23 Tonnen leicht wie eine Feder

Ähnliche Konstruktionen dienen in den USA als Eisenbahnbrücken.
Ähnliche Konstruktionen dienen in den USA als Eisenbahnbrücken.
Foto: WAZ FotoPool
Am Samstagmorgen schwebte die neue Brücke an ihren Bestimmungsort. Seitdem thront die Konstruktion über der Abtskücher Straße.

Heiligenhaus..  Lange schlummerte der Stahlkoloss versteck in einer Konstruktionshalle in Hoogstede (bei Lingen im Emsland). Über Nacht legte sie rund zweihundert Kilometer auf einem Tieflader liegend zurück, bis die neue Brücke schließlich ihren Bestimmungsort in Heiligenhaus erreichte. Nun thront die Konstruktion über der Abtskücher Straße und ermöglicht es zukünftig Radfahrern und Fußgängern, ohne Gefahr auf die andere Seite zu gelangen.

Wie eine Schaukel baumelt die neue Brücke an den Trageseilen das Krans, während sie mit viel Fingerspitzengefühl in die Lager bugsiert wird. In diesem Moment, kapp über der Erde schwebend, sieht man der Stahlkonstruktion ihre 23 Tonnen gar nicht an. Noch schwerer ist allerdings der Kran, der die Brücke über die Abtskücher Straße hievt. Gut 150 Tonnen bringt er auf die Waage. Kein Wunder, immerhin soll er nicht wie ein Streichholz abknicken, sobald Zug auf die Gurte kommt.

Ganz entspannt kann sich am Samstagmorgen auch Bauleiter Wolfgang Wirths ansehen, wie die knapp 28 Meter lange Brücke zwischen die Pfeiler gleitet. „Wir haben Mitte August angefangen. Und auch wenn die Brücke jetzt schon eingehoben ist, offizielle Übergabe ist erst am 11. Dezember. Dann sind auch die Anbindungen an den Radweg fertig“, erklärt Wirths vom Kreis Mettmann.

Gesamtkosten von 400 000 €

Den Zuschlag bekam die Borkener Firma Heinrich Walter Bau. Die Rechnung landete jedoch nicht bei der Stadt Heiligenhaus, sondern wurde dem Kreis Mettmann präsentiert. „Die reinen Baukosten betragen 340 000 Euro. Summa summarum liegen wir mit allem, was noch dazu kommt, bei knapp 400 000 Euro. Das haben wir bezahlt, weil es eine Kreisstraße ist“, rechnet Wirths vor.

Warum die Radfahrer und auch Fußgänger in den Genuss kommen über die, passend zur Freizeittrasse rot-grau lackierten, Brücke zu fahren, ist ganz einfach. Nachdem der Radweg eingeweiht wurde, sei es an dieser Stelle immer wieder zu Unfällen gekommen, so der Bauleiter vom Kreis. Den Schwung vom Berg konnten viele nicht rechtzeitig wieder abfangen. Und genau deshalb thront erstmals seit dem Abriss der alten Brücke in den 1990er Jahren wieder ein neues Bauwerk an der Stelle.

Bei dieser sogenannten Cremona-Brücke, einem System, das auch bei den Eisenbahnbrücken in den USA benutzt wird, müssen Lkw-Fahrer zukünftig auch keine Angst mehr haben, unfreiwillig oben ohne weiterzufahren. „Die Brücke hat einen leichten Bogen und ist an der höchsten Stelle fünf Meter hoch. Das passt alles drunter her“, sagt Wirths.

 

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