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Der Funke springt über vom Isenbügeler Kopf

Manfred Heeger (r.) und Frank Bandisch sitzen in ihrem Zelt auf dem Isenbügeler Kopf und warten auf Funksignale aus aller Welt.
Foto: H.W. Rieck
Funkamateure aus Duisburg-Huckingen sendeten vom Isenbügeler Kopf in die ganze Welt. Beim Internationalen Field Day ging es allerdings spartanisch zu.
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Heiligenhaus..  Die großen Masten sind schon von weitem auf dem Isenbügeler Kopf zu sehen. Gemeint ist allerdings nicht die dort beheimatete Mobilfunksendeanlage. Fest im Boden verankert recken sie sich in die Höhe. Zu ihren Füßen haben Manfred Heeger und Frank Baudisch ihr Zelt aufgeschlagen. Die beiden sind auf der Jagd. Feldhasen und Co haben nichts zu befürchten. Die Duisburger warten auf ein kleines Piepsen. Beim Internationalen CW Field Day am vergangenen Wochenende ging es darum, möglichst viele Funkamateure rund um den Globus mit Kurzwellen zu erreichen.

Gespannt wechselt Manfred Heeger durch die Frequenzen in der Hoffnung, dass jemand zu hören ist. Plötzlich krächzt eine verzerrte Stimme durch die Lautsprecher. Das was im ersten Moment klingt wie kaputte Fahreransagen in einem vollen Zug, entpuppt sich als englischer Funkamateur. Gemeinsam mit einem jungen Kollegen bespricht er die neueste Technik. Ein Thema, das unter Funkern für Gesprächsstoff sorgt. „Was Funken als Hobby ausmacht, ist das Interesse an der Technik. Ich kann mit wenig Mitteln viel erreichen“, erklärt Heeger, der unter dem Rufzeichen DB 8 ES funkt.

Das Notstromaggregat rattert

Das Camp der beiden ist spartanisch. Hinter dem Zelt rattert das Notstromaggregat, das nächste Haus liegt hunderte Meter weit entfernt. In die Einsamkeit am Isenbügeler Kopf zieht es die Funker aus Duisburg-Huckingen seit 20 Jahren aus einem guten Grund. „Der Field Day war am Anfang eine Notübung. Heute ist es jedoch ein Wettbewerb“, weiß Frank Baudisch.

Und dieser unterliegt strengen Regeln. Nur mit Notstrom und Kurzwelle müssen die Funkamateure mit so vielen Menschen rund um den Globus Kontakt aufnehmen. „Das spannende dabei ist, man ruft in die Welt hinein und weiß nicht wer darauf antwortet“, findet Baudisch.

Freier Flug für die Wellen

Mit Menschen aus aller Welt kommunizieren könnte man allerdings auch auf anderen Wegen ohne großen Aufwand. „WhatsApp, Handy... das ist alles Steckdosenfunk. Ich möchte gucken, ob ich auch mit Ultrakurzwelle bis in die Schweiz komme. Es ist eine Herausforderung.“ Ultrakurzwellen entsprechen Wellenlangen zwischen einem und zehn Metern.

Freie Sicht vom Isenbügeler Kopf bis ins Ruhrgebiet bedeutet auch: freier Flug für die Kurzwellen. Die Qualität des Standpunktes wussten bereits Funker im Zweiten Weltkrieg zu schätzen. Auf dem Gelände der heutigen Gärtnerei Schwendenmann stand das sogenannte Jagdschloss. Eine t-förmige, knapp neun Meter hohe Radaranlage. Das Panoramagerät ermöglichte den deutschen Soldaten eine Rundumsicht bis nach Holland.

Die beiden Duisburger sind natürlich nicht auf der Suche nach Jagdbombern, sondern auf der Jagd nach anderen Funkamateuren. Und davon gibt es in Deutschland mehr als man vermuten mag. Über 80 000 lizenzierte sollen es in der ganzen Republik sein.

Zwei von ihnen sitzen übrigens gerade in der Internationalen Raumstation und schweben durch das All.

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Do, 19.07.2018, 13.49 Uhr