Klares Nein zum Fracking

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Im Ausschuss für Stadtentwicklung bekräftigten die Politiker ihre Entscheidung zu dieser umstrittenen Form der Erdgasförderung. Fachvortrag zu den Risiken.

Heiligenhaus.  Selten sind sich die Mitglieder aller Parteien so einig, dass ein einstimmiges Veto ausgesprochen wird. Bei der umstrittenen Erdgasgewinnungsmethode „Fracking“ ist das allerdings der Fall. Die Firma Wintershall wird in Heiligenhaus auf Granit beißen, pardon bohren. Denn die Stadt wird dem Erdgas- und Erdölproduzenten keine Flächen zur Erkundung mit dem umstrittenen Erschließungsverfahren zur Verfügung stellen.

Die mit üblichen Methoden ausbeutbaren Erdgasvorkommen reichen grob geschätzt noch 60 Jahre. Doch unter unseren Füßen in der hiesigen Region schlummert vermutlich noch sehr viel mehr dieses Bodenschatzes. Um diese Vorkommen zu erreichen, wurden Verfahren wie das „Fracking“ entwickelt. Die Firma Wintershall plant, zumindest Gesteinproben zu entnehmen. Fracking sei nicht vorgesehen, heißt es von Wintershall.

Bis zu 174 000 Kubikmeter Wasser und Sand werden dabei mit einem Druck von rund 1000 Bar in tief liegende Gesteinsschichten gepresst. „Das ist der Druck, der auf einem Menschen lasten würde, wenn er im Marianengraben, dem tiefsten Punkt der Meere, schnorcheln würde. Und diesem Druck müssen dann die Rohre bei einem Frackingvorgang standhalten“, erklärt Dr. Guido Wimmer aus dem Ingenieurbüro Bieske und Partner jüngst in einem Fachvortrag vor dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. Zudem werden die Bohrungen zwangsläufig durch Oberflächen- und Grundwasserschichten laufen. Allein bei dem Gedanken daran, was alles passieren könnte, fühlen sich die Parteimitglieder in ihrer Entscheidung gegen das „Fracking“ bestärkt.

Doch der hohe Druck ist nicht das einzige Risiko. Neben dem Sand-Wasser-Gemisch wird auch ein Chemikaliencocktail in die Erde geleitet. „Diese sorgen dafür, dass Sand und Wasser weiter in das Gestein vordringen können und die Spalten länger offen bleiben“, sagt Wimmer. Für einen Frack werden bis zu 3480 Tonnen chemischen Schmiermittels benötigt. „Fracking-Firmen sind bislang nicht dazu verpflichtet, offen zu legen, welche Chemikalien das sind“, so Wimmer. Deshalb sei die Einschätzung von möglichen Spätfolgen und Risiken nicht genau ermittelbar.

Nachdem sich die Spalten im Gestein gebildet haben, strömt das Erdgas an die Oberfläche. Mit nach oben schießt jedoch auch das vorher hineingepumpte Gemisch. „In eine normale Kläranlage kann man das nicht leiten“, erklärt Dr. Wimmer. Entsprechende Entsorgungs- und auch Lagerungsmöglichkeiten müssten im Falle eines Fracks in Heiligenhaus noch gefunden werden. Schwierig dürfte es für Wintershall allerdings auch werden, Flächen zu finden. „Die Stadt wird dafür kein Land zur Verfügung stellen“, sagt der Technische Beigeordnete Harald Flügge im Gremium. Eine Entscheidung werde dann wahrscheinlich auf privatrechtlicher Ebene ausgetragen, weiß Wimmer.

Wintershall verfolgt dennoch weiter den Plan, nach potenziellen unkonventionellen Erdgasvorkommen zu suchen. Dazu hat das Unternehmen den neuen Landtagsabgeordneten geschrieben. Tenor: Die geologische Erforschung von Schiefergasvorkommen in NRW müsse möglich sein.