Hilfe für „vergessene Kinder“

Die freiwilligen Helfer packen im Akkord Hilfsgüter in den Lkw. Dieser fasst elf Tonnen und „wird auch ganz sicher voll“, so Petra Ullrich, Vorsitzende des Vereins „Vergessene Kinder“. Foto: Sebastian Konopka
Die freiwilligen Helfer packen im Akkord Hilfsgüter in den Lkw. Dieser fasst elf Tonnen und „wird auch ganz sicher voll“, so Petra Ullrich, Vorsitzende des Vereins „Vergessene Kinder“. Foto: Sebastian Konopka
Foto: WAZ FotoPool
Petra Ullrich sammelt seit zwölf Jahren Hilfsgüter für bedürftige Menschen in Rumänien. Ein Lkw ist jetzt wieder auf dem Weg nach Medias.

Heiligenhaus.. Vielen Deutschen geht es richtig gut. Wenn wir eine neue Hose brauchen, führt der erste Weg in die Geschäfte der Umgebung. Und auch über die gesundheitliche Versorgung können wir uns nicht beschweren. Kaum zu glauben, dass es rund 1400 Kilometer, oder einfacher ausgedrückt 14 Stunden Fahrzeit von Deutschland entfernt, ganz anders aussieht.

In Rumänien mangelt es an vielen Ecken und Enden. Petra Ullrich gründete vor zwölf Jahren den Verein „Vergessene Kinder“ und fährt seitdem regelmäßig mit bis zum Dach gefüllten Lastwagen nach Medias im Herzen Rumäniens, um dort Hilfsgüter an bedürftige Familien zu verteilen.

Ein dumpfes Rumpeln, gefolgt von einem durchdringenden Ratschen hallt durch den Wald unterhalb des Flugplatzes Meiersberg. Versteckt in einem Waldweg wartet ein riesiger roter Lkw mit ausländischen Kennzeichen darauf, vollgepackt losfahren zu können. Im Akkord verstauen Petra Ullrich vom Verein „Vergessene Kinder“ und ihre fleißigen Helfer tonnenweise Hilfsgüter im Bauch des Lastfahrzeugs. „In den Lkw passen elf Tonnen und den werden wir auch voll kriegen“, erklärt Petra Ullrich, während sie ihre Arbeitshandschuhe für einen Moment auszieht.

Die Heiligenhauserin opfert gerne ihre freien Wochenenden und Tage, um für den Verein Spenden zu sammeln. „Als ich das erste Mal in Rumänien war und diese schlimmen Verhältnisse dort unten gesehen habe, habe ich mir geschworen, den Leuten zu helfen.“

Verschiedene soziale Projekte

Ullrich unterstützt in Medias verschiedene soziale Projekte – wie Pflegeheime für ältere Menschen oder ein Heim für psychisch Kranke Jungen. Doch auch Familien mit HIV positiven Kindern werden von der Heiligenhauserin mit lebenswichtigen Dingen unterstützt. „Diese Kinder haben sich alle in Krankenhäusern angesteckt und nicht bei ihren Eltern. Man darf sich das nicht so vorstellen wie bei uns“, erläutert Ullrich. „Es kann auch mal sein, dass die Menschen in den Krankenhäusern nur zwei Kekse und eine Tasse Tee zum Mittag bekommen.“

Eindrücke, die die Heiligenhauserin nach ihrem ersten Besuch nicht mehr so schnell losließen. Im Jahre 2000 gründete Petra Ullrich dann den Verein „Vergessene Kinder“ und organisiert seitdem jedes Jahr Hilfsgütertransporte nach Rumänien. „Für uns sind das alles Dinge des täglichen Lebens: Kleidung, Decken, Schuhe und noch vieles mehr. Doch die Sachen haben dort unten einen enorm hohen individuellen Wert für die Menschen“, so Ullrich. Mit an Bord sind dieses Mal aber nicht nur Kleidungsstücke, sondern auch Windeln. Zudem schlummern in den Kisten und Kartons auch noch Lebensmittel und Medikamente im Wert von 1500 Euro.

Menschen sterben weg

Petra Ullrich begleitet die Hilfsgüter höchstpersönlich auf ihrer Reise nach Medias. Die Ankunft in Rumänien ist nicht immer mit purer Freude verbunden. „Wenn ich die Menschen, die ich schon länger betreue wieder sehe, freue ich mich natürlich darüber. Aber einige von ihnen sind in der Zwischenzeit auch verstorben. Kinder und Jugendliche sterben einem dort einfach so weg und das ist das Traurige dabei.“ Trotz dieser Rückschläge gibt Petra Ullrich den Kampf gegen die Armut in Medias nicht auf.

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