Es geht ums „Schauen lernen“

Mit Hammer und Meißel bearbeitet Ute Küppersbusch die Steine so lange, bis ihre natürlich Ausdrucksform zum Vorschein kommt.
Mit Hammer und Meißel bearbeitet Ute Küppersbusch die Steine so lange, bis ihre natürlich Ausdrucksform zum Vorschein kommt.
Foto: WAZ FotoPool

Heiligenhaus.. „Stein-Zeit“ – dieser Aufkleber schmückt die Kofferraumklappe von Ute Küppersbuschs Auto. Ein kleiner Sticker, der viel über die 52-jährige Künstlerin aussagt. Denn: Sie ist gelernte Steinmetzin und studierte Bildhauerin.

Leises Klavierspiel klingt durch die Wohnsiedlung. Abrupt wird es durch die Türklingel abgebrochen. Denn wenn die Heiligenhauser Lehrerin nicht gerade mit schwerem Gerät den Steinen zu Leibe rückt, macht sie Musik. „In der Band Accenti spiele ich Bass-Gitarre, dazu kommen noch Klavier und Querflöte“, beschreibt Küppersbusch ihr musikalisches Repertoire. Das Spiel auf der Querflöte habe sie sogar als Studienfach angefangen, aber nie abgeschlossen. „Querflöte zu spielen, wenn man Steinmetz ist, ist völlig kontraproduktiv.“ Bei Hammer und Meißel müsse man richtig zupacken, bei dem Instrument gehe es viel um Feinmotorik – beides zusammen passe nicht. Und so entschied sich die 52-Jährige für den Weg der Steine.

Ausbildung bei Gerd Sasse

Ihre Ausbildung hat Küppersbusch beim bekannten Velberter Steinmetz Gerd Sasse gemacht. „Damals gab es nicht wirklich viele Frauen in der Ausbildung. Hier war ich die Einzige“, erinnert sie sich. Wer denkt, auf Steinen rumzuhämmern wäre leicht, der liegt meilenweit daneben. „Es dauert fast anderthalb Jahre, bis man gelernt hat, die Oberfläche des Steins gerade zu schlagen.“

Monate lang habe sie auch an einer gleichmäßigen Schrift geübt. „Da sitzt man stundenlang und hämmert gerade Linien in den Stein.“ Aber genau dieses Wissen in der grundlegenden Technik brauche man, um künstlerisch tätig zu sein. „Das Werkzeug darf kein Gegner sein“, findet Ute Küppersbusch. Das spätere Bildhauerstudium habe sie im wahrsten Sinne des Wortes geprägt: „Leute haben die Handschrift meines Professors in meinen Kunstwerken wiedererkannt – das fand ich schlimm.“ Da studiere man so lange, um nachher doch alles wieder irgendwie vergessen zu müssen, erklärt Küppersbusch mit einem Lachen. „Aber eigentlich geht es im Studium mehr um das ‘Schauen lernen’“. Bestes Beispiel ist der große Stein in ihrer Auffahrt. Jeden Tag geht die Künstlerin an ihm vorbei und hofft, dass er ihr irgendwann sagt, was er werden möchte. „Ich suche nach der eigenen Ausdrucksform des Steins.“

Weil man mit Kunst in den seltensten Fällen das große Geld machen kann, studierte sie noch Diplom-Pädagogik und arbeitet seitdem immer mal wieder als Kunst- und Musiklehrerin. Derzeit an der Regenbogen-Grundschule im Heiligenhauser Stadtteil Oberilp. Wie das Schild „Ist das Kunst oder kann das weg?“ an ihrem Fach im Lehrerzimmer zeigt, ist das Ergebnis des kreativen Arbeitens gar nicht immer entscheidend. „Es kommt viel mehr auf die Gedanken hinter dem Kunstwerk an“, findet Ute Küppersbusch. So auch bei ihren anderen Leidenschaften, der so genannten „LandArt“ und der Konzeptkunst.

In letzteres Genre fällt auch das Netz, das sie über den Köpfen der Stadtfestbesucher gespannt hatte. „Da guckten die Leute mal nach oben, dass hätten sie sonst nie gemacht.“ Die 52-Jährige Allrounderin möchte, dass die Menschen ihre Umwelt wieder richtig wahrnehmen. Denn: „Alles hängt zusammen.“

 
 

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