Wild-romantische Entdeckungstour

Schwärmt vom Spaziergang im Gethmannschen Garten: Detlef Polzfuß, der oft den Blick vom Belvedere aus genießt.Fotos:Volker Speckenwirth
Schwärmt vom Spaziergang im Gethmannschen Garten: Detlef Polzfuß, der oft den Blick vom Belvedere aus genießt.Fotos:Volker Speckenwirth
Foto: WAZ FotoPool
Ein Spaziergang durch den Gethmannschen Garten in Blankenstein reizt zum Erforschen,Staunen, Genießen, Bewegen, Verweilen, Eintauchen in die Geschichte

Hattingen..  „Los ist meistens nichts. Fast nur Hundehalter kommen hierhin“, sagt Detlef Polzfuß (69), der mit Hündin Biene durch den Gethmannschen Garten spaziert. Kaum zu verstehen ist das, denn der eineinhalbstündige Spaziergang durch den denkmalgeschützten Park in Blankenstein gleich hinter dem Stadtmuseum ist Urlaub, Entdeckungstour und Kontaktknüpfen zugleich.

Keine Decke liegt auf der großen Wiese in der Mitte des Parks. Auch an den malerisch gelegenen Picknickbänken sitzt niemand. Ist der Zugang zum Park noch gepflastert, so gehen wir doch bald über Steinchen, dann über Laub. Oder über Rasen. Denn mancher Weg wirkt wie ein Trampelpfad. Beispielsweise gleich hinter dem Friedrichsberg mit Schneckengang und der Ruhrsandsteinbrücke, die „früher viel auf Postkarten war“, sagt Polzfuß.

Der Weg jedenfalls führt bald zwölf Stufen hinunter zu einer Tafel, einer von zahlreichen, die den Gethmannschen Garten erklären. Darauf steht, dass hier früher ein kleines Haus, die „Eremitage“, Rückzugsmöglichkeit bot. Eine Steinmauer zeugt von ihr. Daneben eine riesige, ungewöhnlich geformte Wurzel. Viele weitere sollen im Laufe des Spaziergangs folgen.

Immer wieder geht es bergauf und rundherum – zum Friedrichsberg, um den auch ein Weg führt. Oder gegenüber zur Wilhelmshöhe, über deren Bank ein riesiger Kirschbaum seine Äste breitet. In der Nähe treffen wir einen Mann mit lebhaftem Border Collie – zu lebhaft für Biene. Zeit für einen kleinen Plausch aber bleibt an diesem Ort, einer Mischung von Gestaltung und wild Gewachsenem. Hier erobert sich die Natur den Ex-Trimmpfad zurück, dort ist die Wiese gemäht.

Kurz vor der Wilhelmshöhe steht eine Bank versteckt im hohen Gras, davor Rhododendren, durch deren Laub sich Brombeeren ihren Weg bahnen. Lecker sind die Früchte. Dies ist nur einer von vielen romantischen Orten für nicht nur einen Aufenthalt.

Romantik ist es, die Paare an das Geländer des Belvedere Schlösser mit ihren Namen anbringen lässt. Einladend breit ist das geschwungene Geländer der Brücke, das sich zur Plattform hin verjüngt. Wasser rauscht, der Blick fällt auf das Ruhrtal. Mancher Weg ist nach Sturm Ela noch nicht wieder begehbar, Äste liegen quer.

Riesige Buchen am Wiesenrand sind beeindruckend, darunter stehen zwei Tischtennis-Platten, „da habe ich in diesem Jahr noch gar keinen dran gesehen“, so Polzfuß, der mit Begeisterung Fremden den Park erklärt, schwärmt. Zu Recht. Unverständlich auch, dass bei bestem Wetter der Spielplatz nicht besucht ist - mit u.a. Standwippe, Nestschaukel, Klettergerüst. Wer den Weg vorbei an seinem Zaun nimmt, kann sich auf einer liegenbreiten Bank ausstrecken gleich an der hohen efeubewachsenen Mauer. Das neuerliche Aufraffen lohnt, führt der Weg doch zu den „Steinernen Tischen“ mit tollem Ausblick auf die Burg. Glück für uns, dass kaum jemand kommt. Denn das ist Entspannung pur. Und verweilenswert.

 
 

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