Wo die Baustelle ein Segen ist

Ela Mikfeld (re.) profitiert von der Baustelle: Fußgänger werden an ihrem Laden vorbeigeleitet.
Ela Mikfeld (re.) profitiert von der Baustelle: Fußgänger werden an ihrem Laden vorbeigeleitet.
Foto: Winfried Labus / FotoPool
Was für die einen ein Fluch, ist für die anderen ein Segen: Passanten entdecken Mode Modela wegen der Umleitung durch die Keilstraße.

Hattingen..  Seit dem 27. August wird der untere Bereich der Fußgängerzone in der Innenstadt im Auftrag der Stadt teilweise neu gepflastert. Viele Einzelhändler klagen aufgrund der Bauarbeiten an der Heggerstraße, die zurzeit nur beschränkt begehbar ist, über Umsatzverluste. Viele, nicht alle. Einige profitieren sogar davon. So zum Beispiel das Modegeschäft Modela, das an der Keilstraße liegt. Durch diese kleine Gasse werden die Passanten zurzeit um die Baustelle geleitet.

Geschäft liegt eher versteckt

Für Ela Mikfeld stellt sich die Umleitung als geschäftsfördernd heraus. „Ich kann mich nicht beklagen“, sagt die Inhaberin. Im Gegenteil – die Fußgänger-Umleitung treibt neugierige Passanten in ihre Boutique, in der nach ihren Angaben bezahlbare Designermode nach Maß geschnitten wird. „Wir liegen eher versteckt, der Baustelle sei Dank entdecken immer mehr potenzielle Kunden Modela und der Umsatz steigt“, so die 59-Jährige. „Das ist kostenlose Werbung, der Laden ist vor allem bei schönem Wetter, wenn wir auch draußen ausstellen können, rappelvoll.“ Auch Kinder und Jugendliche, die normalerweise nicht zu der Zielgruppe von Modela gehören, werden auf das Modegeschäft aufmerksam, empfehlen es Eltern und Großeltern weiter. Vorbeieilende kommen später zurück, um die ausgefallene Mode in Ruhe unter die Lupe nehmen zu können. „Wer keine Zeit zum Stöbern hat, nimmt sich teilweise meine Karte mit, um den Laden wiederzufinden“, bestätigt Ela Mikfeld, die großen Wert auf eine individuelle Beratung legt.

Umrahmt von Fachwerkhäusern und bunten Blumenkübeln spiegelt der urige Straßenabschnitt das historische Hattingen in seiner Schönheit wieder. „Von dem Lärm der Baustelle bekommen wir hier kaum etwas mit“, sagt Mikfeld, „Mein Laden liegt in einer kleinen Oase der Ruhe.“

Wie ein junger Schmetterling

Interessiert studiert Marlene Meier die fein ausgearbeiteten Knöpfe der an der Fassade des gegenüberliegenden Fachwerkhauses ausgehängten Herbstmode. Der 63-Jährigen, die eigentlich auf dem schnellsten Wege zum Friseur wollte, geht es wie vielen Besuchern der Altstadt: „Ich kannte das Modegeschäft bis jetzt noch nicht und bin der Umleitung wegen zufällig in die Keilstraße geraten und darüber gestolpert.“ Sie fährt mit der flachen Hand über die hochwertigen Stoffe: „Türkis und lila, genau meine Farben. Damit fühle ich mich wie ein junger Schmetterling“, sagt die potenzielle Kundin und lacht herzlich. „Der Haarschneider kann einen Moment warten, ich habe vielleicht ein Schmuckstück entdeckt“, sind ihre Worte, bevor sie die Türschwelle überquert, um sich auch im Inneren umsehen zu können.

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