Ehrenamtler diskutieren im Heiligenhauser Club mit Kerstin Griese

Die Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese traf sich im Club mit engagierten Ehrenamtlern.
Die Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese traf sich im Club mit engagierten Ehrenamtlern.
Foto: André Duhme
Rund 50 Ehrenamtler haben im Heiligenhauser Club mit MdB Kerstin Griese über die Zukunft des Ehrenamtes diskutiert. Dabei kamen verschiedene Vorschläge auf den Tisch.

Heiligenhaus..  Urteilt man nach MdB Kerstin Griese (SPD) und den rund 50 Ehrenamtlern, die sie am Samstag zum „Forum Ehrenamt“ in den Heiligenhauser Club eingeladen hat, dann ist es um das Ehrenamt in Heiligenhaus, Velbert, Wülfrath und Ratingen gut bestellt. Man diskutiert engagiert und im Geiste der Redensart: Probleme sind zum Lösen da. Es ist, wie Griese es aus ihrem eigenen Werdegang formuliert: „Aus Ehrenamt entstehen auch politische Forderungen.“

Ämterhäufung bei Älteren

Ungelöst ist allerdings das Personal- und Nachwuchsproblem des Ehrenamts. „Man muss den Menschen den Glauben nehmen, dass man 20 bis 30 Leute in der Kartei hätte, die nur mit den Hufen scharren, ein Ehrenamt zu übernehmen“, sagt etwa Ralf Jeratsch aus seiner Erfahrung als Vermittler von Ehrenämtern in Heiligenhaus. Mehr Werbung fordert er, „ohne Klappern kein Handwerk.“ Doch das Klappern sei mühsam: Auf vier abgedruckte Pressemitteilungen melden sich vielleicht fünf Interessenten, einer davon entscheidet sich letztendlich für einen der über 50 bei der Agentur Harfe gelisteten lokalen Träger, rechnet er vor.

Jeratsch liefert ferner eine zweite Beobachtung: Er sehe eine „Ämterhäufung“ vor allem bei älteren Personen. Wenn die eines Tages wegbrächen, könnte vieles „in den Brunnen fallen“. Wenn man das weiterdenkt, muss es also darum gehen, mehr junge Leute mit dem „Virus Ehrenamt“ (Griese) anzustecken. Nicht einfach, findet eine Mutter, „und ich würde das aufs verkürzte Abi zurückführen.“ Eins ihrer Kinder mache G 8-Abitur, „die hat weniger Zeit.“

Wenig Zeit, zu viel Arbeit, um sich dauerhaft verpflichten zu wollen, das ist eine mögliche Erklärung für das, was Kerstin Griese beobachtet: „Vereine haben weniger Zulauf als projektbasierte Arbeit“. Heißt: Es müssen neue Formen der gemeinnützigen Arbeit gefunden werden. Griese äußert die Idee, das Ehrenamt in die Ganztagsschule zu integrieren. Früher Kontakt mit sozialen Berufen könne sich sogar oft berufsorientierend auswirken, sagt die Bundestagsabgeordnete.

Die ebenfalls anwesende Elisabeth Müller-Witt (SPD), als Landespolitikerin die direktere Ansprechpartnerin für Bildungsfragen, mahnt da jedoch zur politischen Nichteinmischung: Ehrenämter für Schüler, „das machen die Schulen in Eigenregie, das kann ein Ministerium nicht verordnen“.

Auch der niederbergische Branchenverein „Die Schlüsselregion“ hat eine alternative Form des Engagements beizutragen: den nach amerikanischem Vorbild gedachten Aktionstag unter dem Motto „Ein Tag für deine Stadt“. Am 19. Juni sollen Mitarbeiter der teilnehmenden Firmen ganztägig gemeinnützige Arbeit leisten. Und die Firma zahlt dafür.

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