Auf die Inneren Werte kommt es an

Trotz der zum Ambiente passenden Feuerwehrfahrzeuge fällt der Blick in der Scheune sofort auf die imposante Holzkonstruktion unter dem Dach. Foto: Uwe Möller
Trotz der zum Ambiente passenden Feuerwehrfahrzeuge fällt der Blick in der Scheune sofort auf die imposante Holzkonstruktion unter dem Dach. Foto: Uwe Möller
Foto: WAZ FotoPool
Am Tag des offenen Denkmals gingen die Besucher in Heiligenhaus auf Entdeckungsreise durch den „Hof zum Hof“. Ein hölzernes Meisterstück.

Heiligenhaus.  Fachwerkhäuser zeichnen sich meistens durch ihre beeindruckende Holzkonstruktion, innen wie außen, aus. Im Bergischen werden sie zwar immer seltener, Heiligenhaus mangelt es aber nicht an den charmanten schwarz-weißen Häuschen. Da müsste die Wahl, welche Tür am Tag des offenen Denkmals für Besucher geöffnet wird, nicht schwer gefallen sein. „Wir wussten direkt, welches Gebäude wir passend zum Motto Holz nehmen sollten“, sagt Marie-Theres van Wahsen von der Denkmalbehörde. Überraschend fiel das Los auf ein Hofensemble, dem man seine hölzerne Vergangenheit gar nicht mehr ansieht.

Stein, so weit das Auge reicht – von Holz fehlt bei dem Gebäudekomplex erstmal jede Spur. Doch das Hofensemble an der Abtskücher Straße gleicht in dieser Hinsicht einer Pralinenschachtel, die erst nach dem Öffnen ihre wahren Schätze preis gibt. „Hier ist es dem Architekt Klaus Schönborn bei der Kernsanierung 1981 und 1982 gelungen, innen die Schönheit der alten Balken zu erhalten“, findet Marie-Theres van Wahsen, Leiterin des Denkmalsamtes. Außen wurde die typische Fachwerkfassade allerdings durch Bruchstein ersetzt.

Zeitreise in die Vergangenheit

Und tatsächlich, bei der Führung durch die jetzigen Stadtwerke wird klar, warum der „Hof zum Hof“ der Champagnertrüffel unter den Denkmälern ist. Durch die Büros und Flure des alten Bauernhofes ziehen sich dunkle Holzbalken. Manchmal hängen sie so tief in den Gang hinein, dass sich Großgewachsene ducken müssen.

Die sonst eher im Dornrösschenschlaf schlummernde Scheune des Ensembles bietet genug Kopffreiheit. Der Blick nach oben zeigt das ganze Ausmaß der massiven Holzkonstruktion unter dem Dach. „Es ist schön zu sehen, wie gut die alten Feuerwehrwagen des Feuerwehrmuseums in das Ambiente passen“, schwärmt Heidemarie Bruns und lobt weiter, „ich finde es interessant, sich alte Denkmäler mal von innen ansehen zu können. Es fühlt sich an wie eine Zeitreise in die Vergangenheit von Heiligenhaus.“

Der vermutlich im 17. Jahrhundert gebaute „Hof zum Hof“ war schon damals über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. „Es war ein sehr wichtiger Hof. Hier mussten alle anderen 46 Unterhöfe ihren Zehnt, eine Art Steuer, abgeben. „Nicht in Form von Geld, früher bezahlten die Menschen mit Getreide oder Vieh“, erklärt Rolf Watty, 2. Vorsitzender des Geschichtsvereins, bevor er zusammen mit Architekt Waldemar Madeia zu der nächsten Führung über das Hofgelände aufbricht. „In den achtziger Jahren sind viele alte Bauten platt gemacht worden. Gut, dass das mit diesem nicht passiert ist“, so Madeia. Stimmt, welche Denkmaltür hätte sich sonst am sonnigen Sonntag für die Heiligenhauser geöffnet.

 
 

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