Wie Bürger Flüchtlingen helfen

Foto: WAZ FotoPool / Olaf Ziegler
Innerhalb weniger Wochen konnten viele Angebote bereits realisiert werden. Ehrenamtliche etablieren eine Willkommenskultur in Hattingen.

Hattingen.  In wenigen Wochen hat sich in Hattingen eine „Willkommenskultur“ entwickelt, die die Verantwortlichen bei der Stadt – allen voran Erika Beverungen-Gojdka, Leiterin des Fachbereichs Soziales und Wohnen – begeistert. Viele Hattinger engagieren sich ehrenamtlich für die inzwischen 260 Flüchtlinge in Hattingen. So konnten in den vergangenen Wochen zahlreiche Angebote initiiert, bereits gestartet und erweitert werden.

Gesucht und gefunden wurden unter anderem Freiwillige, die Flüchtlingen bei der Eröffnung eines Girokontos behilflich sind. „Das läuft gut an. Wir begleiten die Helfer bei ihrer Aufgabe“, sagt Beverungen-Gojdka. Von Sprachproblemen, die einige Bürger bei der Infoveranstaltung Ende Oktober im Rathaus befürchtet hatten, sei ihr bisher nichts bekannt.

Gemeinsam mit den Betroffenen die Sprache lernen, können die ehrenamtlichen Helfer, mit deren Unterstützung in der Flüchtlingsunterkunft an der Werksstraße jetzt eine Babygruppe eingerichtet werden konnte. „Die läuft bereits zwei Mal pro Woche“, freut sich die Fachbereichsleiterin. Denn besonders die Betreuung der Kinder war den Verantwortlichen ein Anliegen.

Spielraum an der Werksstraße

Ebenfalls geöffnet werden konnte inzwischen – zumindest einmal pro Woche – der Spielraum an der Werksstraße. Durch die unzähligen Spielsachen, die Hattinger Bürger bei der zentralen Spendensammelstelle abgegeben hatten, kann der Raum nun vielfältig bestückt werden. Das Ziel ist es, ihn von montags bis freitags ab 16 Uhr für jeweils zwei Stunden zu öffnen.

Für die Arbeit mit Kindern wird von den Ehrenamtlichen ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis benötigt. Die Freiwilligenagentur stellt sicher, dass dieses kostenlos ausgestellt wird.

Noch nicht weiter verfolgt wurde unterdessen die Hausaufgabenhilfe. Derzeit (Stand 25. November) gibt es 18 schulpflichtige Flüchtlingskinder in Hattingen „und die sind alle im Ganztagssystem untergebracht“, erklärt Beverungen-Gojdka. Deshalb habe man das Projekt Hausaufgabenhilfe – obwohl es genügend Freiwillige gibt – erst einmal zurückgestellt. Allerdings könnte an seine Stelle ein Patenschaftsmodell treten. Konkrete Pläne gibt es dazu aber noch nicht.

Was dagegen feststeht: Am kommenden Montag soll es wieder eine Weihnachtsfeier für die Flüchtlinge und ihre Kinder geben. Aus Platzgründen wurde die ins Haus der Jugend verlegt. Auftreten wird neben einem Weihnachtsmann auch ein Clown. Und durch Spenden der Awo und des Kinderschutzbundes wird jedes Kind ein kleines Geschenk erhalten.

Ebenfalls organisiert ist die Betreuung der Kleiderkammer an der Werksstraße. Darum kümmert sich nun Sozialarbeiterin Ditmara Schussbier gemeinsam mit Bewohnern der Unterkunft.

Organisation der Angebote

Viele Aktivitäten laufen also bereits. Deshalb beschäftigt die Verantwortlichen bei der Stadt derzeit vor allem die Organisation der Hilfsangebote. Und auch dabei helfen die Hattinger Bürger selbst. So gibt es seit anderthalb Wochen die Facebook-Gruppe „Willkommen in Hattingen“. 219 Mitglieder diskutieren dort neue Ideen und planen die Einsätze der Helfer.

So auch den am heutigen Mittwoch in der alten Feuerwache an der Friedrichstraße. Dort wurde die zentrale Spendenannahmestelle eingerichtet. Angesichts der Spendenflut müssen nun Regale (ebenfalls gespendet) montiert werden, um die Sachspenden sortieren zu können.

 
 

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