Noch immer nicht barrierefrei

Annette Wenzig
Andere S-Bahnhöfe wurden barrierefrei umgebaut – nur nicht der in Hösel. Gehbehinderte müssen zur Überquerung der Gleise weite Wege in Kauf nehmen. Das möchte die Bürgerinitiative ändern.
Andere S-Bahnhöfe wurden barrierefrei umgebaut – nur nicht der in Hösel. Gehbehinderte müssen zur Überquerung der Gleise weite Wege in Kauf nehmen. Das möchte die Bürgerinitiative ändern.
Foto: WAZ FotoPool
Die Bürgerinitiative „Barrierefreier Bahnhof Hösel“ zeigt langen Atem. Die Wiedereröffnung des alten Bahnübergangs ist aber nicht in Sicht.

Heiligenhaus/Hösel.  Eine scheinbar unendliche Geschichte geht weiter: Am 22. Dezember vergangenen Jahres ist der Bahnübergang in Hösel geschlossen worden; seitdem gibt es keine barrierefreie Verbindung zwischen den beiden Bahnsteigen mehr. Um sie wieder zu gewährleisten, kämpft die Bürgerinitiative (BI) „Barrierefreier Bahnhof Hösel“ um die Wiedereröffnung. Mit langem Atem, aber bisher ohne Erfolg.

„Aus meiner Sicht geht es der Bahn da ums Prinzip“, erklärt Dr. Jürgen Oestereich von der Bürgerinitiative. „Man hat sich festgelegt und Angst, das Gesicht zu verlieren.“ Dabei sei der Vorschlag der BI, den alten Bahnübergang für Fußgänger wieder zu öffnen, nicht nur relativ leicht umzusetzen, es gebe auch in Mettmann eine ähnliche Lösung. Doch die Bahn mauert, beruft sich auf die Eisenbahnbetriebsordnung und – neuerdings – auf Fahrpläne.

Die Bahn blockt ab

Dabei hatte das Unternehmen noch im August schriftlich signalisiert, dass geprüft werden solle, „ob eine weitere Optimierung der Zuwegungen im Zusammenhang mit der Verlegung des ZOB möglich ist“. Und weiter: Die Bahn prüfe „parallel mit den zuständigen Behörden, ob eine provisorische Beibehaltung als Reisendenüberweg im Bauzwischenzustand bis zu einer möglichen Fertigstellung von Aufzügen umsetzbar wäre“.

Die BI will nicht hinnehmen, „dass Mettmann etwas darf, was wir nicht dürfen“. Konkret handelt es sich um den Haltepunkt Mettmann-Zentrum der S 28. „Dort gibt es ebenerdige Bahnübergänge mit Blinklicht und Rampen zu den Bahnsteigen“, erläutert Dr. Hans Jörgens von der BI. Die Bahn habe nun dagegen gehalten, dass die S 28 nicht von der Bahn AG, sondern von der Regio GmbH betrieben werde, der Bahnhof Hösel aber dem Eisenbahngesetz unterliege. „Da wird dann einfach auf die andere Gesellschaft verwiesen.“

Außerdem argumentiere die Bahn, dass die Öffnung des Höseler Übergangs den Fahrplan durcheinanderbringen würde, weil die S-Bahnen dann aus Sicherheitsgründen langsamer fahren müssten. „Das ist eine Begründung, die ich nicht akzeptiere“, sagt Dr. Jörgens, der anhand der Daten lediglich eine Verzögerung von zwölf Sekunden ausgerechnet hat. Dr. Oestereich: „Vom Verkehrsministerium wird eine Lösung wie in Mettmann sogar empfohlen.“

Beide wollen, dass endlich eine Lösung gefunden und umgesetzt wird. Dr. Oestereich sagt unmissverständlich: „Deshalb muss man Druck machen.“ Für dieses Jahr seien jedoch keine Aktionen mehr geplant. „Wenn es aber wieder eine negative Antwort von der Bahn gibt, machen wir im neuen Jahr weiter.“ Dann wolle man Landtagsabgeordnete aktivieren, „oder vielleicht eine Demo organisieren“.