Naturschutz mit tonnenschwerem Gerät am Abtskücher Stauteich

Die Gabel des Fahrzeugs sammelt die Pflanze in bis zu zwei Metern Tiefe ein.
Die Gabel des Fahrzeugs sammelt die Pflanze in bis zu zwei Metern Tiefe ein.
Foto: WAZ FotoPool
Am Abtskücher Stauteich in Heiligenhaus ging zwei Tage lang ein Amphibienfahrzeug auf Unkraut-Tauchstation: Das Raue Hornkraut muss raus, damit die Fische überleben können.

Heiligenhaus..  Es wiegt fast anderthalb Tonnen, schipperte und kroch Ende dieser Woche den Abtskücher Stauteich entlang und hinterließ dabei meterlange, grüne Haufen von Hinterlassenschaften: ein Amphibienfahrzeug. Der Grund seiner Stippvisite ist eine Wasserpflanze mit dem unscheinbaren Namen Raues Hornkraut. Schießt sie zu sehr ins Kraut, muss ihr Einhalt geboten werden – sonst droht der Fisch-Exitus.

Denn die Pflanze entzieht dem Wasser Sauerstoff. H2O ohne genug O aber mutiert vom Lebensspender zum Lebensnehmer: Das Gewässer droht umzukippen; der Sauerstoffgehalt wird „so niedrig, dass die Fische sterben“. Das erklärt Axel Schröder, Betriebsleiter für Gewässerunterhaltung beim Bergisch-Rheinischen Wasserverband (BRW) in Heiligenhaus. Damit es soweit nicht kommt, bekam der BRW am Donnerstag und Freitag Amtshilfe in Form des Amphibienfahrzeugs vom Schwalmverband.

Mit einem unverkennbaren Tuckern sticht das Boot in See. In bis zu zwei Metern Tiefe schiebt es eine sogenannte Gabel vor sich her. Wie eine skelettierte Baggerschaufel sammelt sie das schwimmende Raue Hornkraut ein. Wenige Minuten später ist die Gabel voll, und das Boot lädt seine triefende Fracht am Ufer des Stauteichs ab. Dort retten zwei Kollegen des Steuer-Manns Leben: Mit Heugabeln durchforsten sie das Kraut auf der Suche nach kleinen Fischen. Zwei zentimeterkurze Schneider zappeln in dem abgefischten Kraut; die Männer werfen sie wieder ins Wasser.

Die Fische sind nicht der einzige Beifang. Kleinstlebewesen wie Libellenlarven kommen auch in dem grünen Gestrüpp vor. Damit sie Zeit haben, den Weg zurück ins Wasser zu finden, „müssen wir das drei Tage liegen lassen“, sagt Schröder. „Danach ist nur noch die Hälfte davon übrig: wie ein Schwamm, den man ausgepresst hat.“

Schuld daran, dass sie das Raue Hornkraut im Abtskücher Stauteich so wohlfühlt, sind auch Spaziergänger. „Dazu trägt zum Beispiel das Entenfüttern bei“, erläutert Schröder. Ob die Natur ins Wasser geworfene Brötchen zersetzt oder natürlich hineingestürzte Bäume: Bei diesem Prozess wird Sauerstoff verbraucht und Stickstoff freigesetzt. „Das Hornkraut liebt das, wächst entsprechend, und verbraucht den letzten Sauerstoff.“

Die Hornkrauthaufen am Ufer tun das jetzt nicht mehr. Ein paar Tage lang werden sie dort noch liegen, bis die Arbeiter sie in der kommenden Woche einsammeln und zum Kompostieren bringen. Wann der schwimmende 1,4-Tonner wieder seine Runden durch den Teich ziehen wird, steht noch nicht fest. Das letzte Mal war ein ähnliches Boot vor ein paar Jahren in der Abtsküche im Einsatz.

 
 

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