Besondere Vögel im Umweltbildungszentrum

Im Umweltbildungszentrum an der Abtskücher Straße verfolgen den Besucher über 200 Augenpaare ausgestellter Vögel. Doch drei davon stechen für Förster Hannes Johannsen aus der Masse hervor.
Im Umweltbildungszentrum an der Abtskücher Straße verfolgen den Besucher über 200 Augenpaare ausgestellter Vögel. Doch drei davon stechen für Förster Hannes Johannsen aus der Masse hervor.
Foto: Socrates Tassos
Hannes Johannsen, Leiter des Umweltbildungszentrums, öffnet die Vitrinen und zeigt, was sich hinter dort ausgestellten Vögeln verbirgt. Drei Vogelpaare stechen für ihn besonders aus der Masse hervor.

Heiligenhaus..  Über 200 Augenpaare verfolgen Besucher auf ihrem Bummel durch das Umweltbildungszentrum. Aus jeder Vitrine blicken sie die neugierigen Naturfreunde an. Mal mit aufgewecktem Blick durch dunkle Krähenaugen, mal mit stechend scharfem Fokus durch bernsteinfarbene Eulengucker. Sie alle haben so ihre ganz eigenen Geschichten, doch drei Vogelpaare stechen für Förster Hannes Johannsen aus der Masse hervor. Von cleveren Zeitgenossen bis hin zum gefiederten Stinktier des Waldes – für die Serie Lieblingsstücke stellte er die Vögel vor, die oftmals in den Vitrinen untergehen.

Ganz unscheinbar, ja fast ein wenig schüchtern, sitzt der erste skurrile Vogel im Schatten seines berühmten Vetters. Den Eichelhäher kennt so ziemlich jeder Waldfreund. Der blaue Streifen setzt sich wie ein Warnsignal vom hellen Fiederkleid ab, die Haube thront wie ein Irokesenschnitt auf seinem Kopf – rein optisch ist der Rabenvogel ein wahrer Hingucker. Doch in seiner Familie gibt es auch ein schwarzes Schaf und das sitzt im Umweltbildungszentrum direkt Schulter an Schulter mit dem farbenfrohen Sonnenschein.

Der Unglückshäher ist schon bei der Namensvergabe nicht gut weggekommen und auch die Geschichte des kleinen Vogels steht unter keinem guten Stern.

Ankunft verhieß Schlechtes

„Hier kommt der Unglückshäher nur vorbei, wenn es anderswo ein Unglück gibt. Denn eigentlich ist er in Russland und der Ukraine beheimatet“, weiß Johannsen. Ist dort der Winter extrem hart, zieht es den Rabenvögel mit dem orangefarbenen Streifen im Gefieder gen Westen. Doch vor einigen Jahrzehnten hieß die Ankunft solcher Vögel auch in unseren Gefilden nichts Gutes. „Wenn der Winter in Russland schon extrem war, konnte man davon ausgehen, dass er es hier auch wird“, erklärt der Förster. Kam der Unglückshäher also hierher, konnten sich die Menschen warm anziehen.

Der Unglückshäher ist ein eher unauffälliger Lieblingsvogel, den Wiedehopf hingegen kennen viele Spaziergänger – zumindest aus Büchern, denn hier in der Region ist es den Vögeln mit dem imposanten Kopfschmuck oft zu kalt. „Sie leben eher unten am Kaiserstuhl in Hecken. Mit der Landwirtschaft hier kommen sie nicht klar.“ Was viele Menschen jedoch nicht wissen, ist, dass der Wiedehopf auch einen eher unschönen Spitznamen trägt. Das Stinkehuhn nehmen nämlich gerade in der Brutzeit Angreifer sehr geruchsintensiv wahr. „Er kotet alles um sein Nest herum voll. Feinde wie den Steinmader schreckt das ab“, so Johannsen, „außerdem können die Jungvögel Kot direkt auf ihre Feinde spritzen.“ Diese Geheimwaffe der Natur funktioniert bei den gefiederten Tieren genauso gut wie beim schwarz-weißen Stinktier am Boden.

Vögel kennen Ampelphasen

Von einer weiteren Besonderheit der Natur wurde die Familie der Rabenvögel ausgestattet. Die vermeintlichen Unglücksboten zeichnen sich durch einen besonders scharfen Verstand aus. „Rabenkrähen – oder von den Jägern auch Aaskrähen genannt – sammeln zum Beispiel Stöcke um nach Nahrung zu angeln“, hebt Johannsen hervor. In Wien kennen die klugen Vögel sogar die Ampelphasen in- und auswendig. Bei Rot legen sie ihre gesammelten Nüsse gefahrlos auf die Straße. Bei Grün rollen die Autos darüber und öffnen die Leckerei für die Vögel. In der nächsten Standphase können sie die geknackten Nüsse bequem aufpicken.

„Außerdem können die Vögel besser Sprechen lernen als Aras“, freut sich Johannsen. Ein genauer Blick in die Vitrinen des Umweltbildungszentrums lohnt sich also, um spannende Dinge zu entdecken, die sich unter dem dichten Gefieder verstecken.

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