„Zehntklässler gleich behandeln“

Brigitte Ulitschka
Foto: Svenja Hanusch / WAZ FotoPool
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Hattingen.  Die Leiter der Gymnasien empfinden es als problematisch, dass ihre Jugendlichen weitere Wege zurücklegen müssen.

Schulleiter empfinden die Regelung durchaus als ungerecht. Ein Sturm der Entrüstung ist allerdings noch nicht durch die beiden Hattinger Gymnasien gefegt, weil ihre Zehntklässler einen längeren Schulweg bewältigen müssen als Real- oder Gesamtschüler. Was nichts damit zu tun hat, dass sie weiter entfernt wohnen, sondern damit, dass sie bei der Fahrtkostenerstattung anders behandelt werden.

Im Schulzentrum Holthausen mit Gymnasium und Realschule unter einem Dach würde die Ungerechtigkeit besonders auffallen, wenn Freunde denselben Weg, dieselbe Entfernung haben, der eine ein Schokoticket bekommt, der andere dagegen laufen muss. Gerd Buschhaus ist davon allerdings nichts bekannt.

Der Schulweg von Zehntklässlern war bisher kein Thema, das bis zu ihm durchgedrungen wäre. Der Leiter des Gymnasiums im Schulzentrum vermutet, dass wenige Schüler betroffen sind, „vielleicht ein paar aus Bredenscheid“.

Er selbst ist früher gelaufen, „das war nicht so weit. Keine fünf Minuten hin, zurück hat’s länger gedauert, je nachdem, wen ich getroffen habe“. Seiner Ansicht nach sollten die Schüler aber gleich behandelt werden, unabhängig davon, welche Schule sie besuchen.

Während Kinder es oft kaum erwarten können, groß zu sein, mehr zu dürfen, Jugendliche sich die Freiheit Erwachsener wünschen, strebt beim Schulweg kein Zehntklässler hoch hinaus, der das Gymnasium besucht. Als Folge von G8 muss er jedoch 1,5 Kilometer mehr laufen als der Freund, der die zehnte Klasse in Real- oder Gesamtschule besucht.

Auch Dr. Heinz Niggemann als Leiter des Gymnasiums Waldstraße empfindet die unterschiedliche Regelung als Problem. Es wurde ihm allerdings erst bewusst, als er Artikel über die ungerechte Beförderung und den Streit im Landtag in der Zeitung las. In der Schule hat er davon noch nichts vernommen.

Seinen eigenen Schulweg hat Dr. Niggemann damals mit der Straßenbahn zurückgelegt, „drei Haltestellen. Zum Laufen war es zu weit“. Auch er spricht sich für Gleichbehandlung aus. Und klebt, mit einem Augenzwinkern, ein kleines Trostpflaster auf die Wunden seiner Zehntklässler, deren Schulweg jetzt über fünf Kilometer betragen muss, wollen sie in den Genuss einer kostenlosen Beförderung kommen. Ausnahmen von der Entfernung gibt es höchstens bei gefährlichen Schulwegen.

Dafür, so Niggemann, hätten Zehntklässler am Gymnasium auch nicht nur Nachteile, sondern ebenso Vorteile und zusätzliche Freiheiten, die Oberstufenschülern vorbehalten sind: „Sie dürfen in Freistunden das Schulgelände verlassen.“ Was jüngeren Schülern verboten ist.