Kaffee, Marmelade und die WAZ

Hannah Blazejewski
Helga Walter freut sich jeden Morgen auf ihre WAZ.
Helga Walter freut sich jeden Morgen auf ihre WAZ.
Foto: WAZ FotoPool
Zum 65. Geburtstag der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung erzählt Leserin Helga Walter ihre persönliche WAZ-Geschichte.

Heiligenhaus.  Sie sind vergilbt, etwas knittrig, kosteten gerade einmal 50 Pfennige, und doch haben sie für Helga Walter einen unschätzbaren Wert: zwei WAZ-Ausgaben aus den Jahren 1978 und 1983. Denn auf den 21. Juli 1983 fiel nicht nur der staubige Abbruch des Feuerwehr-Turms hinter dem Heiligenhauser Rathaus, sondern auch die Geburt ihres Sohns Raphael. Tochter Carmen erblickte am 31. März 1978 das Licht der Welt, damals wohnten die Walters allerdings noch in Gelsenkirchen.

Grundstein liegt in Gelsenkirchen

Dementsprechend liefert die in einer Plastikhülle archivierte WAZ-Ausgabe von diesem Tag Nachrichten aus der Ruhrgebietsmetropole. Aber genau dort liegt auch der Grundstein für Helga Walters persönliche WAZ-Geschichte. In Gelsenkirchen aufgewachsen, gehörte für sie die WAZ schon von Kindesbeinen an zum Frühstück dazu. „Meine Eltern hatten die WAZ, für mich gab es nichts anderes“, erinnert sich die 60-Jährige und schmunzelt. Und so schlossen sie und ihr Mann Rudolf beim Bezug der ersten eigenen Wohnung direkt ein Abonnement ab – 37 Jahre ist das nun her.

Die Heiligenhauserin streicht über das raue Papier der alten Zeitungsausgaben und erinnert sich an die schwarzen Finger, die ihr damals nach der Tageszeitungs-Lektüre immer blieben. Für die nimmt sich Helga Walter täglich eine Stunde Zeit. Als sie noch im Berufsleben stand, überflog sie morgens beim Frühstück schnell die Titel und widmete sich nach Dienstschluss im Velberter Amtsgericht den Details. Inzwischen schmökert sie schon beim morgendlichen Marmeladenbrot genüsslich in ihrer WAZ. Denn noch im Morgenmantel führt sie der Weg morgens um 7 Uhr direkt von der Kaffeemaschine zum Zeitungsrohr.

Findet sie dort mal keine Lokalausgabe, hat sie „den Kaffee schon auf“. Glücklicherweise ist das in ihren fast vier Jahrzehnten als Abonnentin nur sehr selten vorgekommen. Im Urlaub verzichten die Walters gezwungenermaßen auf ihre WAZ, versorgen sich dafür aber immer mit der örtlichen Tageszeitung – denn so ganz ohne das Zeitungsrascheln geht es auch in den Ferien nicht.

Mit Kaffee und Frühstücksbroten arbeitet sich Helga Walter bei der Zeitungslektüre von der Titelseite nach hinten durch. Besonders lange verweilt sie bei den Lokalnachrichten. Und freut sich deshalb sehr über die Ausweitung der lokalen Berichterstattung auf drei Seiten und die Einrichtung des Leserbeirates.

Ein besonders einschneidendes Erlebnis mit ihrer WAZ hatte die Heiligenhauserin, als sie vor einiger Zeit aus dem Essener Krankenhaus entlassen wurde. In der dortigen Lokalausgabe entdeckte sie eine Todesanzeige mit ihrem Namen. „Das Geburtsdatum stimmte aber nicht“, sagt die 60-Jährige. Trotzdem schockte die Todesanzeige ihrer Namensvetterin sie ein wenig. Die WAZ bescherte ihr und Ehemann Rudolf aber auch jede Menge positive Überraschungen. Zum Beispiel VIP-Karten für die Extraschicht oder ein tolles Essen im Abtskücher Museum.

Persönliches WAZ-Archiv

Das hatte sich das Paar aber auch redlich mit seiner netten Kennenlern-Geschichte verdient, die es vor einigen Jahren anlässlich des Valentinstags der örtlichen WAZ-Redaktion erzählte. Selbstverständlich haben Helga und Rudolf Walter die Berichte darüber fein säuberlich ausgeschnitten und aufgehoben. Und auch passend zum heutigen 65. Geburtstag der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung steuert das Heiligenhauser Paar eine ganz persönliche Geschichte bei.