Grünpfeil: Viele Heiligenhauser missachten am Südring Verkehrsregeln

Hannah Blazejewski
An der Ecke Südring/Kurt-Schumacher-Straße soll das Zusatzschild mit dem grünen Pfeil Rückstau verhindern.
An der Ecke Südring/Kurt-Schumacher-Straße soll das Zusatzschild mit dem grünen Pfeil Rückstau verhindern.
Foto: Socrates Tassos/FUNKE Foto Servi
Zusatzschild 720: Das blecherne Erbe aus der DDR ist wenig bekannt, wird oft falsch interpretiert und sorgt so für Gefahr bei der Querung des Südrings.

Heiligenhaus.  Ein blechernes Erbe aus der DDR sorgt in Heiligenhaus für Irritation und damit zur Gefährdung von Fußgängern. Es ist etwa 25 mal 25 Zentimeter groß, zeigt einen grünen Pfeil auf schwarzem Grund und wird von vielen Autofahrern falsch interpretiert: Das kleine Zusatzschild, das neben dem Rotlicht der Ampelanlage Südring/Kurt-Schumacher-Straße in Höhe des Party-Discounts Woooozy angebracht ist.

Immer wieder beobachtet die Polizei hier Autofahrer, die trotz rot leuchtender Ampel rechts abbiegen – ohne vorher an der Lichtsignalanlage zu stoppen. Das bringt jedoch die Fußgänger in Gefahr, die während ihrer Grünphase den Südring queren möchten. „In Zukunft kommen noch die Radfahrer dazu, die aus der Bergstraße geradeaus in die Kurt-Schumacher-Straße fahren. Derzeit ist dort noch ein Schild angebracht, das nur das Abbiegen auf den Südring erlaubt“, erklärt Bezirksbeamter Andreas Piorek.

Wer als Autofahrer ungebremst vom Südring rechts Richtung Heide fährt, kann die schwächeren Verkehrsteilnehmer schnell übersehen – befürchten Piorek und seine Kollegen. Grund für die Probleme an der Ampelanlage sieht der Bezirksbeamte in dem geringen Bekanntheitsgrad des Zusatzschildes mit dem grünen Pfeil. „Wir sind im westeuropäischen Raum nicht mit dem Zeichen groß geworden“, erklärt er. Denn an den Straßen in Westdeutschland ist es erst seit Juli 1991 zu finden.

Nur das erste Auto darf abbiegen

Zum Hintergrund: Nach der Einheit wurden auch einige Verkehrszeichen und -regelungen aus der DDR für den gesamtdeutschen Verkehrsraum übernommen. Dazu zählt das kleine Zusatzschild 720, das im Heiligenhauser Stadtgebiet nur an beschriebener Ecke angebracht wurde. Viele Fahrzeugführer verwechseln das Zeichen offenbar mit dem grün leuchtenden Pfeil, der Autofahrern beispielsweise an der A 44-Ausfahrt bei Möbel Rehmann das rechts abbiegen bei sonst roter Ampel ermöglicht.

Beim Pfeil auf dem Blechschild hingegen muss bei roter Ampel der Wagen gestoppt werden. Nach rechts abbiegen darf dann aber immer nur das jeweils erste Fahrzeug von der rechten Fahrspur aus und auch nur, wenn dabei andere Verkehrsteilnehmer nicht behindert oder gefährdet werden. „Außerdem handelt es sich hier um eine so genannte Kann-Vorschrift“, erklärt der Bezirksbeamte. Und schüttelt den Kopf über ungeduldige Autofahrer, die ihre Vordermänner anhupen, weil diese trotz Grünpfeil-Schild an der roten Ampel zum Stehen kommen oder sogar erst abbiegen, wenn die Ampelanlage komplett auf grün umspringt. Es besteht nämlich keine Pflicht, in die Kreuzung einzufahren. Im Gegensatz zu leuchtendem Grün, ist Warten vor einem Rotlicht mit Grünpfeil keine Verkehrsbehinderung im Sinne der Straßenverkehrsordnung.

Das Rechtsabbiegen mit Grünpfeil (auf Blechschild) ohne vorheriges Anhalten an der Haltelinie ist übrigens mit einem Punkt im Fahreignungsregister und einer Geldbuße von mindestens 70 Euro belegt. Bei Behinderung oder gar Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer steigt das Bußgeld auf bis zu 150 Euro an. Wie die Heiligenahauser Polizei berichtet, missachtet ein Großteil der Autofahrer die Pflicht zum Anhalten.