Zuhörer genießen extralangen Lesespaß

Jörg Winterscheid
Jörg Winterscheid
Foto: WAZ FotoPool
Beim 2. Hattinger Lesemarathon in der Innenstadt trugen 15 Autoren sieben Stunden lang Auszügeaus ihren Werken vor. An Themen war vom Märchen bis zum Selbstmord alles dabei.

Hattingen..  „Was passiert, wenn Sie mit 53 Stundenkilometern an einem Blitzer vorbei fahren?“ „Nichts“ murmelt das Publikum. „Richtig“, sagt Jörg Winterscheid. „Und nach diesem Motto reizen Ihre Kinder auch Ihre Toleranz aus.“ Der Hattinger Autor regt mit dem Auszug aus seinem Ratgeber „Der Elterntrainer“ die Zuhörer beim 2. Hattinger Lesemarathon sichtlich zum Nachdenken und Schmunzeln an.

Zuhörerin Petra Neuenhagen bestätigt: „Als Schulsekretärin kennt man solche Diskussionen nur allzu gut, beispielsweise vom Handy-Verbot.“ Die 62-Jährige aus Langenberg besucht die Lesung in der Innenstadt gemeinsam mit ihrem Mann Patrick – auf Empfehlung von Freunden. Einen Favoriten habe sie nicht unter den Autoren. „Ich interessiere mich einfach für Literatur und wollte mal Autoren aus der Umgebung zuhören“, sagt sie.

Nach der positiven Resonanz vom letzten Jahr hat Manuela Klumpjan, Leiterin des Hattinger Verlags Edition Paashaas, erneut zum Lesemarathon vor der Boutique Modela geladen: In sieben Stunden lesen 15 Autoren, zwischendurch gibt es Live-Musik. Der Lesemarathon ist erneut thematisch unterteilt. Den Auftakt machen Bücher rund um Kinder und Familie. Das Märchen „Als flöge meine Seele“, in dem Autorin Susanne Plitzko-Sié von den Lebensängsten eines Hasen berichtet, fasziniert Zuhörerin Ursula Schüler (70) besonders. „Da ich Enkelkinder habe, interessiere ich mich natürlich sehr für Märchen“, sagt die Bochumerin, die schon viele Lesungen in der Umgebung besucht hat. „Um zu hören, was es Neues auf dem Markt gibt.“

Nachdem Volker Kosznitzki mit „Marmor, Stein und Eisen bricht“, „Was wollen wir trinken?“ und „An der Nordseeküste“ für Stimmung unter den Gästen gesorgt hat, werden die Themen ernster. Autor Johannes Angerer aus Wien – neben dem Südafrikaner Joseph Ashun einer von zwei internationalen Autoren – zieht seinen Vortrag spontan vor, da einige Autoren im Stau stehen. „Jetzt gibt es einen kurzen und schmerzlosen Einblick in die Psychologie“, kündigt er seinen Roman „Gehöre ich halt nicht dazu“ an. Erzählt wird die Geschichte eines Mannes, der sich eine Woche Zeit bis zum geplanten Selbstmord gibt.

„So ernst bleibt der Abend jedoch nicht“, versichert Veranstalterin Manuela Klumpjan. Liebes- und Kurzgeschichten stehen ebenso auf dem Programm wie Humoristisches und Science-Fiction. „Das Ende ist aber traditionell den Krimis vorbehalten“, sagt Klumpjan. Deren nächste Veranstaltung auch wieder kriminalistisch ist: Am 5. November, 19 Uhr, lockt das „KrimiSpielDinner“ ins „Ost-Eck“ (Oststraße).

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