Wohnen hinter kobaltblauen Fenstern

Foto: Funke Foto Services
  • Imposanter Treppenbereich mit bleiverglasten Fenstern
  • Originalziegel wiedergefunden
  • Sprossenfenster entsprechend alter Pläne geplant

Hattingen..  Die Stadtvillen an der Bredenscheider Straße 8 und 10 sind echte Schmuckstücke. Und nach Jahren wechselten sie kürzlich den Besitzer. Architekt Carsten Doberenz und ein Partner wollen sie aus dem Dornröschenschlaf wecken. Dabei sind die Villen grundverschieden. Während Nummer 8 mit einem besonders repräsentativen Äußeren aufwartet, überzeugt Nummer 10 durch innere Werte.

Riskiert man nur im Vorbeigehen einen flüchtigen Blick, fällt die Besonderheit des hellen Gebäudes von 1914 kaum auf. Betritt man aber die ehemalige Hildebrandtsche Villa, in der zuletzt die Jugendbibliothek und die Musikschule untergebracht waren, zeigt sich die ganze Pracht: Eine Flügeltür führt in ein großzügiges Treppenhaus, dessen Fenster kobaltblau leuchten. „In jedem befinden sich geschliffene Kristalle. Wenn die Sonne darauf scheint, bilden sich kleine Regenbögen“, schwärmt Carsten Doberenz. „Da haben wir tolle Harry-Potter-Nächte zum Erscheinen der Bände veranstaltet“, erinnert sich auch Beatrix Stracke aus der Stadtbibliothek gern.

Gebaut hat das Haus Dr. med. Rudolf. Nach dessen Tod ging es an den Kaffeeröstereibesitzer Hildebrandt, der es seinen Söhnen vererbte. Die Stadt Hattingen hatte die Villa, wie auch das Nachbarhaus, einst für die Stadtbahntrasse Reschop-Henrichshütte gekauft, die dann doch nicht gebaut wurde.

Originalpläne als Vorbild

Jetzt wird die Villa wieder zum Wohnhaus. „Hier soll eine Wohngruppe für Senioren einziehen“, erklärt Doberenz. Damit könnte der imposante Treppenbereich gemeinschaftlich genutzt werden. „Das ist eine recht neue Wohnform. Die gibt das Haus quasi vor“, erläutert er. Im Dachgeschoss wird eine Wohnung mit einem bis in den Dachfirst offenen Wohnraum entstehen. Dort werden auch Gauben geöffnet, die auf den Original-Bauplänen schon verzeichnet waren.

Ein neues altes Erscheinungsbild bekommt das Dach. „Das ist jetzt ein Betonsteindach und zufällig haben wir auf dem Dachboden noch Originalziegel gefunden, die wir jetzt nachbestellen können“; freut sich Carsten Doberenz. Er, der selbst in einem Denkmal lebt, will so viel wie möglich der alten Struktur erhalten – oder neu herstellen. Wie bei den Fenstern, die bis auf die blauen Bleiverglasungen durch welche mit Plastikrahmen ersetzt worden waren. Bald sollen wieder Holzrahmen mit Sprossen eingebaut werden – so, wie es die Originalzeichnungen vorgeben. Der Fahrstuhl, der die Barrierefreiheit garantieren soll, wird übrigens in einem Raum eingebaut, „in dem die Stuckdecken ohnehin kaputt waren“, betont Doberenz. Dafür wurde er extra noch einmal verlegt.

 

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