Nie den letzten Bus nehmen - Ein Leben im Rollstuhl

Yvonne Szabo
Vanessa Maschke (li.) und Vanessa Geisler sind auch mit dem Rollstuhl mobil, wenn sie genau planen.
Vanessa Maschke (li.) und Vanessa Geisler sind auch mit dem Rollstuhl mobil, wenn sie genau planen.
Foto: H. W. Rieck
Die beiden Rollstuhlfahrerinnen Vanessa Maschke und Vanessa Geisler sind mobil. Aber dazu müssen sie ihren Alltag exakt planen.

Heiligenhaus. Vanessa Geisler und Vanessa Maschke nehmen abends nie den letzten Bus. Denn wenn der Behindertenplatz darin besetzt ist, stehen die Rollstuhlfahrerinnen im schlechtesten Fall bis zum nächsten Morgen an der Bushaltestelle. Denn trotz aller Inklusion müssen die beiden Frauen ihren Alltag extrem planen, wollen sie mobil sein.

Vanessa Geisler ist berufstätig. Sie arbeitet in Wuppertal und wird von einem Fahrdienst zu Arbeit gebracht und auch wieder abgeholt. Doch in ihrer Freizeit ist sie ebenso wie die Heiligenhauserin Vanessa Maschke auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Und die Sache mit dem letzten Bus ist durchaus ernst gemeint.

„Wenn ich Bus fahren will, muss ich immer hoffen, dass der Behindertenplatz nicht schon durch einen Rollstuhl oder Kinderwagen besetzt ist“, sagt Geisler. Denn ihr Elektrorollstuhl braucht Platz. Und wenn es schlecht läuft, muss sie einen Bus oder auch zwei fahren lassen.

Wenn der Aufzug kaputt ist

In den Bus kommt sie über eine Rampe, die herausgefahren werden kann. Das geht jedoch mechanisch. „Ich bin schon mehrfach von Busfahrern gefragt worden, ob ich einen Schraubenzieher dabeihabe. Ansonsten könne er die Rampe nicht herausziehen“, berichtet Vanessa Maschke. Dabei sollte so ein Schraubenzieher doch zur Grundausstattung des Busses gehören.

Auf weiteren Strecken benutzen die beiden Rollstuhlfahrerinnen die Bahn. „Die Reise mit dem Rolli muss eine Woche vorher angemeldet werden“, sagt Maschke. Kostengünstig geht es zumeist nur mit Bummelzügen. Wenn dann der Aufzug an dem Bahnsteig kaputt ist, „dann haben wir ein echtes Problem.“ So erging es Vanessa Geisler einmal in der U-Bahn in Rom. Sie ist dann eine Station weiter zum nächsten Aufzug gefahren. Ganz wohl ist beiden nicht, wenn sie allein mit dem Lift fahren, denn die Notfallknöpfe sind so hoch angebracht, dass sie sie aus dem Rollstuhl heraus nicht erreichen können. Um sich sicherer zu fühlen, würden die beiden gerne einen Selbstverteidigungskurs für Rolli-Fahrer absolvieren. Doch so etwas wird hier in der Gegend nicht angeboten.

Auf den Straßen können sich beide mit ihrem Elektrorollstuhl relativ frei bewegen. „Heiligenhaus ist in den letzten Jahren tatsächlich barrierefreier geworden“, sagt Vanessa Maschke. Aber wenn dann plötzlich Baustellen eingerichtet und die Bürgersteige schmal werden, dann hat sie ein Problem. Denn denn Bordstein herunter fahren kann sie nicht mal eben.