Der Fahrradverkehr hat in Heiligenhaus noch Aufholbedarf

Der Panoramaradweg
Der Panoramaradweg
Foto: Detlev Kreimeier
Mobilitätsuntersuchung im Verkehrsausschuss vorgestellt. Die Studie zeigt: Auf kurzen Strecken könnten mehr Heiligenhauser ihr Auto stehen lassen.

Heiligenhaus..  Wie kommen die Heiligenhauser von A nach B? Unter anderem mit dieser Frage beschäftigte sich am Dienstag der Verkehrsausschuss. In der Sitzung wurde die Studie „Mobilität in Städten – SrV“ vorgestellt, bei der vor zwei Jahren 1013 Heiligenhauser Bürger aus 411 Haushalten zu ihrem Verkehrsverhalten befragt wurden.

Eines der Ergebnisse ist ein Beleg für den weiterhin hohen Stellenwert des Autos in der Stadt. 59,6 Prozent der Wege pro Person und Tag werden in Heiligenhaus mit dem Pkw zurückgelegt, 28,3 Prozent zu Fuß, 9,7 Prozent mit öffentlichen Verkehrsmitteln und lediglich 2,5 Prozent mit dem Drahtesel.

Rad auf Schulweg kaum genutzt

„Das ist noch weit entfernt von dem, was wir erreichen wollen“, sagt Michael Krahl, Fachbereichsleiter Straßenbau auf WAZ-Anfrage. Besonders auf kurzen Strecken werde noch häufig zum Autoschlüssel statt zum Rad gegriffen.

Wege zwischen einem und drei Kilometern würden nur in rund drei Prozent der Fälle mit dem Rad zurückgelegt. Bei drei bis fünf Kilometern wurde das Rad von den Befragten laut Statistik gar nicht genutzt. Für Lothar Nuthmann (Grüne) alarmierende Zahlen. „Bei Strecken unter fünf Kilometer sollte das Rad eigentlich ziehen“, sagte der Ratsherr im Verkehrsausschuss. Auch Michael Krahl sieht auf kurzen Wegen „noch viel Potenzial für das Fahrrad.“

Das gelte insbesondere für den Schulweg. Dort taucht das Rad als Verkehrsmittel ebenfalls nur im unteren einstelligen Prozentbereich auf, während das Auto mit mehr als 40 Prozent dominiert (ÖPNV rund 20 Prozent, Fußweg rund 30 Prozent). „Gibt es dafür Gründe?“, wollte Ratsmitglied Ingmar Janssen (SPD) wissen. Krahl vermutet eine statistische Unschärfe bei der Umfrage, sagt aber auch: „Es muss gezielt Werbung fürs Radfahren gemacht werden. Die Polizei informiert bei der Verkehrssicherheitsarbeit in Schulen, auch wir wollen hier aktiver werden.“

Große Projekte und kleinere Lückenschlüsse

Dennoch habe sich beim Radverkehr viel getan. „Bis vor einigen Jahren war die Stadt vor allem autogerecht ausgebaut. Durch den Panoramaradweg und weitere Maßnahmen, wie Angebotsstreifen und Öffnung von Einbahnstraßen, wollen wir unsere Chance nutzen.“ Auch kleinere Lückenschlüsse im Radwegenetz würden helfen. Beim Fahrradklimatest des ADFC sei Heiligenhaus nicht ohne Grund zum „Aufholer des Jahres“ gekürt worden, so Krahl.

Die Umgestaltung der Hauptstraße, bei der auch ein Angebotsstreifen für Radfahrer angelegt wird, sei eine beispielhafte Maßnahme, um die Stadt fahrradfreundlicher zu gestalten. Zudem treffe sich der Verkehrsausschuss mit dem Fahrradbeauftragten und dem ADFC zu Befahrungen, um diskussionswürdige Stellen zu begutachten. Einige Punkte seien bereits abgearbeitet worden.

Die Liste mit 43 Projekten werde nun von der Verwaltung überarbeitet und in der nächsten Sitzung des Verkehrsausschusses vorgelegt. Krahl betont jedoch, dass das Zusammenspiel aller Verkehrsmittel für die Entwicklung der Innenstadt wichtig sei. „Es gibt auch Situationen, wo das Auto die richtige Wahl ist.“

Stadtradler sind bislang 2664 Kilometer gefahren

Eine Aktion, die noch mehr Menschen in der Stadt für das Radfahren begeistern soll, ist das Stadtradeln (wir berichteten). Seit dem 29. August können umweltbewusste Heiligenhauser für das Klima in die Pedale treten und ihre gefahrenen Kilometer auf der Stadtradeln-Homepage eintragen. Interessierte können sich weiterhin anmelden, die Aktion dauert noch bis zum 18. September.

Momentan nehmen 48 Radfahrer in zwölf Teams an der Aktion teil. Sie sind bislang 2455 Kilometer geradelt und haben so mehr 350 Kilogramm CO2 vermieden. Aktivstes Team ist der ADFC, der mit neun Mitgliedern 580 Kilometer unterwegs war. Durch das „Radar“ auf der Homepage können zudem Mängel und Verbesserungsvorschläge für das Radnetz in Heiligenhaus eingetragen werden.

Informationen und Anmeldung zum Stadtradeln auf www.stadtradeln.de/heiligenhaus2015.html

 

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