Pastorat 2.0 – Auf ein Neues im alten Pastorat Heiligenhaus

Installation „Engel“ von Armin Schmidt (rechts) im alten Pastorat. Betrachter sind Künstlerkollege Thomas Pischke und Freundin Nadja Reigl.
Installation „Engel“ von Armin Schmidt (rechts) im alten Pastorat. Betrachter sind Künstlerkollege Thomas Pischke und Freundin Nadja Reigl.
Foto: WAZ FotoPool
Das Kunstquadrat Heiligenhaus lädt am kommenden Wochenende nochmals zu einer Ausstellung in den Räumen des alten Pastorats ein.

Heiligenhaus..  Ein Blick nach rechts, und man sieht einen Künstler, der seine Spachtelmasse an die Wand bringt. Von oben ist zu hören, wie jemand Klebeband abreißt und irgendwo draufklebt. Eine Ausstellung, in der man die Künstler in ihrer Schaffensphase live erleben und beobachten kann, sieht man selten. Genau das ist es, was das Kunstquadrat so einzigartig und besonders macht. „Wenn ich feststelle, dass meine Arbeiten fertig sind, weiß ich, dass ich irgendwas falsch gemacht habe“, erzählt Mitgründer Armin Schmidt.

Also sollte auch diese Ausstellung noch nicht fertig sein, als den Besuchern am Wochenende die Türen geöffnet wurden. Eine Mischung aus Fotografie, Ölmalerei und Installationen erwartete sie. Dabei ist Veränderung ein großes Thema bei den Werken. Neben neuen Stücken wurden auch die Räume komplett neu aufgeteilt, so dass jeder Künstler nun einen anderen Ort zur Verfügung gestellt bekam. So sollte die enorme Wandlungsfähigkeit des alten Pastorats gezeigt werden. Die Vielfalt der Schau geht dabei keineswegs verloren. Neun verschiedene Künstler stellen auf zwei Etagen des sanierungsbedürftigen Gebäudes aus.

Anna Nwaada Weber ist eine von ihnen. Sie begann ihren Lebenslauf mit einem Physikstudium, entschied sich danach, einen kreativen Weg einzuschlagen, und beendete ein Kunststudium. In ihren Werken zeigt sie nun die für sie starke Verbindung zwischen Religion und Kunst. Nachdem sie den Putz von der Wand abgerissen hat, schrieb sie auf diesen Abschnitt einen Teil der Higgs-Formel. Auf einem Gebetsstuhl davor kann der Besucher statt der Bibel die komplette Formel nachlesen. „Physik und Religion haben in meinen Augen viel gemeinsam. Bei beiden muss man immer daran glauben, dass dort oben noch etwas ist, was noch nicht komplett erforscht ist“, erklärt die Künstlerin.

Thomas Pischke setzt in einem anderen Raum komplett auf dessen Licht- und Schatteneinwirkung. Er brachte Pappkartons an die Wand, die er dann gleichmäßig mit weißer Farbe bemalte. So sieht der Raum zu jeder Tageszeit unterschiedlich aus. „Das Besondere an dem alten Pastorat ist, dass wir die Räume weitestgehend ohne Rücksicht auf Verluste nutzen können“, erzählt Weber. Zum einen ist es eine Herausforderung für alle, denn Strom oder Wasser stehen ihnen nicht zur Verfügung. Zum anderen ist es auch eine Erfahrung, denn kaum ein anderes Ausstellungsgebäude bietet ihnen solche Möglichkeiten.

Am nächsten Wochenende sind die Türen des alten Pastorats erneut geöffnet. Dort darf wieder mit kleinen Veränderungen gerechnet werden. Doch fertig wird die Ausstellung dann auch noch nicht sein, denn sonst hätten die Künstler wohl irgendetwas falsch gemacht.

 
 

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