Durch die Fahrradbrille

Fahrradscout Johannes Merkelbach (l.) mit Michael Krahl (Leiter Tiefbauabteilung der Stadt), Frank Seeber (Technische Betriebe) und Bürgermeister Dr. Jan Heinisch.
Fahrradscout Johannes Merkelbach (l.) mit Michael Krahl (Leiter Tiefbauabteilung der Stadt), Frank Seeber (Technische Betriebe) und Bürgermeister Dr. Jan Heinisch.
Foto: WAZ FotoPool
Johannes Merkelbach ist frisch ernannter Fahrradscout der Stadt. Auf seine Anregung hin werden Gefahrenpunkte für Radler begutachtet.

Heiligenhaus.. Johannes Merkelbach ist Radfahrer aus Passion: Satte 2936 Kilometer hat sein Tacho seit Januar heruntergezählt – was nicht allein daran liegt, dass der 54-Jährige jeden Tag mit dem Rad von Heiligenhaus zur Arbeit nach Ratingen fährt. Wer so viel mit dem Drahtesel unterwegs ist, dem fallen auch die Gefahrenpunkte für Radler sofort ins Auge. Dadurch kam Merkelbach mit der Stadt Heiligenhaus in Kontakt – und die hat ihn jetzt offiziell zum Fahrrad-Scout ernannt.

„Der Radfahrer ist ja irgendwie das unbekannte Wesen“, scherzt Bürgermeister Dr. Jan Heinisch. „Aber ich sehe das auch in meinem Bekanntenkreis: Die Leute fahren generell mehr Rad, auch im Alltag.“ Und Michael Krahl, städtischer Verkehrsplaner, ergänzt: „Man sieht auch mehr Fahrräder auf dem Markt – mit Einkaufskorb dran.“ Da liegt es nahe, die Stadt fahrradfreundlicher zu machen, auch außerhalb des Panoramaradwegs. Das soll beispielsweise auf der Hauptstraße geschehen – durch die neue Parkspur. „Dadurch verlangsamt sich der Verkehr, das ist für Radfahrer angenehmer“, sagt Krahl.

Auf seine Anregung wurde eine Bordsteinecke zurückgebaut

Die Stadt mit den Augen des Radfahrers sehen: Was Johannes Merkelbach ohnehin täglich tut, das macht er jetzt auch in offizieller Funktion. „Wir haben das mit Absicht nicht ,Fahrradbeauftragter’ genannt, weil er ja kein politisch Verantwortlicher ist“, betont Bürgermeister Heinisch. Aber eben jemand, der genau hinschaut. Zum Beispiel an der Höseler Straße, wo an der Kreuzung An der Wildenburg eine Bordsteinecke viel zu weit in den Radweg hineinragte. Die wurde mittlerweile zurückgebaut. „Eine Lösung für Radfahrer, von der auch Fußgänger profitieren“, freut sich Stadtplaner Krahl.

Auch auf dem Panoramaradweg ist der neue Fahrrad-Scout unterwegs und macht, wo nötig, Verbesserungsvorschläge. „Es geht ja auch um die Erhaltung auf Dauer“, sagt Merkelbach. „Wenn ich Bescheid sage, ein Foto und eine Mail schicke, braucht keiner von der Stadt mehr raus.“

Einer „von der Stadt“ ist aber dennoch regelmäßig auf der Strecke der ehemaligen Niederbergbahn unterwegs: Frank Seeber von den Technischen Betrieben, der dort auf Sauberkeit achtet und einmal pro Woche die Kehrmaschine über den Radweg lenkt. „Der Radweg wird unglaublich gut angenommen“, sagt Heinisch, „muss aber auch gepflegt werden.“ Frank Seeber sei sozusagen der „Streckenwärter“. Der eine achtet auf Stolperfallen, der andere auf Sauberkeit – da kann die Fahrradsaison beginnen. Zumal, verspricht Dr. Heinisch, Ende Mai die Karte für den gesamten Radweg fertig sein soll. Kann sich der Bürgermeister denn auch vorstellen, noch mehr Fahrrad-Scouts im Stadtgebiet einzusetzen? „Durchaus“, sagt Dr. Heinisch. „Wir nehmen jede Anregung gerne entgegen – und wenn sich die Leute systematisch damit beschäftigen, umso lieber.“

 

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