Beziehungsdrama in Heiligenhaus wirft viele Fragen auf

Beziehungsdrama in Heiligenhaus. In diesem Haus an der Harzstraße wurde am frühen Freitagabend eine 27-jährige Mutter zweier Kinder von ihrem Ehemann umgebracht.
Beziehungsdrama in Heiligenhaus. In diesem Haus an der Harzstraße wurde am frühen Freitagabend eine 27-jährige Mutter zweier Kinder von ihrem Ehemann umgebracht.
Foto: WAZ FotoPool
Nach dem Beziehungsdrama in Heiligenhaus, bei dem am Freitag eine Frau getötet wurde, sind noch viele Fragen offen. Der Ehemann des Opfers hat gestanden, die 27-Jährige umgebracht zu haben. Das Paar war wohl erst seit Kurzem getrennt. Nachbarn im Mehrfamilienhaus im Stadtteil Oberilp sind schockiert.

Heiligenhaus. Am frühen Freitagabend wurde im Heiligenhauser Stadtteil Oberilp eine 27-jährige Frau getötet. Zu dieser Zeit sprach ein 30-jähriger Mann bei der Polizeiwache an der Hauptstraße vor und teilte den Beamten mit, er habe kurz zuvor seine getrennt von ihm lebende Ehefrau umgebracht; die beiden Kinder des Ehepaars seien bei Verwandten.

Der Heiligenhauser wurde festgenommen, Einsatz- und Rettungskräfte zur Adresse des Mannes geschickt. In der Wohnung wurde tatsächlich die leblose Frau gefunden, jede ärztliche Hilfe kam zu spät.

Die Oberilp am Samstag, hier stehen Hochhäuser dicht an dicht. Harzstraße 5, auf der großflächigen Klingelplatte an der Haustür stehen 54 Familiennamen, wenige deutsche, einige polnische, etliche arabische und türkische. Familie M. wohnte im vierten Stock. „Blaulicht ist hier nicht selten“, sagt ein Nachbar, zwei Etagen tiefer. Wie alle hier Befragten möchte er lieber nicht seinen Namen in der Zeitung lesen. „Ich war beim Abendessen und habe erst viel später mitbekommen, dass der Polizeinsatz in unserem Haus stattfand“.

"Was soll ich mich da einmischen?!"

Ein Mitbewohner aus der Tatortetage meint, ungefähr zur Tatzeit „sehr verdächtige Geräusche“ aus einer der Nachbarwohnungen vernommen zu haben – gut möglich, dass es bei Familie M. war. Interessierte ihn nicht, was da vor sich ging? Der Rentner weist auf die Klingelplatte: „So viele Menschen hier, mit denen man wohnt, die man aber nicht kennt. Was soll ich mich da einmischen?“ Soziale Kontakte bestanden bei den zahlreichen Befragten untereinander gar nicht. „Zwei Blocks weiter ist vor Jahren ein alter Mann gestorben, das ist erst ein halbes Jahr später bekannt geworden“, berichtet ein junger Passant im Jogginganzug. „Jeder macht hier sein Ding“, sagt er und zuckt mit den Schultern.

Ein junger türkischer Familienvater zeigt sich bestürzt. „Ich kannte den Täter“, sagt er leise. „Völlig unmöglich, dass er sowas getan hat. Mit dem habe ich schon als Kind gespielt.“ Auch er möchte seinen Namen nicht sagen, „hier im Haus wohnt schließlich noch seine Schwester, im Nachbarblock noch mehr Familie. Ich möchte keinen Ärger bekommen.“

Spekulationen über das Motiv

Eine deutsche Mieterin schließlich hatte engeren Kontakt zu dem Ehepaar. „Sie war ja schon vor längerer Zeit ausgezogen, er kümmerte sich um die beiden Kinder“, sagt sie über die Sprechanlage. M. sei einkaufen gegangen, mit den Kindern auf dem Spielplatz gewesen. „Und jetzt sind die Armen mit einem Mal quasi Waisen, das tut so weh!“

Sie wie auch andere fragen sich, warum M. seine Frau getötet haben könnte. „Das hat bei den Arabern etwas mit Ehre zu tun“, mutmaßt ein weiterer Bewohner der Harzstraße 5. „Der hat es nicht verwunden, allein gelassen worden zu sein!“

 
 

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