Wennische Bayern

„Müllers Erben“ fiebern am Samstagabend mit, wenn es für ihren Verein um Europas Fußball-Krone geht.

Hattingen..  Nein, eine einfache Zeit durchleben die Mitglieder des Fanclubs „Müllers Erben“ aus Niederwenigern derzeit nicht. Erst recht nicht im Revier: Zunächst schnappt Borussia Dortmund ihrem geliebten FC Bayern München die Meisterschaft weg und besiegt den Rekordmeister dann auch noch in einem denkwürdigen DFB-Pokalfinale mit 5:2. Aber ein großes Spiel haben die FCB-Fans noch vor sich: Sie hoffen, dass sich die Bayern am heutigen Samstag im Champion-League-Finale in ihrem eigenen Stadion gegen den FC Chelsea die Krone des europäischen Vereinsfußballs aufsetzen.

Die Tatsache, dass man in Bundesliga und DFB-Pokal jeweils den Dortmundern den Vortritt lassen musste, beeinträchtigt den Optimismus der 30 Mitglieder von „Müllers Erben“ nicht. „Ich bin zuversichtlich, dass wir gegen Chelsea eine bessere Einstellung finden“, sagt der Vorsitzende Arnd Rothkamp (34). Denn auch schon das vergangene Bundesligaspiel gegen Dortmund sei ja mit 0:1 verloren gegangen und danach habe man dann Real Madrid im Halbfinale geschlagen – ein gutes Zeichen. Rothkamps Tipp deshalb: „3:2 für die Bayern.“

Damit alles klappt, wird die Gemeinschaft beschworen: „Wir werden das Finale zusammen sehen“, sagt Rothkamp. Dazu stellen „Müllers Erben“ in den Räumen einer ehemaligen Kneipe in Kupferdreh eine Leinwand auf. Außer zwei glücklichen Mitgliedern, die bei der Verlosung Karten ergattert haben, wird der ganze Club gemeinsam die Partie verfolgen.

Fast jeder hat seine eigenen Rituale, die Glück bringen sollen und auch an Bundesliga-Spieltagen durchgeführt werden. „Das sind Sachen, die man mit einem positiven Ereignis verbindet“, sagt Vereinsmitglied Marc Wagner (38), der selbst für mehrere Hattinger Mannschaften gespielt hat, zum Beispiel für den TuS Hattingen oder die Sportfreunde Niederwenigern. Er etwa habe seit seiner Kindheit ein Trikot des legendären Torhüters Sepp Maier, der bei den großen Triumphen der Bayern in den 1970er Jahren zwischen den Pfosten stand. Das komme auch heute noch zum Einsatz.

Es ist das vierte Champions-League-Finale der Bayern in den vergangenen 13 Jahren. Arnd Rothkamp hat schon Endspiel-Erfahrung, im Gegensatz zu seinem Verein, der erst vergangenes Jahr gegründet wurde. Rothkamp hat die Mutter der modernen Fußball-Dramen 1999 in Barcelona vor Ort miterlebt. Hier führte München durch ein Tor von Mario Basler lange Zeit, ehe Manchester United die Partie mit zwei Toren in der dramatischen Nachspielzeit noch drehte. „Danach kann einen nichts mehr schocken.“

Auch nicht der zweite Besuch eines Endspiels: Vor zwei Jahren in Madrid musste Bayern München Inter Mailand den Titel überlassen. Das erfolgreiche Finale 2001 in Mailand gegen Valencia hat Rothkamp hingegen nicht im Stadion gesehen. Seine eigene „Final-Bilanz“ ist also schlecht, andererseits ist es ja vielleicht ein gutes Zeichen, dass er diesmal keine Karte bekommen hat. „Das macht mich optimistisch, dass es diesmal klappen könnte“, sagt er mit einem Lachen. Für die beiden Mitglieder, die Karten für München haben, freut er sich. „Da gibt es keinen Neid.“

In Hattingen sind die Bayern-Anhänger von den größeren Fan-Lagern der Dortmunder und Schalker umgeben. Klar, dass man da oft mit Stereotypen über die Vereinssympathie konfrontiert wird. Die lauten bei Bayern-Fans oft, dass sie „Mode-Fans“ seien, die ihren Verein nur gewählt haben, weil der so unverschämt erfolgreich war und ist – da schwingt mit, dass einen die Leidenschaft bei Erfolglosigkeit schnell wieder verlässt. Dem widerspricht Marc Wagner: „Ich war schon immer Bayern-Fan. Aus meiner Sicht stehen da vernünftige Leute hinter, die den Verein weitsichtig führen“, sagt er. „Und das finde ich bewundernswert.“

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