Moderner Eulenspiegel

Foto: WAZ FotoPool

Heiligenhaus.. Illustration mit Konzept – das ist es, was ihn fasziniert: Thomas Pischke ist selbstständiger Grafikdesigner und freischaffender Künstler. Auch in seiner Freizeit widmet er sich ganz seinen gestalterischen Ideen. Dabei geht es dem Künstler jedoch nicht nur um ästhetisches Schaffen, sondern vielmehr um gezielte Aussagen.

Sein Markenzeichen ist sein Hut: Die schwarze Melone mit Teufelshörnchen verrät schon auf den ersten Blick, dass Thomas Pischke die Provokation liebt. „Ich bin ein Konzept-Artist“, sagt er. Für den gebürtigen Heiligenhauser ist Kunst nicht nur bunte Farbe auf Leinwand oder ein schön gesetzter Pinselstrich: Hinter allem, was der studierte Grafik-Designer tut, steckt ein ausgetüfteltes Konzept -- der 34-Jährige malt nie einfach drauf los, alles enthält eine Aussage. So bezeichnet sich Thomas Pischke gerne als „moderner Till Eulenspiegel, der den Leuten einen Spiegel vorhält“.

Dabei kommt er nicht selten auf ganz verrückte Ideen, verpackt diverse Gebäude in der Stadt oder stellt provokative Schilder in der Gegend auf. „Ich mag die Provokation und rebellische Aktionen“, erklärt er, „und möchte, dass sich die Leute damit auseinander setzen.“ Eigens für diesen Zweck kandidierte Pischke im letzten Jahr für den Stadtrat, entwarf ganz ungewöhnliche Wahlplakate.

Ein Könner ist Pischke zweifellos: Ob Comics (Pischke selbst ist großer Comic-Fan), Portraits, Menschen oder Plakate – der im Nonnenbruch Lebende beherrscht sein Handwerk. Gestochen scharf kann er Gesichter zeichnen, entwirft hochklassige Poster. Sein kreatives und gestalterisches Können ermöglicht ihm seine Selbstständigkeit.

Und auch in seiner Freizeit macht er sich sein Talent zu Nutze, hat dann aber die Gelegenheit alle seine Freiheiten auszukosten. „Nebenberuflich mache ich praktisch das Gleiche wie für meine Kunden, aber mit den Aussagen, die ich im Beruf nicht machen kann“, erklärt der Künstler. Und eben dieses schrankenlose, mutige Schaffen ist es, was Pischke reizt. Um uneingeschränkt schaffen zu können, hat Thomas Pischke das „Kunstquadrat“ gegründet, ein Netzwerk für Künstler wie ihn. Auch für das Kulturhauptstadtjahr hat der Heiligenhauser Pläne mit dem Netzwerk.

Das Schlüsselerlebnis für Thomas Pischke passierte in der Grundschule: Damals malte er einen Löwen, „und alle haben darauf gezeigt und gesagt er sei toll“, erinnert er sich. Seitdem wusste Pischke, dass es dieses Talent ist, auf das er sein Leben aufbauen wollte. Nach dem Fachabitur, einer Ausbildung zum Mediengestalter und einer angefangenen Tischlerlehre studierte er schließlich Grafikdesign, machte sich selbstständig. Das hat er bislang nicht bereut: „Zu wissen, was ich nächsten Dienstag um 15 Uhr machen werde, ist für mich ein Graus“, erklärt er, „das tötet Kreativität!“ In Zukunft wird man sicherlich noch viel von Thomas Pischkes Kunst sehen -- seien es verhüllte Gebäude oder außergewöhnliche Wahlplakate. Denn: „Natürlich befriedigt Kunst meine Eitelkeit“, erklärt er grinsend, „doch eigentlich wollen wir ja alle die Welt retten.“

 
 

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