Jugendamt zählt Spielplatz-Besucher

Jugendamtsmitarbeiterin Almuth Schildmann-Brack auf ihrer Tour in Hetterscheidt, hier an der Herderstraße.
Jugendamtsmitarbeiterin Almuth Schildmann-Brack auf ihrer Tour in Hetterscheidt, hier an der Herderstraße.
Foto: FUNKE Foto Services
Zur Erstellung eines Spielflächenbedarfsplans. Gebrauchsspuren geben Auskunft über die Nutzung. 52 Spiel- und Bolzplätze gibt es derzeit.

Heiligenhaus..  Kinder lieben Spielplätze, wo sie nach Herzenslust toben, mit Sand Experimente anstellen und sich auf Schaukeln, Kletternetzen, Wackelbrücken und Schaukelnestern ausprobieren können. Ältere Kinder bevorzugen Sportattraktionen wie Tischtennisplatten und Bolzplätze sowie Sitzgelegenheiten zum Chillen oder Grillplätze.

„Wir haben 52 Spielflächen und Bolzplätze, inklusive der Außenanlagen der Kitas und Schulen“, sagt Almuth Schildmann-Brack vom städtischen Jugendamt. Doch wie oft werden diese tatsächlich genutzt? Etliche Anlagen gibt es schon Jahre, ganze Generationen haben sie bespielt. Doch halten regelmäßige Erneuerungen alle Plätze attraktiv? „Das Freizeitverhalten ändert sich, Bedürfnisse ändern sich“, konstatiert Schildmann-Brack. Weshalb das Jugendamt derzeit einen Spielflächenbedarfsplan erarbeitet.

Sturm verhinderte Zählung

Der erste Teil, die Erfassung der Spielplätze (Altersgruppe, Geräte, Zustand) erfolgte bereits vergangenes Jahr. Den zweiten Teil, die Besucherfrequenz aufzunehmen, verhinderte der Sturm Ela. „Es waren zu viele Plätze zu lange geschlossen. Und dann war die Sommersaison vorbei.“ Erst jetzt konnte das Vorhaben umgesetzt werden. In den vergangenen Wochen schwärmten acht Teams städtischer Mitarbeiter mit Bewertungsbögen in die Ortsteile aus.

„Ein Kriterium ist der Mülleimer. Ist er gefüllt, wird der Platz genutzt. Sind Bierflaschen drin, dann allerdings eher nicht von Kindern“, erklärt Schildmann-Brack. Sprießen unter einer Kletterwand Disteln, „dann nutzt sie offenbar keiner“. Finden sich dagegen viele Fußabdrücke, ist dies ein Indiz dafür: „Das gefällt den Kindern.“

Ein Beispiel: die Spielfläche neben dem Kindergarten Hetterscheidt und vis-à-vis der Ogata der Tersteegen-Grundschule. Almuth Schildmann-Brack umrundet den Spielturm, schaut sich das Klettergerüst an: „Da gibt’s deutliche Abschabspuren.“ Im Sand Fußabdrücke, im Mülleimer Papiertücher und Reste eines Fast-Food-Essens. Obwohl hier am frühen Nachmittag noch kein Kind spielt, ist der Platz beliebt. Was der Jugendpflegerin auch Gespräche mit den Erzieherinnen der Ogata bestätigen.

Ein anderes Beispiel: Zollinger Straße. Eine einsame Schaukel fristet auf einer am Hang gelegenen Fläche ein tristes Dasein. Auch die Tischtennisplatte hat schon bessere Tage gesehen. „Hier hat schon lange kein Kind mehr gespielt“. notiert Schildmann-Brack.

Spielfläche Humboldtstraße ist verkauft

Ziel des Spielflächenbedarfsplans ist es, Aussagen darüber zu treffen, welche Spielflächen in der Stadt in welcher Form erhalten bleiben sollten. Es kann aber auch sein, dass Flächen aufgegeben werden, weil sie einfach nicht mehr genutzt werden. Manchmal spielen aber auch ganz andere Kriterien eine Rolle.

Bei der Sonnenwendfeier in Hetterscheidt machte es die Runde: Lange werde es den Platz an der Humboldtstraße wohl nicht mehr geben. Obwohl hier zahlreiche Feste rund um den Grillplatz stattfinden und Kita- sowie Schulkinder die Geräte nutzen: Irgendwann ist Schluss. Nicht nur das zur Dantestraße gelegene Wäldchen wurde veräußert (WAZ-Bericht im März), auch die Spielfläche wenig später an eine benachbarte Firma. Als „Vorhaltefläche“, wie Bürgermeister Jan Heinisch mitteilt. Die Stadt zahlt nun eine Pacht. Wird der Platz Bauland, muss allerdings erst Planungsrecht geschaffen werden. Aber das seien noch ungelegte Eier.

BV-Vorsitzender Heribert Bittner bedauert den Verkauf indes sehr. Denn eine geeignete Alternative sieht er derzeit nicht.

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