Asylbewerber aus der Anonymität holen

Heiligenhaus..  Über Flüchtlinge wird viel gesprochen – auch am Rande des im Club tagenden „Forum Ehrenamt“. Dabei kennt eigentlich kaum jemand einen Asylbewerber persönlich. Flüchtlinge, die unbekannten Wesen. Kann das zu einer entspannten Atmosphäre beitragen?

Vergangenen Monat ging ein Neu-Heiligenhauser einfach ins Asylbewerberheim an der Ludgerusstraße, brachte Sachspenden und machte seine guten Erfahrungen anschließend Facebook-öffentlich (WAZ berichtete). Andere bekundeten, sich beteiligen zu wollen. Ziel der Aktion war auch, einen persönlichen Kontakt herzustellen. Es sollte sogar ein sonntägliches Beisammensein von Asylbewerbern und Hiesigen geben.

Stadt und Diakonie bremsten jedoch die Begeisterung. Denn die Lage ist kompliziert. Sachspenden sollen über die Profis laufen. Und zum persönlichen Kontakt sagt Anne Dietrich, eine Ratinger Ehrenamtliche, aus ihrer Erfahrung: „Die Bewohner finden das nicht gut, wenn jeder in die Einrichtung kommt. Die können das nicht immer einordnen.“ Sie will auf keinen Fall, dass Asylbewerber zu „Ausstellungsstücken“ werden.

Gibt es also keine Möglichkeit, Asylbewerber aus der integrationshemmenden Anonymität zu holen? Anne Dietrich erzählt von Begegnungen im Rahmen der Gemeinde. Die seien aber nie offiziell. „Schwierig“, sagt sie auf die Frage nach Wegen der Kontaktaufnahme, die jedermann offen stehen.

Landespolitikerin Elisabeth Müller-Witt, die das Gespräch verfolgt, nennt einen Weg, der zu Kerstin Grieses rahmengebender Veranstaltung „Forum Ehrenamt“ passt: „Im Ehrenamt!“ In Heiligenhaus gibt es etwa unter der Ägide des Diakonie-Infopunkts am Kirchplatz die Stadtlotsen, die Asylbewerber unterstützen. Ralf Jeratsch von der Agentur für das Ehrenamt „Harfe“ ( 02056 / 13 502) kennt weitere Träger. Eine Liste ist auf www.heiligenhaus.de im Internet zu finden.

Ferner haben Nachbarn die Möglichkeit und Verantwortung, ein gutes Miteinander herzustellen, ergänzt MdL Müller-Witt. Sie wohnt in der Nachbarschaft eines Asylbewerberheims, wo sich manche engagieren – und andere gestört fühlen. „Das ist immer schwierig, man muss aber versuchen, die Nachbarschaft mitzunehmen“, sagt sie. Sonst könne ein „Kopfkino“ entstehen, „das man unbedingt korrigieren muss“.

 
 

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