Heiligenhauser wollen Anlaufstelle für Flüchtlinge schaffen

Die Integrationshelfer (v.l.) Yassin El Allaoui, Blenda Morina, Maria Arce Vargas und Raj Kesavan haben bereits ein eigenes Logo entworfen.
Die Integrationshelfer (v.l.) Yassin El Allaoui, Blenda Morina, Maria Arce Vargas und Raj Kesavan haben bereits ein eigenes Logo entworfen.
Foto: Heinz-Werner Rieck
Junge Heiligenhauser wollen den Verein Integrationshelfer e.V. gründen. Projekt soll Deutschunterricht, Umzüge, Kleiderspenden und mehr organisieren.

Heiligenhaus..  Flüchtlinge sollen sich mit ihren Problemen und Nöten künftig an eine neue Anlaufstelle in Heiligenhaus wenden können. Zumindest, wenn es nach Raj Kesavan und seinen Mitstreitern geht. Der 28-jährige Student, der nebenbei Zuwandererkinder an der Realschule unterrichtet (die WAZ berichtete), möchte zu diesem Zweck mit anderen freiwilligen Helfern einen gemeinnützigen Verein gründen. „Wir wollen Deutschkurse organisieren, Kleidung sammeln, bei Umzügen mit anpacken oder bei Behördengängen unterstützen“, zählt Kesavan auf, wo viele Flüchtlinge am dringendsten Hilfe benötigen.

In der nächsten Woche soll der Verein offiziell gegründet werden. Vorstand und Vereinssatzung stehen bereits, der Termin beim Notar ebenfalls. Einen Namen gibt es auch schon: Integrationshelfer e.V. nennt sich das Projekt. „Das ist genau das, was wir machen wollen, Menschen helfen, sich bei uns zurechtzufinden“, sagt Kesavan.

Die Idee für einen Verein entstand in einer Whats-App-Gruppe mit inzwischen mehr als 80 Mitgliedern, die Schülersprecher Yassin El Allaoui Anfang September an der Realschule gründete. „Wir ziehen an der Schule an einem Strang und helfen den Zuwandererkindern in der Seiteneinsteigerklasse und den Familien auch nach dem Unterricht“, sagt Kesavan.

Helfer sind gut in der Stadt vernetzt

Zuerst haben die Integrationshelfer vor allem Menschen vom Balkan geholfen, nun würden es zunehmend mehr Syrer. Die Dankbarkeit und Anerkennung für das Engagement, sagt Kesavan, habe ihn bewogen, Flüchtlingen nun hauptberuflich helfen zu wollen. „Zum ersten Mal denke ich, dass das, was ich mache, Sinn ergibt. Es fühlt sich richtig an“, sagt er bestimmt.

Um die Hilfe aus einer Hand zu organisieren, haben sich die Integrationshelfer in der Stadt gut vernetzt. „Wir arbeiten mit den beiden Moscheen, der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde, den Stadtlotsen und dem Jugendamt zusammen“, sagt Kesavan. Auch die drei weiterführenden Schulen sollen ins Boot geholt werden.

Deutschunterricht soll mit der marokkanischen Moschee organisiert werden, auch die Volkshochschule habe man schon angesprochen. Die Mietgebühren für den Umzugstransporter wollen die Kooperationspartner erstmal untereinander teilen, hier fehlt noch ein Sponsor (siehe Infokasten). „Fast täglich melden sich bereits Spender, die Kleidung und Waren abgeben wollen“, freut sich Kesavan. Eine eigene Kleiderkammer oder Warenbörse baut der Verein nicht auf, sondern setzt auf eine Kooperation mit der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in den Räumen an der Herzogstraße 10. Dort können Flüchtlinge neben Kleidung auch Sachspenden anfragen.

Ein eigenes Büro fehlt noch

Um eine wirkliche Anlaufstelle bieten zu können, fehlt dem künftigen Verein noch eigenes Büro. Dabei hoffen die Initiatoren auf Unterstützung von der Politik. „Wir werden die Stadt ansprechen, ob sie uns einen Raum zur Verfügung stellen kann“, hofft Kesavan zudem auf einen Teil der Mittel, die die Landesregierung für die Flüchtlingshilfe bereitgestellt hat.

Noch fehlt es an finanzieller Ausstattung, das Projekt soll sich jedoch durch Spenden und geringe Mitgliedsbeiträge so schnell wie möglich selbst tragen, hofft der 28-Jährige. „Ich möchte das groß aufziehen und selbst Angestellte beschäftigen“, sagt er auch mit Blick über die Heiligenhauser Stadtgrenze hinaus in die Nachbarstädte. „Das Flüchtlingsthema wird uns noch länger beschäftigen und die Menschen brauchen uns“, sind sich die Integrationshelfer sicher.

 

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