Kein Fracking in Heiligenhaus

Viele Leute kamen zu Kerstin Grieses Polittalk, denn Bundesumweltministerin Barbara Hendricks war bei der SPD-Bundestagsabgeordneten zu Gast.
Viele Leute kamen zu Kerstin Grieses Polittalk, denn Bundesumweltministerin Barbara Hendricks war bei der SPD-Bundestagsabgeordneten zu Gast.
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Bundesumweltministerin Barbara Hendricks war zum Polittalk bei der Mettmanner Bundestagsabgeordneten Kerstin Griese im Club zu Gast.

Heiligenhaus.  „Ich glaube nicht, dass es zu Probebohrungen kommt, weil wir viele Gebiete von vornherein ausschließen.“ Barbara Hendricks, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, ist zuversichtlich, dass es in und um Heiligenhaus nicht zum „Fracking“ kommt, zur Förderung von Gas aus tiefen Gesteinssichten mit hohem Wasserdruck und Chemikalien.

„Trinkwassergewinnungsgebiete, Naturschutzgebiete, Mineralwasserquellen, Bierbrunnen – da bleibt kaum Fläche übrig, wo ein Bohrloch runtergebracht werden kann“, versichert die SPD-Politikerin vor vielen Zuhörern im Club, in den Kerstin Griese die Ministerin eingeladen hatte.

„Das war mein schlimmster Tag, als ich morgens in die Zeitung schaute und feststellte, dass mein ganzer Wahlkreis für das Fracking in Frage kommt“, verrät die Bundestagsabgeordnete. Noch in diesem Monat berät die Bundesregierung einen entsprechenden Gesetzentwurf zu dem Thema. „Die Lage ist verworren, weil die Kollegen von der CDU / CSU der Wirtschaft mehr Möglichkeiten einräumen wollen“, verrät Kabinettsmitglied Hendricks und beschreibt die bisherige Lage: „In NRW gibt es nur ein Moratorium und keine gesetzliche Grundlage, deshalb muss ein neues Gesetz her. Künftig kann die Bergbehörde nicht alleine genehmigen, auch die Untere Wasserbehörde muss zustimmen plus einer Umweltverträglichkeitsprüfung. Wir machen ganz viele Hürden, da werden es sich die Unternehmen sehr genau überlegen, ob sie 30 Millionen Euro für eine Probebohrung investieren wollen.“

„Warum verbietet man eine so riskante Technik nicht einfach?“ wollte Kerstin Griese wissen. „Es gibt so was wie eine Wissenschafts- und Gewerbefreiheit. Wir können nicht alles verbieten, was potenziell gefährlich ist, dann müssten wir ja auch das Autofahren verbieten“, beschreibt die Ministerin Vorgaben, die das Grundgesetz an Politikerentscheidungen legt.

Unter den Zuhörern war Jean Pütz, der Fracking für ein „Strohfeuer“ hält, die Ministerin stimmte ihm zu. Der bekannte Wissenschaftsjournalist und Physiker verdammte die Kernenergie, die er als eine „schlimme Sache“ bezeichnet, vor die er bereits 1968 gewarnt habe, weil es kein Endlager gibt und weil nicht berücksichtigt wurde, dass der Rückbau eines Kernkraftwerks das Drei- bis Fünffache eines Neubau beträgt.

Endlager im eigenen Land

Die Oberaufseherin über die Reaktoren hat keinen Zweifel daran, dass die Rückstellungen der Energieversorger in Höhe von 37 Milliarden Euro reichen, um alle Kernkraftwerke zu beseitigen. Sie sieht die Politik in der Verantwortung, ein Endlager im eigenen Land unterzubringen, andere Länder werden den deutschen Atommüll nicht nehmen. „So ein Endlager ist frühestens 2050 fertig, die Befüllung dauert 40 Jahre. Wir sind in der Verantwortung, den radioaktiven Müll so sicher wie möglich unterbringen, damit die Generationen nach uns in 10 000 Jahren damit noch umgehen können.“ Ein anderes Versprechen in die Zukunft ist der Artenschutz: „Wir können uns nicht vorstellen, was noch alles in der Natur steckt, was wir noch gar nicht kennen. Wir wissen nicht nicht, ob die Küchenschabe mal sehr wichtig wird....“

 
 

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