Die Welt in Punkten

Heiligenhaus.. Was ist die Welt? Wie ist sie strukturiert und all das, was in ihr existiert? Das sind grundsätzliche Fragen, mit denen sich Yoshio Yoshida beschäftigt. Für den Heiligenhauser Künstler bedeutet Malen weit mehr als die ästhetische Gestaltung von Leinwänden. Vielmehr versucht er durch seine Kunst der Welt rational auf den Grund zu gehen. Er erforscht sie wissenschaftlich, mit akribischer Genauigkeit.

„Wie sieht ein Baum aus?“ fragt Yoshio Yoshida und betrachtet eines seiner riesigen Werke, das einen Großteil der Wand einnimmt. Von Weitem erkennt man darauf mühelos einen großen Baum. Wer genauer an das Gemälde tritt, dem eröffnet sich indes ein scheinbar unendliches Farben- und Dimensionenspektrum: Tausende kleine Punkte – rote, blaue, gelbe, grüne – hat der Künstler auf die Leinwand gemalt. Und zusammen stellen sie viel mehr dar, als bloß einen Baum.

Diese Malweise ist charakteristisch für die Werke von Yoshio Yoshida. Auch bei anderen Bildern malt er fast pingelig feinste Punkte, versucht damit „mehr als drei Dimensionen“ zu schaffen und durch geometrische Linien und Formen „die Welt rational darzustellen“, erklärt er. Dabei distanziert sich der gebürtige Japaner jedoch vom Malstil des Pointillismus oder Punktismus, der zwischen 1889 und 1910 seine Blütezeit hatte. Auch betrachtet Yoshida sich selbst nicht als Anhänger des Divisionismus, bei dem die Gesamtkonzeption eines Bildes in ihre einzelnen Farbwerte zerlegt wird. „Das sind nur Techniken von mir“, erklärt Yoshida und zuckt mit den Schultern, „nur weil jemand deutsch spricht, heißt das ja auch noch lange nicht, dass er Deutscher ist.“

Yoshio Yoshida hat seine ganz eigene Vorstellung von der Welt und ihren Strukturen – und damit auch eine ganz eigene Farbtheorie: So ist für ihn das Universum nicht schwarz und dunkel. Im Gegenteil: Es ist hell. Und deshalb sind Yoshidas Bildhintergründe stets „nackt“, bleiben weiß.

Nicht nur die für uns Menschen sichtbaren Dinge untersucht der in Heiligenhaus lebende Maler mit Hilfe seiner Kunst, sondern auch die Musik. „Das ist eine geistige Welt, die ich sehen kann“, sagt Yoshida, holt dann die Abbildung eines seiner Bilder hervor: Feinste Linien durchziehen das Papier, verschaffen ihm Tiefe und multiple, komplexe Räumlichkeit. Darauf, oder mitten drin, schweben kleine, bunte Kügelchen, bilden zusammen geschwungene Linien, die mal zart und dünn, mal dick und gewaltig wirken. Mit diesem Bild hat Yoshida die „Sinfonie Nr. 8“ visualisiert, sie gedeutet, theoretisiert. Angefangen von der Abbildung eines Tons, bis hin zu den Tongeschlechtern, sucht er so nach der musikalischen Harmonie. Die aber „habe ich noch nicht gefunden“, sagt der zweifache Vater. Genau deshalb malt er sehr lange, oftmals elf Jahre an seinen Bildern. „Ich bin immer wieder unzufrieden“, meint er.

Auch heute noch ist der Heiligenhauser Maler täglich in seinem Atelier im Düsseldorfer Künstleratelierhaus. „Ich kann gar nicht ohne“, so Yoshida und lacht. So lange es geht, wird er also wie Goethes Faust versuchen „dem Aufbau der Welt und der geistigen Struktur der Menschen“, näher zu kommen. Schön, wenn dabei solch außergewöhnlichen Kunstwerke zustandekommen.

 
 

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