Kleiner Wackler in der Dorfkirche Isenbügel

Im verbalen Clinch: (von links) Jörg Weisse (FDP), Peter Beyer (CDU), Kerstin Griese (SPD) und Serdar Agit Boztemur (Die Linke).
Im verbalen Clinch: (von links) Jörg Weisse (FDP), Peter Beyer (CDU), Kerstin Griese (SPD) und Serdar Agit Boztemur (Die Linke).
Foto: WAZ FotoPool
Wer den Wahlkreis 105 für sich entscheidet, ist ungewiss. Bei einer Diskussion im bürgerlichen Isenbügel kommt SPD-Frau Griese besser weg als CDU-Mann Beyer.

Peter Beyer wackelt. Das haben schlaue Polit-Analysten erkannt, denn sie sind nicht völlig davon überzeugt, dass Beyer sein Direktmandat für den Bundestag bei der Wahl am 22. September verteidigt; womöglich könne es ihm ja Kerstin Griese vor der Nase wegschnappen. CDU-Anhänger können aber aufatmen: Beyer ist im Wackelwahlkreis 105 noch nicht umgekippt, einen Punktsieg gab es Mittwoch bei der Podiumsdiskussion in der Dorfkirche Isenbügel aber eher für seine SPD-Gegenspielerin.

Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass diese wackelige Angelegenheit in gut zwei Wochen zwischen Griese und Beyer entschieden wird. Das wird aber nicht der Grund gewesen sein, warum Grünen-Kandidat Mike Remmert der Gesprächsrunde, zu der der Bürgerverein eingeladen hatte, unentschuldigt fernblieb. Dass nicht Jörg Weisse (FDP) und auch nicht Serdar Agit Boztemur (Die Linke) an der christdemokratischen Vormachtstellung im Wahlkreis Mettmann II rütteln können, wurde ebenfalls flott klar. Weisse wirkte, nun ja, zu blass, Boztemur schoss nach Ansicht der Zuhörerschaft ein Eigentor, als er bei der Frage nach Einsparungspotenzialen bei der Bundesregierung teure Dienstwagen anführte. Von einem Zuhörer gefragt, womit er denn nach Isenbügel gekommen sei, antwortete der Linken-Kandidat: „Mit dem Wagen meiner Schwester.“ Die fährt immerhin ein Cabrio eines schwäbischen Autobauers.

Die zwei Stunden nahm jeder Kandidat zum Anlass, verteilt über die Gesprächsthemen Steuern, Wirtschaft, Bildung und Zukunft der Senioren, die Kernpunkte der Bundespolitik ihrer Parteien zum Besten zu geben. Weisse findet Steuern doof („Der Staat hat genug Geld“), Boztemur übergroßen Wohlstand („Reichtum verteilen“), Beyer die SPD („Gnade uns Gott, wenn Deutschland so regiert wird“ als Antwort auf das Vorhaben der Sozialdemokraten, den Spitzensteuersatz anzuheben), Griese die CDU („Was haben Sie in den letzten vier Jahren gemacht? Nichts“). Aber so ist das nun mal im Wahlkampf. Lokalen Bezug gab’s nur bei Kerstin Griese – einmal humorvoll, als sie die geplante Steuererhöhung für Vielverdiener erklärte („Ich frage ja immer, ob so jemand im Saal ist – in Isenbügel kann das der Fall sein“), einmal voller Ernst, als sie bei einem Ausflug in die Landespolitik den Sinn des Kommunalsolis (Beyer: „Ruhrgebiets-Soli“) erklärte („Den Unterschied auf den Straßen sieht man doch schon, wenn man durch Isenbügel oder die Oberilp fährt“). Geschlossen bekam das Kandidaten-Quartett sein Fett weg, als es um die Politikverdrossenheit des Nachwuchses ging. „Bei den Phrasen hier wären die Jungen schon vor 58 Minuten gegangen“, erklärte ein Zuhörer nach gut der Hälfte. Die übrigen Gäste nickten – die Kandidaten wackeln weiter.

 
 

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