Mit Stock über Stein

Kirsten Gnoth
Dehnübungen auf dem Parkplatz des Kant-Gymnasiums: die Nordic Walker von „Zwar“ mit WAZ-Mitarbeiterin Kirsten Gnoth. Nach dem Aufwärmtraining geht’s dann los. Foto: H.W. Rieck
Dehnübungen auf dem Parkplatz des Kant-Gymnasiums: die Nordic Walker von „Zwar“ mit WAZ-Mitarbeiterin Kirsten Gnoth. Nach dem Aufwärmtraining geht’s dann los. Foto: H.W. Rieck
Foto: WAZ FotoPool

Heiligenhaus. Von vielen belächelt und von wahrscheinlich genauso vielen gepriesen: Bei Nordic Walking gehen die (sportlichen) Meinungen weit auseinander. WAZ-Mitarbeiterin Kirsten Gnoth hat getestet, ob das Laufen mit Stöcken eher einem Spaziergang ähnelt oder doch eine sportliche Herausforderung sein kann.

Zehn Uhr morgens auf dem Parkplatz des Gymnasiums. Ich in Jogginghose und Kapuzenpulli – ein seltenes Bild. Aber Elke Gilgen hat mir extra vorher am Telefon gesagt, dass ich Kleidung anziehen soll, in der man vernünftig laufen kann. Denn heute bekomme ich, als absoluter Laie, einen Crashkurs in Sachen Nordic Walking.

Die Walking Gruppe der Freizeitinitiative „Zwar“ (Zwischen Arbeit und Ruhestand) nimmt mich unter ihre Fittiche. Und ich hoffe nur, dass mir beim Laufen schnell warm wird, den kalten Wind habe ich bei meiner Kleidungswahl nämlich unterschätzt.

Erst kommt das Aufwärmtraining

„Erst mal machen wir uns ein wenig warm“, erklärt Elke Gilgen. Netterweise leiht mir eine Mitläuferin einen ihrer Stöcke, den brauch’ ich jetzt nämlich. Entspannt in den Knien federn und immer weiter in die Hocke gehen. Da zeigen sich schon erste bahnschienenartige Anwandlungen meinerseits. Das Dehnen zu beiden Seiten klappt wesentlich besser. Und dann läuft der Trupp auch schon los.

Lässig lasse ich die Arme neben dem Körper baumeln. „Ja, wie läuft denn die Kirsten?“, tönt es nach einigen Schritten in meinem Rücken. Der Ton der Frage verrät schon, dass es anscheinend falsch ist, wie ich einen Fuß vor den anderen setze. Elke Gilgen zeigt mir, wie man richtig geht – und das auch ohne Stöcke. „Diese müsste man dann immer zwischen den Schritten aufsetzten und wenn sie hinten sind, die Hand öffnen, damit die Schultern nicht verkrampfen“, gibt mir eine Mitläuferin den Tipp. Also Ellenbogen anwinkeln und im Takt mitbewegen. Nach hinten, nach vorne, nach hinten. . . so, dass möglichst viele Muskeln beansprucht werden. Und so zeigt sich schon auf den ersten hundert Metern, dass das hier sicher kein Spaziergang wird (wenn man es denn richtig macht). Die Gruppe gibt ein Grundtempo vor, Sein eigenes Tempo innerhalb der Gruppe kann man sich jeder selbst suchen und so tummel ich mich mal (ganz vorbildlich) im vorderen Bereich oder lasse mich ins Mittelfeld zurückfallen.

Durch den Ortsteil Heide geht es die Heinrich-Lübke- Straße hoch – und natürlich wird das Tempo am Berg gehalten – rauf auf die Heidestraße. Auf gerader Strecke zwischen den Feldern kommt die Gruppe ganz schön in Fahrt. So langsam merke ich, wie mein Körper besser durchblutet wird. Die Beine kribbeln zuerst, denn steigt Leben in meine Fingerspitzen und meinen Rücken hinauf. Die Kälte habe ich mir inzwischen tatsächlich weggelaufen. Zwischendurch bleiben wir immer mal wieder stehen und machen ein paar Dehnübungen. Dann biegt der ganze Trupp in die Rembrandtstraße ein und walked zwischen den Häusern wieder auf den Parkplatz zurück.

Gut eine Stunde war ich in der Heiligenhauser Natur unterwegs und tatsächlich fühle ich mich wacher. Das Schöne beim Nordic Walking ist, dass man sich währenddessen auch noch unterhalten kann und nicht allein irgendwo durch die Gegend rennt. Eine gute Einstiegssportart für alle Couch-Potatoes, die mal wieder an die frische Luft wollen. Und meine Damen: Wer fleißig die Berge hoch walked, tut auch etwas für einen knackigen Po.