„Mehrwert für beide Seiten“

Es grünt noch grüner an der Gesamtschule, hier mit den Pädagogen Fabienne Bothmann und Thomas Kriwet und dem Hausmeister Erdal Candor (Mitte).
Es grünt noch grüner an der Gesamtschule, hier mit den Pädagogen Fabienne Bothmann und Thomas Kriwet und dem Hausmeister Erdal Candor (Mitte).
Foto: FUNKE Foto Services
Gemeinnützige Arbeit, Begegnung, Prozessoptimierung: der „Tag für deine Stadt“ aus Sicht von fünf Teilnehmern. Stadtgrenzen spielten kaum eine Rolle.

Heiligenhaus / Velbert..  In den USA sind sie schon lange bekannt, die Community Service Days, an denen Bürger gemeinnützige Arbeit leisten, ohne dabei an Bezahlung zu denken. Am Freitag hat der Wirtschaftsverband „Die Schlüsselregion“ einen solchen Aktionstag erstmals in Niederberg veranstaltet: Bei „Ein Tag für deine Stadt“ haben viele Hundert Mitarbeiter aus metallverarbeitenden Betrieben Fahrräder repariert, Hochbeete gebaut oder anderes, was not tut, für gemeinnützige Einrichtungen geleistet. Die WAZ hat Teilnehmer des Aktionstags gefragt, was dieser Tag gebracht hat.

Renate Zanjani von der Bergischen Diakonie erwähnt die „Nebenschauplätze, die man eigentlich nicht hoch genug bewerten kann, weil sie wirken“. In der Erziehungsberatungsstelle der Diakonie etwa seien sechs Mitarbeiter der Firma Kiekert mit Holz und Werkzeug erschienen und hätten die ersehnten Kästen für die sogenannte Sandspiel-Therapie gebaut. Als mal weniger zu tun war, sei dann einer der Kiekert-Leute plötzlich im Gespräch mit zwei Asylsuchenden gewesen — darüber, wie man in Deutschland Arbeit findet.

Alle sprechen dieselbe Sprache

Eins der häufig gefallenen und eher überraschenden Stichworte: Prozessoptimierung. Schon Dr. Thorsten Enge, Geschäftsführer der Schlüsselregion, nennt die Wertschöpfungskette der Tafel für Niederberg „unglaublich durchdacht“. Und Arne Schwerdtfeger von CES spricht von einem möglichen Gedankenaustausch mit der Diakonie in Workshop-Form, geplant für Spätsommer 2015. Schwerdtfeger ist wichtig, „dass solche Veranstaltungen mit Blick über den Tellerrand für beide Seiten Mehrwert bieten.“ Dass der Prozessoptimierer aus Velbert in Heiligenhaus half, belegt eine weitere Beobachtung: Stadtgrenzen spielten beim Aktionstag kaum eine Rolle.

Auch für Christoph Sondermann. Der Inhaber von Croll & Sondermann ging mit seinem Kundendienst-Leiter zum sozialtherapeutischen Wohnheim an der Poststraße in Velbert, um dort eine Sitzecke aus halbierten Lärchenstämmen zu bauen, die der Stadtförster ihnen zugesägt hat. Als ein Dutzend Bewohner beim Grillplatz standen und zusahen, hätten die Helfer die psychisch kranken Bewohner eingebunden, erzählt Sondermann: „Eigentlich müsste man die Leute noch mehr einbinden“, wie in einer integrativen Werkstatt.

Frank Riederich vom THW-Ortsverein beeindruckte die Effizienz, mit der zwölf Bänke in vier Stunden angebracht wurden. „Wenn man Menschen für etwas begeistern kann, merkt man, wie auf einmal alle dieselbe Sprache sprechen“, erzählt Riederich, „ein Blick, eine kurze SMS, und schon rennt man in dieselbe Richtung.“

Bilanz des Veranstalters: „Wahnsinn“

„Auf meinem Weg zur Arbeit fahre ich seit vier Jahren zweimal täglich am Haus Maria Frieden in Langenberg vorbei. Und heute war ich mal drin.“ So bringt Dr. Thorsten Enge vom Wirtschaftsverband „Schlüsselregion“ auf den Punkt, was dieser Aktionstag gebracht hat.

Mitarbeiter aus 80 Firmen haben bei „Ein Tag für deine Stadt“ gut 90 Wunsch-Projekte von gut 60 gemeinnützigen Einrichtungen gestemmt. Über 700 Westen mit Aufdruck „Ein Tag für deine Stadt“ hat die Schlüsselregion verschickt und rund 700 Anmeldungen für die Feierabend-Party auf Schloss Hardenberg gezählt. Über 1000 Menschen sollen sich eingebracht haben, diese Marke hebt Geschäftsführer Enge besonders hervor: „Wahnsinn, die Resonanz von Betrieben und Ehrenamtlern hat uns in dieser Breite total umgehauen.“ Die Schlüsselregion wertet die Aktion also als durchschlagenden Erfolg.

Jule Körber, Sprecherin der Schlüsselregion, steuert weitere Erlebnisse bei: Ein Vorab-Telefonat mit einem Dachdeckerbetrieb sei so verlaufen: Mit wie vielen kommen Sie heute? — Mit allen! Und bei einer Aktion im Langenberger Elisabethstift seien nebenbei Fotos der Bewohner entstanden, die weit über die Dokumentation des Aktionstags hinausgingen. Begründung der Fotografin: Ich würde mich so freuen, wenn ich solche Fotos von meiner Oma hätte.

EURE FAVORITEN