Heiligenhauser Bürgermeister schlägt harsche Kritik entgegen

Parkraum zu beiden Seiten der Hauptstraße, das ist den Anwohnern eine lieb gewordene Bequemlichkeit. Für breitere Bürgersteige und einen Fahrradstreifen wollen sie die nicht preisgeben.
Parkraum zu beiden Seiten der Hauptstraße, das ist den Anwohnern eine lieb gewordene Bequemlichkeit. Für breitere Bürgersteige und einen Fahrradstreifen wollen sie die nicht preisgeben.
Foto: FUNKE FOTO SERVICES
Bürgerversammlung der IG „Gegen den Umbau der Hauptstraße im 2. Bauabschnitt“ im Ratskellerwar sehr gut besucht. Bürgermeister verteidigte Konzept der Innenstadt-Umgestaltung.

Heiligenhaus..  Ein stürmisch-kühler April-Wind pfiff am Donnerstagabend um die Häuser der Hauptstraße. Drinnen im Ratskeller hatte Bürgermeister Jan Heinisch ebenfalls mit heftigem Gegenwind zu kämpfen: Mehr als hundert Bürgerinnen und Bürger waren auf Einladung der Interessengemeinschaft „Gegen den Umbau der Hauptstraße im 2. Bauabschnitt“ gekommen, die meisten, um ihren Unmut kundzutun.

Unmut darüber, zu spät oder gar nicht informiert worden zu sein über die seit 2010 geplante Umgestaltung der Innenstadt und die finanziellen Folgen für die Anlieger der Hauptstraße. Unmut darüber, dass keine Kostentransparenz herrsche, die KAG-Beiträge nach den Plänen der Verwaltung sogar noch erhöht werden sollen und darüber, dass die seit 2012 lieb gewonnene Parkplatz-Situation im Bereich Jahnstraße bis Sachsenstraße bald ein Ende haben soll.

Viele offene Fragen, die Heinisch auf Bitten der beiden IG-Sprecherinnen Monika Milz und Merle Lotz zu beantworten hatte. Wobei der erste Bürger der Stadt sich bemühte, vor allem eines herauszustreichen: „Wir machen deutlich mehr als andere Städte. Es gab vier Workshops, an denen man sich beteiligen konnte.“ Die Kritik, dass die Anlieger der Hauptstraße nicht extra dazu eingeladen wurden, nahm Heinisch an.

Dass die Umbaupläne nicht das wiedergeben, was die Bürger wirklich für die Innenstadt wollen, dagegen verwahrte sich Heinisch jedoch vehement: „Das Ergebnis kann sich in der Summe sehen lassen. Es ist ein ordentlicher Prozess gewesen.“ Dass man Pläne ändern könne, keine Frage, „aber das Ergebnis der Workshops muss man auch ein Stück weit respektieren.“

Parken vor der Haustür, vor dem Laden: „Unsere Bedürfnisse werden nicht berücksichtigt“, erklärte Merle Lotz angesichts der für die IG viel zu wenigen Parkplätze im zweiten Ausbauabschnitt. Und in späteren (zum Teil emotional sehr geladenen) Wortbeiträgen der Betroffenen war es offensichtlich: Die Bequemlichkeit ist den Anwohnern wichtiger als ein Fahrradstreifen, wichtiger als teures Pflaster und breite Bürgersteige. Überhaupt wurde die in Aussicht gestellte Flanierqualität der oberen Hauptstraße bezweifelt. Auch dass einst 1700 Unterschriften für die Errichtung einer Fußgängerzone gesammelt wurden, beeindruckte die Anwesenden nicht.

Immerhin: Parkplatz-Alternativen an der Linderfeldstraße und Gespräche mit den Anwohnern über einzelne Planabschnitte, um vielleicht doch noch für den einen oder anderen Stellplatz Raum zu schaffen, bot Heinisch nach mehr als zweieinhalbstündiger Diskussion an. Ob die KAG-Beiträge nach dem alten 55-Prozent-Satz abgerechnet werden, oder 70/30 oder gar noch höher, das liege jedoch in den Händen der Ratsfraktionen oder später der Kommunalaufsicht. Denn auch die habe ein Wörtchen mitzureden angesichts leerer Kassen.

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