen: Gott sei Dank, dass ich endlich zu Ihnen kommen kann.“

Auch die Fußpflegerin lässt sich hin und wieder die Füße behandlen und weiß deshalb um den Wohlfühlfaktor der Behandlung. Eine abschließende Massage dient letztendlich immer dem Genuss und der Entspannung.