Wenn die falsche Straße asphaltiert wird

Carsten Bäcker
Carsten Bäcker
Foto: WAZ
Der Bauausschuss tut sich schwer mit der Korrektur einer Fehlentscheidung

Hattingen.. Schlaglöcher gibt es in Hattingen nun wirklich genug. Da kann man schon mal den Überblick verlieren. Und in bester Absicht die falsche Entscheidung treffen. Jetzt ist guter Rat teuer. Und die Politik zerstritten.

Die löchrige Geschichte, sie beginnt 2010. Das Konjunkturpaket II spült Geld in die kommunalen Kassen. Konkret dürfen sich alle Ortsteile neue Straßen und Wege wünschen, ersatzweise auch Reparaturen oder Erhaltungsmaßnahmen. In Holthausen hält man zunächst neue Wanderwege um die Reha-Klinik, später die Sanierung der Schlagloch-Strecke zwischen Salzweg und Ruhrhöhenweg für eine gute Idee. Schließlich fährt da ein Schulbus . . .

Gesagt, getan: Als die Bauverwaltung die politische Vorgabe umsetzt und die Maßnahme per Beschlussvorlage in den Bauausschuss zurückspielt, gibt der grünes Licht.

Dann rücken Bagger an. Die Straße wird gemacht. Leider nicht an der Stelle, wo es richtig und wichtig gewesen wäre – weil dort der Schulbus fährt. Statt an der Verbindung weiter westlich Richtung Bredenscheider Straße werden die Schlaglöcher zwischen Salzweg und Ruhrhöhenweg im Osten nahe der Holthauser Straße verfüllt. Was auch nötig ist – Buckelpiste ist Buckelpiste. Aber eben nicht so dringlich. Denn dort fährt kein Schulbus . . .

Falsch aufgeschrieben, falsch abgestimmt – der Doppelfehler ist gemacht. Und bleibt erst einmal liegen.

Zurück ins Jahr 2012. Ein paar Tage vor der Sitzung des Bauausschusses am Dienstagabend ist offenbar ein Schulbus auf der nicht sanierten Strecke von der Fahrbahn gerutscht „und nur darum nicht umgekippt, weil er von einem Telegrafenmasten gehalten wurde“. So hat es die Mutter eines Schulkindes Carsten Bäcker erzählt. Grund genug für den Holthauser SPD-Mann, im Ausschuss zu beantragen, dass das „richtige Straßenstück“ nun noch in den Sanierungsplan für 2012 rutscht, über den gerade verhandelt wird.

Die anderen Parteien zögern. Die Strecken an Rosental, Paas-, Königsteiner-, Fähr-, Erzberger Straße sowie Auf der Knippe, die für 180 000 Euro saniert werden sollen, hätten es auch bitter nötig. „Nirgendwo dort fährt ein Schulbus“, versucht es Bäcker noch einmal. Die Bauverwaltung sieht den Bus-Zwischenfall nicht dramatisch, die Rede ist von einem „Fahrfehler“. Das reicht. CDU, Grüne, FDP und Linke stimmen gegen die Sofortmaßnahme am Ruhrhöhenweg. Nur wenn Geld übrig bleibt, sollen dort Bagger rollen.

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