Drei Kirchen in Heiligenhaus läuten Totenglocken

Das neue Gemeindezentrum und die alte Kirche an der Schulstraße hier am 22.1.2014. Die Spiegelung der Kirche in den großen Scheiben des Gemeindezentrum. Foto : H. W. Rieck WAZ FotoPool
Das neue Gemeindezentrum und die alte Kirche an der Schulstraße hier am 22.1.2014. Die Spiegelung der Kirche in den großen Scheiben des Gemeindezentrum. Foto : H. W. Rieck WAZ FotoPool
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Auch die evangelische Gemeinde „läutet mit“ bei der Aktion des katholischen Erzbistums. Die Not der Flüchtlinge war auch Thema kritischer Predigten.

Von der Unter- bis zur Oberstadt werden abendliche Spaziergänger für eine Viertelstunde dieses Klang-Bild hören: Es sind die tiefen, einzeln verhallenden Schläge dreier Totenglocken. Pfarrer Horst-Ulrich Müller hat sich mit seinen Kolleginnen der evangelischen Gemeinde besprochen und das Presbyterium informiert: Auch die Alte Kirche läutet am morgigen Freitag von 20 Uhr bis 20. 15 Uhr für die Aktion „23 000 Glockenschläge“, die der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki für sein Bistum ausgerufen hatte.

Anders als in der gestrigen WAZ-Ausgabe noch angekündigt, einigten sich die evangelischen und der katholische Pfarrer in Heiligenhaus, nun doch die dunklen Totenglocken für die 23 000 im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge läuten zu lassen – „damit es unterscheidbar ist“, wie Pfarrer Müller sagt, „von der Einladung zum Gottesdienst“.

Auch Jürgen Buchholz, der in Heiligenhaus lebende Superintendent des Kirchenkreises, stimmte der Aktion zu. Die evangelische Gemeinde besorgte sich einige der Plakate des Erzbistums: Sie zeigen ein gedrängt volles Flüchtlingsboot in schwerer See, darunter den „Dicken Pitter“, die größte Glocke des Kölner Doms. Darüber der Schriftzug: „Wir läuten auch!“

Der evangelische Pfarrer hätte schon im Winter gerne eine Aktion des katholischen Erzbistums für seine Gemeinde aufgegriffen – als nämlich Kardinal Woelki die Flutlichter am Dom angesichts eines angekündigten „Pegida“-Aufmarsches abschalten ließ. „Wir hatten überlegt, auch die Alte Kirche zu verdunkeln“, erzählt Pfarrer Müller – aber die Wirkung sei mit der eines dunklen Doms doch nicht zu vergleichen.

„Ethisch gleich gestimmt“, wie der evangelische Pfarrer sagt, machen sich beide Kirchen für Flüchtlinge stark: „In Predigten haben wir schon oft auf die Problematik hingewiesen und auch die Ängste in der Gemeinde aufgegriffen.“ Gegen Gerüchte und Verdächtigungen haben Pfarrer und Pfarrerinnen widersprochen. „Dafür haben wir auch Kritik gekriegt“, sagt Horst-Ulrich Müller. „Das zeigt, dass wir deutlich gepredigt haben.“

Stadtlotsen als Vorbild

Gerüchten – etwa jenem, dass Asylbewerber angebotene Sachspenden „hochnäsig“ abgelehnt hatten – gehen die Verantwortlichen der Gemeinde stets nach: Es habe sich noch keine der Nachreden bestätigt. Vorbildlich nennt Pfarrer Müller dagegen das Engagement der 16 ehrenamtlichen „Stadtlotsen“, angebunden an die Bergische Diakonie. In Velbert will man diesem Vorbild jetzt folgen.

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