Jungs am Küchenherd

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Heiligenhaus. Teig kneten und Fleisch anbraten, das wird noch immer oft mit Frauenarbeit verbunden. Holzstücke bearbeiten, das sei dagegen Männersache. Deshalb heißt es in der Projektwoche der Gesamtschule: Nicht nur die klassischen gesellschaftlichen Rollen tauschen, sondern diese aufbrechen – und sogar mögliche Berufswünsche fördern.

„Die Jungs sind sehr, sehr motiviert und eifrig dabei, die Mädchen zu beeindrucken“, hat Hauswirtschaftslehrerin Renate Wink festgestellt. 16 Jungen der achten Jahrgangsstufe schnibbeln und braten nicht nur die ganze Woche über in der Schulküche, sie kümmern sich auch um den Einkauf und die Tischdekoration. Selbst das formvollendeten Benimm beim Servieren wird geübt. „Die Mädchen, die stets zum Essen eingeladen sind, waren zuerst skeptisch. Dann kamen sie aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es gibt die Menüs mit allem zipp und zapp!“ Und: Sonst eher ruppige Zeitgenossen zeigen sich gegenüber den weiblichen Gästen zuvorkommend. „Bei dem einen oder anderen merkt man: Der hat ein Talent dafür und könnte gut in Gastronomie oder Hotel unterkommen“, findet Renate Wink.

Lebens- und Berufsplanung, damit setzen sich ebenso die Mädchen auseinander. Unter Anleitung von Referenten werden individuelle Wege ausgelotet. Praktisch wird es dann bei Bootsbauer Christoph Gans, der mit den Schülerinnen Werkstücke fertigt.

„Zukunft fördern“

Mädchen und Jungen sind außerdem gemeinsam im Klettergarten Langenberg aktiv. Dort können sie ihre Grenzen an verschiedenen Erlebnisstationen austesten.

Die Projektwoche findet im Rahmen des Programms „Zukunft fördern“ statt. Finanziert wird die Initiative u.a. durch die Arbeitsagentur, das NRW-Schulministerium und den Europäischen Sozialfonds. Die Gesamtschule nimmt zum dritten Mal daran teil. Die Schulen können aus zehn Modulen zur Berufswahlorientierung wählen.