Asylbewerber diskutierten mit Bürgermeister

Die zerstörten Herde sind bereits abmontiert und ersetzt. Die Lücken im Küchenblock zeigen, wo sie standen.
Die zerstörten Herde sind bereits abmontiert und ersetzt. Die Lücken im Küchenblock zeigen, wo sie standen.
Foto: WAZ FotoPool
Nach dem Tod eines Bewohners des Heiligenhauser Asylbewohnerheims wurde starke Kritik an der Unterkunft laut. Eine Bewohnerdelegation erörterte am Freitag die Situation mit dem Stadtoberhaupt. Unbekannte verwüsteten die Gemeinschaftsküche.

Heiligenhaus.  Nach dem Todes-Drama vergangene Woche im Asylbewerberheim an der Ludgerusstraße schlugen die Emotionen sowohl in der Unterkunft als auch bei der Bevölkerung hoch: Ein 44-jähriger Asylbewerber war gestorben, weil ein Krankenwagen nach Auskunft der Heimbewohner Stunden auf sich warten ließ. Doch nicht nur die zu späte Hilfe sorgte für Aufregung. Auch die hygienischen Zustände, die für Krankheiten verantwortlich sein sollen, wurden angeprangert. Am Freitag traf sich eine Delegation der Asylbewerber mit Bürgermeister Dr. Jan Heinisch, um die Situation zu erörtern.

Hauptkritikpunkte waren die geringe Zahl von Duschen und Toiletten sowie der Schimmelbefall in einigen Räumen. Nach Aussage von Heinisch sollen zunächst ab Januar mehr Duschen geschaffen werden. „Ich denke, wir könnten fünf neue Duschen hinbekommen“, sagte er. Wie es mit zusätzlichen Toiletten aussehe, werde noch geklärt. Zum Thema Schimmel meinte Heinisch: „Eine Familie, deren Unterkunft von Schimmel befallen ist, ist ab Anfang Januar verreist. In der Zeit wird ihre Unterkunft renoviert.“

Alleinstehende sollen in eine andere Unterkunft verlegt werden

Auch auf die Beschwerde der Asylbewerber, wonach es gerade in der Nacht zu Ruhestörungen von spät heimkehrenden Bewohnern komme, ging Heinisch ein. „Die Stadt hat an der Friedhofsallee ein Haus mit zwei Wohnungen, in der alleinstehende Asylbewerber in einer Art Wohngemeinschaft untergebracht werden können. Es gibt dort Platz für zehn bis zwölf Bewohner, was die Lage an der Ludgerusstraße entlasten würde.“ Dieser Vorschlag sei aber „auf ein geteiltes Echo“ gestoßen. Insgesamt bezeichnete Heinisch das Gespräch mit der Delegation als „manchmal hitzig, aber sehr konstruktiv.“

Eine Einschätzung, die einer der Abgesandten bis zu einem gewissen Maß teilt. „Das Gespräch war ganz gut“, so der Mann, der nicht namentlich genannt werden möchte. Dennoch seien viele Punkte für ihn nicht zufriedenstellend geklärt worden. „Wir sind über 100 Personen hier. Auch wenn ein paar wegziehen, haben wir immer noch viel zu wenige Duschen und Toiletten. Es ist alles nur eine Notlösung.“ Die hygienischen Zustände seien unhaltbar, nicht zuletzt wegen des Schimmels hätten zwei Frauen operiert werden müssen, alle seien krank. Und: „Hier teilen sich bis zu drei Familien einen Raum. So geht es nicht weiter, wir sind psychisch fertig und haben keine Privatsphäre.“

Das alles führe gerade nachts zu einer angespannten Situation, wenn sich die Frustration entlädt. „Da ist es oft laut, es gibt auch Schlägereien“, schildert der Bewohner weiter und ergänzt: „Das frühere Asylbewerberheim an der Friedhofsallee war viel besser. Da hatte jeder Container eine Dusche und eine Toilette.“ Doch die marode Unterkunft wurde unlängst geschlossen.

Am Montag sollen nach Auskunft von Bürgermeister Heinisch die Bewohner des Asylbewerberheims den Sozialarbeitern eine Rückmeldung zu den Vorschlägen der Stadt geben – insbesondere zur alternativen Unterbringung von alleinstehenden Bewohnern.

Unbekannte wüteten und zerstörten Kochplatten und Ceranfeld

Doch nicht nur wegen der Mängel, die die Bewohner anprangern, steht das Asylbewerberheim im Fokus: In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurde die Unterkunft zum wiederholten Mal Ziel von Vandalismus: So verwüsteten Unbekannte die Gemeinschaftsküche und zertrümmerten dabei Kochplatten und Ceranfelder. Auch wurde der Inhalt eines Feuerlöschers versprüht. „Das ist bereits das zweite Mal in dieser Woche, dass es dort zu Sachbeschädigungen gekommen ist“, sagte Bürgermeister Dr. Jan Heinisch. Der Verdacht richte sich aber zunächst nicht gegen die Bewohner des Heims, die Polizei sei eingeschaltet. Heinisch: „Das ist ein großes Ärgernis, nicht nur finanziell.“

Am Nachmittag waren die zerstörten Geräte aus der Küche bereits abgebaut worden. „Es wurde auch schon ein neuer Herd angeschlossen“, sagte Rolf Watty vom Stadtmarketing. Eigentlich war er aber nicht vor Ort, um Schäden zu beheben – sondern wegen des traditionellen Bekleidungsspenden-Basars für die Asylbewerber, den der Arbeitskreis Kultur und Gesellschaft im Stadtmarketing mit dem SKFM und dem Bürgerverein „Am Hanholz“ gestern von 11 bis 15 Uhr in der Küche ausrichtete. Immerhin damit war Watty zufrieden: „Es haben rund 50 Bürger und Bürgerinnen sehr viele gut gepflegte und gereinigte Kleidungsstücke abgegeben.“ Daraus konnten sich die Bewohner des Heims bedienen.

 
 

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